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Die Vogelsbergbahn |
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Farbaufnahme eines von einer Dampflok der BR 86 gezogenen Personenzuges im Bahnhof Hartmannshain. |
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Der Bahnbetrieb Die Vogelsbergbahn war insbesondere auf den Abschnitten oberhalb von Gedern eine ausgesprochene "Gebirgsbahn". Die Geländeschwierigkeiten aufgrund der Höhenunterschiede schon beim Bau der Strecke waren beträchtlich. Umfangreiche Geländeeinschnitte und meterhohe Dämme waren erforderlich. So musste nahe dem Bahnhof Hartmannshain ein 600 m langer und 10 m tiefer Einschnitt vorgenommen und in der Gemarkung Bermuthshain einige Gesteinsformationen durch Sprengung durchbrochen werden. Wegen der starken Niederschläge im Herbst und dem beträchtlichen Schmelzwasser im Frühjahr wurden zahlreiche Durchlässe gebaut, und den Bahnkörper nicht zu gefährden. Gegen Schneeverwehungen im Winter sollten Draht- und Bretterzäune sowie Hecken- und Fichtenanpflanzungen Schutz bieten. Dennoch kam es in besonders harten Wintern nicht selten vor, das Lokomotiven und Züge in vom Schnee zugewehten Geländeeinschnitten stecken blieben und vom Bahnpersonal freigeschaufelt werden mussten. Um die hohen Steigungen überhaupt bewältigen zu können, waren besonders leistungsfähige Lokomotiven notwendig. Während der Zeit der Deutschen Reichsbahn und teilweise der Deutschen Bundesbahn waren dies Dampflokomotiven der Baureihen 86 und 65, mit denen sowohl die Personen- als auch die Güterzüge bespannt wurden. Die Luftmunitionsanstalt Hartmannshain, die ab 1936 zum größten Anschließer auf der ganzen Strecke wurde, setzte auf ihrem Anschlussgleis zur Haltestelle Oberwald übrigens zwei wehrmachtseigene Kleindiesellokomotiven ein. Besonders im Winter waren die Züge auf der Vogelsbergbahn wegen der Steigungen nicht selten mit zwei oder sogar drei Dampflokomotiven bespannt. Die Personenwagen waren überwiegend C-Wagen, welche die 3. Klasse führten. Seit den 1950er Jahren ersetzte man diese durch dreiachsige Umbauwagen der Gattung B3y, die bis zur endgültigen Ersetzung lokbespannter Züge im Einsatz blieben. Neben den fahrplanmäßigen Reisezügen verkehrten ab den späten 1930er Jahren auch Sonderzüge von Frankfurt am Main aus nach Hartmannshain und Ilbeshausen, die Wintersportler in die Ski- und Rodelgebiete im hohen Vogelsberg brachten. Im Bundesbahnkursbuch führte die Strecke die Nummer 169c. Mitte der 1950er Jahre begann die "Verdieselung" der Vogelsbergbahn, die 1963 abgeschlossen wurde. Zunächst wurden noch die morgendlichen und abendlichen Züge an Werktagen durch Dampflokomotiven der Baureihe 86 gezogen, dann aber vollständig durch dieselgetriebene Schienbusse der Baureihe 795/798 ersetzt. Die Güterzüge wurden mit Dieselloks der Baureihen 211 und 212 bespannt und blieben dies über das Ende des Reisezugverkehrs hinaus bis zur endgültigen Stilllegung. |
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Eingeschneite Dampflok bei Hartmannshain 1941/42. |
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Stilllegung und Ende der Vogelsbergbahn Nach der Eröffnung der Bahnstrecke zwischen Stockheim und Lauterbach wurde diese rasch ihrer zugedachten Bedeutung als verkehrserschließende "Lebensader" des hohen Vogelsberges gerecht. Schon nach kurzer Zeit waren viele der Bahnstationen sosehr ausgelastet, dass Erweiterungen der Verladerampen und Güterschuppen vorgenommen werden mussten. Umfangreiche Holz- und Warentransporte wurden über den Bahnhof Grebenhain-Crainfeld abgewickelt. In den beiden Weltkriegen trat so mancher Crainfelder auch vom örtlichen Haltepunkt eine Reise ohne Wiedersehen an. Auch die Entstehung des Fremdenverkehrs im hohen Vogelsberg, man denke nur an die 1902 gegründete Siedlungskolonie Hochwaldhausen bei Ilbeshausen, wäre ohne die Bahn unvorstellbar gewesen. So wurde die Bahn nicht nur zum Wirtschaftsfaktor, sondern auch zu einem wichtigen Bestandteil der regionalen Identität. Mit dem "Wirtschaftswunder" in der Bundesrepublik und der damit einhergehenden Massenmotorisierung begann der Niedergang auch der Vogelsbergbahn. Bereits in den 1950er Jahren setzte die DB zwischen Lauterbach und Frankfurt am Main eigene Bahnbusse ein, die zum Teil auch noch direkt parallel zur Schiene verkehrten und der Bahn damit einen Teil ihres Verkehrs nahmen. Überdies hatten diese den Vorteil, die einzelnen Ortszentren direkt anfahren zu können, während nicht wenige der Bahnhöfe, anders als in Crainfeld, außerhalb der Ortschaften gelegen waren. Touristen aus der Rhein-Main-Region reisten zunehmend mit dem eigenen PKW an. Auch in den Dörfern des Vogelsberges nahm ab den 1960er Jahren die Zahl der privaten PKW-Besitzer zu, ebenso verlagerte sich der Güterverkehr auf den LKW-Transport über die Straße wie der B 275, die ja zum größten Teil parallel zur Bahnlinie verlief. In den 1960er Jahren wurde der Personen- wie der Güterverkehr auf der Vogelsbergbahn, wie auf den meisten Nebenstrecken der DB, zunehmend defizitär. Zum Beginn des Winterfahrplans 1975 wurde daher die Einstellung des Personenverkehrs zwischen Stockheim und Lauterbach (Nord) und die Einstellung des Gesamtverkehrs zwischen Ober-Seemen und Oberwald beschlossen. Am 28.9.1975 verkehrte zum allerletzten Mal nach fast genau 69 Jahren und 6 Monaten ein fahrplanmäßiger Personenzug auf der Vogelsbergbahn. Lediglich einige Nostalgiefahrten von Lauterbach (Nord) nach Grebenhain-Crainfeld, zuletzt 1993, gaben einigen noch einmal die Möglichkeit, die Fahrt auf einer der schönsten Bahnstrecken Hessens mitzuerleben. Bereits 1975/76 wurde die gesamte Strecke vom Oberwald über Hartmannshain bis Ober-Seemen abgebaut. Der Güterverkehr hielt sich noch einige Zeit länger. Zuletzt wurde nur noch das Kartonagenwerk Stabernack im Oberwald durch eine morgendliche Übergabe bedient. Nachdem die Firma Stabernack auf ihren Anschluss verzichtete, entschloss sich die DB 1989, auch den damit unrentabel gewordenen Restgüterverkehr aufzugeben. Die Stilllegung der Strecke wurde sogleich beantragt. Am 31.3.1991 erfolgte die Einstellung des Güterverkehrs zwischen Grebenhain und Oberwald und am 29.5.1994 zwischen Grebenhain-Crainfeld und Lauterbach (Süd). Lediglich das kurze Teilstück zwischen Lauterbach (Nord) und Lauterbach (Süd) wurde noch bis 2001 bedient. Der südliche Abschnitt der Vogelsbergbahn zwischen Ober-Seemen bzw. Gedern und Stockheim war bereits 1984 für den Güterverkehr stillgelegt und danach abgebaut worden. Erhalten geblieben und bis heute für den Personenverkehr im Betrieb ist das 31 km lange (von einst 91 km), historisch jüngste, Teilstück zwischen Bad Vilbel und Stockheim. Nachdem auch hier in den 1980er Jahren eine Stilllegung im Gespräch war, sind die Fahrgastzahlen durch ein verändertes Angebot an moderneren Regionalzügen massiv angestiegen. Statt einer Stilllegung wurde daher massiv in die Infrastruktur der Strecke investiert. Sie wird heute allgemein "Niddertalbahn" genannt, nach dem Flüsschen Nidder, das die Bahn ab Bad Vilbel begleitet. Im Bahnhof Stockheim, wo einst die eigentliche Streckenführung durch den hohen Vogelsberg begann, erinnert heute eine große Modellbahnanlage an die Vogelsbergbahn. Nachgebaut wurde der Streckenverlauf zwischen Stockheim und Ober-Seemen im Maßstab 1:87. Auch im Schloss Gedern existiert ein kleines Museum mit Diorama zur Geschichte der Bahnstrecke. Nur wenige Publikationen zum Thema sind bisher erschienen, darunter "140 Jahre Eisenbahn in Oberhessen" von Adolf Kaiser im Jahr 2010. Erst in ihren letzten Betriebsjahren kam für die Rumpfstrecke zwischen Lauterbach (Nord) und Oberwald die Bezeichnung "Oberwaldbahn" auf, unter der heute leider selbst viele Eisenbahninteressierte die ursprüngliche Vogelsbergbahn nur noch kennen. Dazu hat noch wesentlich beigetragen, dass die Bezeichnung "Vogelsbergbahn" in der Öffentlichkeit und bahnamtlich zur selben Zeit für die Bahnstrecke Gießen-Fulda übernommen wurde. Obgleich diese Bahnlinie den eigentlichen Vogelsberg höchstens an seinen nördlichen Ausläufern streift, haben sich die irreführende Bezeichnung und damit der "Namensdiebstahl" in der Folgezeit durchgesetzt. In der Blütezeit der Vogelsbergbahn waren für die Bahnstrecke übrigens gelegentlich noch verschiedene lokale Kosenamen in Gebrauch, welche die Verbundenheit der Bevölkerung mit "ihrer" Bahn widerspiegeln. So wurde besonders der südliche Teil der Strecke und wird die jetzige Niddertalbahn bis heute auch "Stockheimer Lieschen" genannt, in Anlehnung an die frühere Besitzerin einer beliebten Bahnhofsgaststätte in Stockheim. Daneben soll auch der Name "Ilbeshäuser Lieschen" verwendet worden sein, in Anlehnung an den Bahnhof Ilbeshausen, der eine wichtige Ein- und Ausstiegsstelle für Wintersportler und Touristen im Fremdenverkehrsort Hochwaldhausen war. Im März/April 1997 erfolgte der Abbau der Gleisanlagen zwischen Oberwald und Lauterbach (Süd), nachdem seitens der Anliegergemeinden, insbesondere der Großgemeinde Grebenhain, noch einige Versuche unternommen worden waren, die Strecke für einen weiteren Betrieb, z. B. als Museumsbahn, zu erhalten. Diese Bemühungen hatten zwar keinen Erfolg, mündeten aber letztendlich in die Idee einer Bürgerinitiative, auf der ehemaligen Bahntrasse einen Radweg anzulegen. Der Vulkanradweg wurde am 1.5.2000 zwischen Lauterbach und Grebenhain offiziell eröffnet und in den kommenden Jahren über die gesamte Strecke der alten Vogelsbergbahn verlängert. Somit ist es auch heute noch möglich, diese traditionsreiche Bahnstrecke im wahrsten Sinne des Wortes zu "erfahren", wenn auch nicht mehr auf Schienen. |
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Der letzte planmäßig verkehrende Schienenbus auf der Vogelsbergbahn am 28.9.1975 im Bahnhof Hartmannshain, der bis auf den letzten Platz besetzt war. |