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Über Crainfeld |
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Ortsansicht von Crainfeld von den "Brückenwiesen" aus im Jahr 2005. |
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Das Dorf Crainfeld hat zur Zeit 427 Einwohner und liegt mitten im hohen Vogelsberg, einer überwiegend
ländlich geprägten und eher als "strukturschwach" geltenden Region im alten Oberhessen, etwa 80 km nordöstlich von
Frankfurt am Main. Wegen der eher kargen Lebens- und harten
Witterungsverhältnisse nannte man diese Gegend einst auch "Hessisch-Sibirien". Crainfeld ist einer von 15 Ortsteilen der 1972 gebildeten Großgemeinde Grebenhain, die ihrerseits zum Vogelsbergkreis im Regierungsbezirk Gießen gehört. Man kann das Dorf über die Bundesstraße 275 vom benachbarten Grebenhain aus bequem zu erreichen. Vor 1975 war eine Anreise aber auch per Bahn möglich. Heute verläuft auf der Trasse der ehemaligen Vogelsbergbahn der weithin bekannte "Vulkanradweg". |
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Lage von Crainfeld innerhalb der Region. Karte im Maßstab 1:200.000. |
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Crainfeld ist einer der geschichtsträchtigsten Orte im gesamten Vogelsberg.
Es kann auf eine mehr als ein Jahrtausend zurückreichende schriftlich fixierte Geschichte zurückblicken.
Seit dem Jahr 1011 ist es Sitz der ältesten Pfarrgemeinde im hohen
Vogelsberg. Die Crainfelder Kirche mit ihrem 42 m hohen Glockenturm, dem sogenannten "Vogelsberger Bleistift", ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen
des Dorfes. Vom Mittelalter bis zum Jahr 1821 war Crainfeld auch
Gerichtsort. An diese Funktion erinnern bis heute der alte Gerichtsplatz am
"Kippel" und vor allem der 1685 erbaute
"Edelhof", das ehemalige Amtshaus der landgräflich-hessischen
Oberschultheißen. Dieses prächtig verzierte Fachwerkhaus ist ein
einzigartiges Kulturdenkmal von überregionaler Bedeutung. Darüber hinaus
bestand in Crainfeld vom 17. Jahrhundert bis 1938 eine der größten jüdischen
Gemeinden im Vogelsberg. An diese in der Zeit des Nationalsozialismus
vertriebene und ausgelöschte Glaubensgemeinschaft erinnert heute noch der
alte "Judenfriedhof" nördlich des Ortes. Das Dorf Crainfeld darf als althessisch bezeichnet werden. Bereits 1434 erwarben nämlich die Landgrafen von Hessen das gesamte Gebiet des Gerichts Crainfeld, das zur historischen Grafschaft Nidda (später Amt Nidda) gehörte. Aufgrund ihrer jahrhundertelangen Zugehörigkeit zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt nannte man die Bewohner des Gerichts Crainfeld, in Abgrenzung von den erst seit 1806 bzw. 1945 hessischen Orten im Osten und Süden auch "die alten Darmstädter". In der traditionellen Mundart sprach bzw. spricht der Crainfelder von seinem Dorf als "Croafeld". |
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| Postkarte von Crainfeld aus dem Jahr 1900, die neben der Kirche und dem Edelhof auch das Gasthaus "Zur Krone" ("Hofmanns") zeigt und eine der ältesten fotografischen Ansichten des Dorfes ist. |
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Als Kreuzungspunkt mehrer Handelsstraßen war Crainfeld einst auch ein
regionales Zentrum von Handel und Handwerk. Zahlreiche Handwerksbetriebe,
von denen die 1852 gegründete Schreinerei Flach bis heute besteht, und
mehrere Kaufläden und Viehhandelsgeschäfte existierten hier. Daneben
bestimmte wie in anderen Vogelsbergdörfern die Landwirtschaft den
Lebensalltag in Crainfeld. Die in Fachwerkbauweise erbauten Bauernhöfe in
der Form des "Vogelsberger Einhauses" bestimmten das Bild des Straßendorfes
Crainfeld. Nur teilweise hat diese alte Bausubstanz die verschiedenen
Neubau- und "Modernisierungswellen" der vergangenen vier Jahrzehnte
überlebt, wenngleich in einem stärkeren Ausmaß als bei anderen
Nachbardörfern. Im Zuge des extremen wirtschaftlichen Strukturwandels
wandelte sich Crainfeld seit den 1950er Jahren allmählich zu einer
Arbeiterwohnsitzgemeinde mit einigen verbliebenen Handwerks- und
landwirtschaftlichen Betrieben. Crainfeld verfügte als Pfarrdorf als erster Ort in der näheren Umgebung schon seit den 1580er Jahren über eine eigene Schule. die bis zu ihrer Schließung infolge der hessischen Schulreform und der Schaffung einer zentralen Mittelpunktschule (heute Oberwaldschule) in Grebenhain im Jahr 1969 bestand. Die Geschichte der selbstständigen politischen Gemeinde Crainfeld endete erst zum 1.1.1972 mit dem Anschluss an Grebenhain infolge der Gebietsreform. Die bedeutendste historische Persönlichkeit der neueren Geschichte war der zwischen 1876 und 1909 amtierende Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Heinrich Schmalbach IV., in dessen Amtszeit wichtige Infrastrukturprojekte wie der Bau der Wasserleitung (der ersten im hohen Vogelsberg) 1895, der Neubau des Schulhauses 1907, die Anlage einer Straßenbeleuchtung 1909 und die Fertigstellung der Vogelsbergbahn 1901/06 fielen. Alteingesessene und oft weitverzweigte Bauernfamilien, von denen einige sich über 450 Jahre im Ort zurückverfolgen lassen, bildeten ehemals den größten Teil der Bevölkerung des Dorfes Crainfeld. Nicht wenige der Crainfelder Häuser und Höfe waren seit 1720, als das älteste erhaltene Grundbuch angelegt wurde, in Familienbesitz, und einige wenige sind dies sogar heute noch. Im 18. Jahrhundert sind einige Familien nach Russland, im 19. Jahrhundert etliche Crainfelder Ortsbürger nach Nordamerika ausgewandert, um einer wirtschaftlichen Notlage zu entkommen. Einen besonderen Aspekt Crainfelder Geschichte bilden zahlreichen die jüdischen Familien. Noch in den 1880er Jahren war jeder fünfte Crainfelder jüdischen Glaubens, und erst die Zeit der Verfolgung und Vertreibung im "Dritten Reich" bedeutete das Ende jüdischen Lebens in Crainfeld. Nach 1945 kamen dann viele Heimatvertriebene aus den verlorenen deutschen Ostgebieten nach Crainfeld und ließen sich zum Teil dauerhaft hier nieder. Wie in den meisten Dörfern sind es auch in Crainfeld heute Vereine, welche die Dorfgemeinschaft aufrecht erhalten. Insgesamt 9 Vereine und Vereinigungen gibt es hier. |
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Der "Edelhof" im Jahr 2007. |
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Mit der Aufhebung des Gerichts Crainfeld im Jahr 1821 setzte eine zunächst nur sehr allmähliche Entwicklung ein, innerhalb der Crainfeld zugunsten des Nachbarortes Grebenhain zunehmend in seiner Bedeutung verdrängt wurde. Die Beamtenstellen verschwanden bis auf die Pfarrei. Die im Jahr 1856 vollendete Staatsstraße, die heutige Bundesstraße 275, umging den alten Verkehrsmittelpunkt und führte stattdessen über Grebenhain, wo auch Forst- und Postamt angesiedelt wurden. Von weitaus gravierender Bedeutung war der Bau der Nebenbahn zwischen Lauterbach und Gedern, als deren Folge Grebenhain 1901 einen Bahnhof mit Bahnbedienstetengebäuden erhielt und Crainfeld lediglich eine unbedeutende Haltestelle verblieb. Ein entscheidendes Ereignis war dann während der NS-Zeit der Bau der "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" auf dem Gebiet der Gemeinde Grebenhain, welche nach 1945 auch von zivilen Industriebetrieben genutzt wurde. Es war dies eine Entwicklung, welcher das noch lange eher ein Bauerndorf bleibende Crainfeld nichts entgegenzusetzen hatte. Fast schon konsequent waren die Entscheidungen der hessischen Landesregierung für Grebenhain als Sitz der Mittelpunktschule (1969) und der Großgemeinde (1972). Im Verhältnis zu seiner historischen Bedeutung war Crainfeld lange Zeit nur in eher bescheidendem Ausmaß das Objekt geschichtlichen Interesses. Das 1987 herausgegebene Heimatbuch von Friedrich Müller (siehe "Quellen") war für viele Jahre die einzige zusammenhängende Darstellung ("Dorfchronik") der äußerst bemerkenswerten Vergangenheit des Ortes. Große Teile der Ortsgeschichte wie die Entstehung und urkundliche Ersterwähnung, das Gericht Crainfeld, die Geschichte der jüdischen Gemeinde, die alten Hofreiten und ihre Besitzer oder Genealogie und Auswanderungen wurden bisher noch nie oder nur in äußerst knapper Form historisch aufgearbeitet. Historische Aufnahmen des Ortes, seiner Bausubstanz und seiner Bewohner, wie sie in nicht wenigen Orten der Umgebung bereits in Bildbänden publiziert wurden, waren in Crainfeld mit Ausnahme einer Ausstellung in den 1980er Jahren noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt worden. Diese und andere Lücken in der bisherigen Geschichtsschreibung über Crainfeld und seine bewegte Vergangenheit zu schließen, war und ist das Ziel der vorliegenden Internetseite www.chronik-crainfeld.de, die als privates Projekt Ende 2004 begonnen wurde. Sie soll als eine "virtuelle Dorfchronik" jedem historisch Interessierten einen umfassenden Überblick über die Geschichte von Crainfeld ermöglichen. Im Jahr 2011 sind 1.000 Jahre seit der Gründung der Kirche zu "Creinfelt" durch den Mainzer Erzbischof und Fuldaer Abt Erkanbald, welches zugleich als erster datierbarer Hinweis auf die Existenz des Dorfes gelten kann, vergangen. Crainfeld zählt gemeinsam mit den Nachbarorten Bermuthshain und Ilbeshausen, die in einer Urkunde König Heinrichs II. von 1012 zum ersten Mal genannt werden, zu den Orten mit der am längsten zurückreichenden schriftlichen Überlieferung in der Region. Die Kerngemeinde Grebenhain wird hingegen erst 1338 erstmals urkundlich erwähnt. Die Jubiläumsfeier in Crainfeld fand in Form einer "Feststraße" mit weiteren Veranstaltungen rund um die Kirche am Pfingstsonntag, den 12.6.2011, statt. Auch in Bermuthshain und Ilbeshausen sind Festveranstaltungen anlässlich der 1.000-jährigen Wiederkehr der Ersterwähnung geplant. Angesichts der Tatsache, dass www.chronik-crainfeld.de mittlerweile fast drei Jahre "im Netz" war, und mit Rücksicht auf eine mögliche neue schriftliche Veröffentlichung im Jubiläumsjahr 2011 wurde die Internetseite im Sommer 2007 überarbeitet. Seit 2006 erscheint alljährlich ein vom Webmaster gestalteter Geschichtskalender mit historischen Bildern aus Crainfeld. Ebenfalls vom gleichen Webmaster betrieben wird die Internetseite zur Geschichte des Nachbarortes Bermuthshain (www.chronik-bermuthshain.de) mit einem umfassenden und vertiefenden Einblick in die Vergangenheit dieses ebenfalls zu Pfarrei und Gericht Crainfeld gehörenden Ortes. |
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