Der Edelhof

 

Der Edelhof auf einer um 1910 entstandenen Postkarte.

 
Nicht eine über ein Jahrtausend währende Ortsgeschichte, die historische Funktion als Pfarr- und Gerichtsort oder der weithin sichtbare "Vogelsberger Bleistift" haben Crainfeld über die Grenzen des Vogelsberges hinaus zu Bekanntschaft verholfen, sondern im Grunde nur ein einziges rund 320 Jahre altes Fachwerkgebäude im Ortskern, das die amtliche Hausnummer "Kreuzstraße 1" trägt, aber unter den Namen "Edelhof", "Edelhaus", "Amtshof" oder "Amtshaus" schon seit einem Jahrhundert bei allen Architektur- und Kunsthistorikern und -interessierten vor allem in Hessen zu einem festen Begriff geworden ist.

Der 1685 erbaute "Edelhof", das frühere Amtshaus der Oberschultheißen des Gerichts Crainfeld, ist Crainfelds einziges Baudenkmal von "Weltrang". In nahezu jeder Publikation über die heutige Großgemeinde Grebenhain oder den Vogelsbergkreis wird das Gebäude, als einziges in Crainfeld, erwähnt, meistens zusammen mit der sechs Jahre jüngeren "Hansenmühle" oder "Teufelsmühle" in Ilbeshausen, die aus der Hand des gleichen Zimmermeisters stammt. Entstanden als Wohn- und Amtshaus, das er für fast 150 Jahre blieb, wurde er dann zum bäuerlichen Anwesen und beherbergte "nebenbei" noch zeitweise ein Gasthaus und nicht weniger als drei Bürgermeister aus einer der ältesten örtlichen Familien. In seiner wechselvollen Geschichte hat der Edelhof schon fast ein Dutzend Kriege, darunter zwei Weltkriege, sowie die anschließenden Neubau- und Modernisierungswellen nach 1945 überstanden.

Diese Seite informiert über Baugeschichte, Architektur, Funktion und Besitzer des Crainfelder Amtshauses.

 

Funktion und Name des Gebäudes

Bereits die hochmittelalterliche Herrschaftsform der Grundherrschaft kannte als zentrales Element den "Herrenhof" bzw. "Salhof", von dem aus die vom Grundherren abhängigen Bauern beaufsichtigt wurden und wohin Abgaben und Dienste zu entrichten bzw. zu leisten waren. Mit Übernahme der weltlichen Gerichtsbarkeit durch den jeweiligen Grund- und Landesherren wurden solche Höfe natürlich auch zu einem Verwaltungsmittelpunkt für die Dörfer und ihre Umgebung, in denen sie lagen.

Innerhalb der mittelalterlichen Verwaltungsorganisation in Form der Gerichte und Ämter, wie sie auch in Oberhessen seit dem Spätmittelalter fast unverändert bis zum Beginn des 19. Jahrhundert bestand, hatte jeder Hauptort eines Gerichts bzw. Amtes ein zentrales Gebäude, das als Amtssitz wie auch als Wohnhaus des jeweiligen Amtmanns diente, für den in Hessen als Bezeichnung seit Ende des Mittelalters üblicherweise der Begriff des Schultheißen verwendet wurde. In etlichen Fällen dienten wie beispielsweise im hessischen Amt Nidda in Lißberg oder Stornfels ehemalige Adelssitze (Burgen) als Sitz der Verwaltung. In den dörflichen Gerichtsorten übernahm ein zumeist besonders prächtig gestalteter Fachwerkbau diese Funktion. Alle oberhessischen Gerichte verfügten über eine derartige Hofreite, die Sitz und in der Regel auch Eigentum eines Schultheißen war, doch handelte es sich bei keiner von ihnen um ein solches herausragendes Gebäude wie den Edelhof in Crainfeld.

Der Edelhof war allerdings nicht die einzige Hofreite im Besitz der Crainfelder Schultheißen. Hierzu zählten neben der Mühle im Dorf ("Krommese") auch ein 1764 abgebrochenes Haus unterhalb vom Gerichtsplatz und das 1833 abgebrochene "Brauhaus" am Standort der heutigen Volksbank. Die Gerichtssitzungen selbst wurden nicht im Edelhof, sondern unter freiem Himmel auf dem Gerichtsplatz am Ostende des Dorfes an der Cent abgehalten.

Auch woher der Name "Edelhof" stammt und ob er wirklich noch aus der Zeit herrührt, als der Edelhof tatsächlich Haus der Crainfelder Schultheißen war, ist bis heute nicht geklärt. In einigen Veröffentlichungen aus der Zeit um 1900 wird das Gebäude nämlich nicht "Edelhof", sondern "Amtshof" oder auch "Amtshaus" genannt. Die Bezeichnung "Amt Crainfeld" für das Gericht Crainfeld ist durch die Verwendung in Dokumenten und auf Landkarten seit dem 16. Jahrhundert erwiesen. "Amtshaus" heißt schließlich auch noch der frühere Sitz der riedeselischen Samtschultheißen in Freiensteinau. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass die Bezeichnung "Amtshof" oder "Amtshaus" einen weiteren im Volksmund üblichen Namen des heute nur noch als "Edelhof" bekannten Gebäudes in der Zeit der Crainfelder Oberschultheißen vor 1821 darstellte.

 

Die älteste Abbildung des Edelhofes bzw. seines Grundrisses findet sich in dem 1832 von dem Geometer Knewitz angefertigten Parzellhandriss der Gemarkung Crainfeld (Ausschnitt). Das vormalige Amtshaus ist hier knapp unterhalb der Bildmitte zu finden und gut an dem vorgelagerten Erker zu erkennen. Die größeren Hofreiten unterhalb des Edelhofes sind die 1842 eingerichtete Synagoge und das alte Schulhaus. Rechts vom Edelhof stand auch damals schon das Haus "Hoabichs". Unverkennbar ist die Kirche. Zwischen der heutigen Hofreite "Schneiderbaste" (rechts von "Hoabichs") und der Kirche befand sich damals noch ein Haus mit dem Namen "Heils". Rechts von diesem sind das Pfarrhaus mit Pfarrscheune und Ställen zu sehen.
 
Erst seit dem Beginn des 20. Jahrhundert wird nur noch der Begriff "Edelhof" allein verwendet, seitdem sich Heimatforscher und Kunsthistoriker erstmals für das Gebäude zu interessieren begannen. Ein ähnlicher Fall liegt bei der "Teufelsmühle" in Ilbeshausen vor, die im Ort selbst "Hansenmühle" genannt wurde und wird. Möglicherweise bezog sich der Name "Edelhof", wenn er wirklich historisch ist, auf die im Mittelalter übliche niederadelige Herkunft der in dem Haus wohnenden Schultheißen im Gegensatz zur Masse der abhängigen Bauern. Daneben waren auch die Bezeichnungen "Edelhaus" und "Freihof" ebenso gebräuchlich. In der Fachliteratur wurde und wird das Gebäude nach der Besitzerfamilie auch einfach "Haus Schmalbach" genannt. Schließlich besitzt auch der Edelhof, wie alle Crainfelder Hofreiten, noch einen traditionellen Hausnamen, der in diesem Fall "Gänslangersch" lautet. Die Herkunft und Bedeutung dieses Hausnamens ist wiederum unklar. Möglicherweise wurde er erst nach dem Verkauf des Edelhofes 1826 an Johann Heinrich Schmalbach aus dessen Haus (später "Lufte") übernommen.

Die älteste bekannte amtliche Hausnummer des Edelhofes war die Nr. 79, die im Ortskataster von 1820 verwendet wurde. Das Anwesen fand darin die nüchterne Beschreibung: "Ein Wohnhaus, zwei Stock. A) Ein Stallbau. B) Eine Scheuer." Im Brandkataster von 1862 heißt es dann; "Wohnhaus mit Scheuer und Stall, 2 Stock, nebst Erker. a. Scheuer und Stallung. b. Schaf- und Schweineställe". Hier wurde ihm die Nr. 84 zugewiesen. Als infolge der Anlage des Brandkatasters von 1900 erstmals richtige Straßennamen in Crainfeld eingeführt wurden, ist das alte Schultheißenhaus mit der Hausnummer "Kreuzstraße 9" bedacht worden. Seit dem Brandkataster von 1961 hat es die Adresse "Kreuzstraße 1".

 

Baugeschichte des Edelhofes

Das Gericht Crainfeld wird erstmals 1311 urkundlich erwähnt, der erste Name eines Schultheißen bzw. "Zentgrafen" ist in einer Urkunde von 1396 überliefert. Obwohl bisher entsprechende schriftliche oder archäologische Nachweise fehlen, ist davon auszugehen, dass schon im Mittelalter ein entsprechendes Gebäude als Amts- und Wohnsitz eines Schultheißen in Crainfeld existierte. Auch der Vorgängerbau des heutigen Edelhofes dürfte, wie im Mittelalter abgesehen von Sakralbauten und zumal im ländlichen Bereich üblich, ein Fachwerkhaus gewesen sein. Auf einen Vorgängerbau weist nicht zuletzt der alte Keller des Gebäudes hin, der im Winkel von 25 Grad unter dem heutigen Edelhof verläuft. Der jetzige Edelhof wurde demnach aus einem heute unbekannten Grund in einer etwas anderen Ausrichtung über den Grundmauern eines älteren Vorgängerhauses errichtet. Es spricht alles dafür, dass der Schultheißenhof schon seit dem Mittelalter an der jetzigen Stelle gestanden hat. Der Standort des Gebäudes im Zentrum des Ortes, genau gegenüber der Kirche, dürfte jedenfalls kein Zufall sein.

Bei der Plünderung und Brandschatzung von Crainfeld durch die Truppen Herzog Christians von Braunschweig am 1.6.1622 wurde auch das Amtshaus niedergebrannt und völlig zerstört. Dabei wurden auch alle alten Gerichtsakten ein Raub der Flammen. Im oberhessischen Kriegsschadensverzeichnis von 1625 wird der Schaden des damaligen Crainfelder Schultheißen Reinhard Wiederholt mit 6.000 Reichstalern angegeben, was über einem Viertel der gesamten Schadenssumme von Crainfeld entspricht. In den folgenden Jahren wurde der gesamte Ort noch während des Dreißigjährigen Krieges bis zum Ende der 1620er Jahre wiederaufgebaut. Auch der Edelhof dürfte schon vor 1630 wiederhergestellt worden sein.

Fast vier Jahrzehnte nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges entschloss sich dann offensichtlich der damalige Oberschultheiß Heinrich Christoph Ellenberger (1642-1689), aus bis jetzt nicht bekannten Gründen, ein neues Haus zu erbauen. Als Baujahr dieses Neubaus, welcher der Edelhof in seiner noch heute erhaltenen Gestalt ist, ist durch die eingeschnitzten Jahreszahlen am Giebel das Jahr 1685 eindeutig überliefert, der Bauherr durch seine Initialen "HCE". Auch im Hohhaus-Museum Lauterbach findet man schon seit langem die richtige Angabe des Baujahres. Die jedoch häufig in Büchern und anderen Veröffentlichungen anzutreffende und daher mittlerweile weit verbreitete Jahreszahl "1683" als Baujahr des Edelhofes ist schlichtweg falsch. Sie geht wohl auf Prof. Dr. Heinrich Walbe (s. u.) zurück.

Als ausführender Zimmermeister beim Bau des Edelhofes gilt im allgemeinen Hans Muth, der auch die ähnlich hervorragende Teufelsmühle im benachbarten Ilbeshausen im Jahr 1691 erbaut haben soll. Hierbei ist ausdrücklich anzumerken, dass es weder beim Edelhof noch bei der Teufelsmühle eine Bauinschrift gibt, die einen Hans Muth als Zimmermann nennt. Hans Muth werden auch weitere Fachwerkhäuser in der Vogelsbergregion zugeschrieben bzw. sind nachweislich durch ihn erbaut worden. Über den mutmaßlichen Zimmermeister des Edelhofes selbst ist ungeachtet der schon fast hundertjährigen Beschäftigung mit seinen Bauten auch heute noch so gut wie nichts bekannt. Selbst sein Geburts- und Todesdatum und sein Heimatort liegen im Dunkeln.

Es ist keineswegs sicher, dass Hans Muth, wie heute zumeist zu lesen ist, aus Lauterbach stammte. Einige Forscher nahmen vielmehr an, das er in Ilbeshausen geboren war und später als Junggeselle die von ihm erbaute Hansenmühle (Teufelsmühle) seinem Paten Hans Velten Usinger geschenkt habe. Auch die zuerst wohl von Prof. Dr. Heinrich Walbe geäußerte Behauptung, Hans Muth habe in Diensten der Riedesel gestanden und seine Stilanregungen in seinen Wanderjahren im südlichen Thüringen empfangen, ist durch nichts bewiesen. Denkbar und auch geographisch weitaus näherliegender ist eine Wanderschaft Muths als Zimmermann in den benachbarten Gebieten des heutigen Hessens wie vor allem der angrenzenden Wetterau, bzw. die Verwendung von Musterbüchern des in Franken schon im ausgehenden 16. Jahrhundert gebräuchlichen Stils.

 

Der Edelhof (Plan und Grundriss) ohne die jüngeren Anbauten (Stall und Scheune) auf einer Bauaufnahme von Horst Reuter, die 1959 in einem Band der "Lauterbacher Sammlungen" veröffentlicht wurde.
 
Von der Hausform her ist auch der Edelhof im Grunde genommen ein "Vogelsberger Einhaus" (Streckhof), in der Fachsprache auch als quergeteiltes Einhaus bezeichnet. Wie alle Einhäuser war er Edelhof ursprünglich in mehrere aufeinander folgende "Zonen" mit unterschiedlicher Nutzungsfunktion aufgeteilt, wie Wohnzone, "Ernzone" (Flur) und Wirtschaftszone. Der besonderen Funktion entsprechend kam beim Edelhof aber noch eine der Wohnzone vorgelagerte "Gerichtszone" in Gestalt des Erkers hinzu. Da auch der landgräfliche Oberschultheiß des Gerichts Crainfeld, wie der örtliche Pfarrer, zu seinem Lebensunterhalt noch Landwirtschaft betrieb, waren auch schon zur Zeit des Gerichts nachweislich ein getrennt vom Edelhof errichtetes Stallgebäude und eine Scheune vorhanden.

Ursprünglich besaß der Edelhof im gesamten Oberstock einen durchgehenden Gang, der im vom Hof aus linken Gebäudeteil in eine große Amtsstube mit dem angrenzenden Gerichtserker mündete. Die Küche befand sich wie in Vogelsberger Häusern üblich im Anschluss an den Hausflur, mundartlich "Ern" genannt, und besaß bis 1924 noch einen offenen Rauchfang. Möglicherweise war auch beim Edelhof vor dem 19. Jahrhundert das Dach nicht mit Ziegeln, sondern mit Stroh gedeckt, durch das der Rauch abziehen konnte. Zur Wasserversorgung diente vor dem Bau der Wasserleitung 1895 ein im Keller vorhandener Brunnen. Das Gebäude ist nur zu einem Drittel unterkellert. Die Hofeinfahrt wurde von zwei großen steinernen Torpfosten eingerahmt, die denen gegenüber am Kirchhof glichen und erst in den 1960er Jahren beseitigt wurden.

Die erste und größte bauliche Veränderung erlebte der Edelhof nach der Auflösung des Gerichts Crainfeld und damit dem Verlust seiner eigentlichen Funktion. Nach dem Verkauf an den Schmied und Beigeordneten Heinrich Schmalbach I. im Jahr 1831 wurde er in ein normales landwirtschaftliches Anwesen umgewandelt. In Firstrichtung erfolgte eine Verlängerung des ansonsten unverändert bleibenden Hauptgebäudes durch den Anbau einer Scheune. Eine weitere neue Scheune mit Stall wurde im rechten Winkel zum Wohnhaus angefügt. Die früheren Wirtschaftsbauten wurden abgebrochen. Beide Baumaßnahmen sind durch die für das 19. Jahrhundert typische schlichte Form des Fachwerks mit Längsstreben deutlich von der originalen Bausubstanz aus dem Jahr 1685 zu unterscheiden.

Seit dieser Zeit bildet der Edelhof ein Gehöft in Form eines so genannten Zweikanters. In der Zeit von 1850 bis 1870 betrieb der damalige Besitzer, der Bürgermeister Heinrich Schmalbach II., eine Gastwirtschaft im Edelhof. Zu diesem Zweck wurde im gesamten Obergeschoss vom Ern bis zur Scheuer ein Saal eingerichtet, wozu alle Zwischenwände im Oberstock entfernt wurden. Der Saal war von außen über einen Treppenaufgang von der Scheune aus zu erreichen. Da für den Einbau des Saals tragende Zwischenwände herausgenommen werden mussten, wurde über dem Saal ein Sprengewerk angebracht. Nach Aufgabe der Gastwirtschaft ließ der Sohn, der berühmte Landtagsabgeordnete und Bürgermeister Heinrich Schmalbach IV., den Saal durch das Einziehen dünner Wände wieder in mehrere kleinere Räume aufteilen.

Kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte dann der die für Erhaltung des Edelhofes bis in die Gegenwart entscheidende Schritt. Am 25.3.1904 wurde der Edelhof auf Beschluss des hessischen Denkmalrates in die Landes-Denkmalliste aufgenommen und damit unter Denkmalschutz gestellt. Diese Entscheidung fiel in eine Zeit, in der das damalige Großherzogtum Hessen ein "Pionierland" auf dem Gebiet der Herausbildung der staatlichen Denkmalpflege und des Denkmalschutzes war. Am 16.7.1902 hatte Hessen als erstes deutsches Land ein modernes Denkmalschutzgesetz erlassen. In eben dieser Zeit, um die Jahrhundertwende, wurden hessische Architekturhistoriker und Denkmalpfleger wie der für die Provinz Oberhessen zuständige Prof. Dr. Heinrich Walbe von der Technischen Hochschule Darmstadt auf die einmaligen Fachwerkbauten Teufelsmühle in Ilbeshausen und Edelhof in Crainfeld aufmerksam. In die Landes-Denkmalliste aufgenommene Gebäude wurden fortan von der staatlichen Denkmalpflege beaufsichtigt, die bei Wiederherstellungs- und Restaurierungsarbeiten Unterstützung leistete. Auch im Fall des Edelhofes wurden noch vor dem Ersten Weltkrieg Maßnahmen zur Erhaltung dieses einzigartigen Baudenkmals eingeleitet.

Im Jahr 1909 wurde die durch Regenwasser schadhaft gewordene Eckfigur am vorderen Eckpfosten des Oberstocks durch eine von W. Becker in Alsfeld geschaffene originalgetreue Kopie ausgetauscht, nachdem an ihrer Stelle ursprünglich ein einfacher schmuckloser Fichtenholzpfosten eingesetzt werden sollte. Die Mehrkosten für die originalgetreue Rekonstruktion des Pfostens übernahm die Denkmalpflege. Heute ist der neue "alte" Eckpfosten mit Figur aus dem Jahr 1909 von der originalen Bausubstanz aus dem Jahr 1685 nicht mehr zu unterscheiden. Der alte Pfostenrest, die Figur eines Ritters mit Hut, Federbusch, Hellebarde und Wappen, wurde nach dem Austausch in das Hohhaus-Museum in Lauterbach gebracht. Er wurde dort jedoch leider kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1945 während der Besetzung des Hohhauses durch befreite polnische Zwangsarbeiter vernichtet. Heute findet man im Hohhaus-Museum übrigens auch ein maßstabsgetreues Modell des Edelhofes ohne die später angebaute Scheune im Maßstab 1:25, welches 1955 von dem Lehrer Georg Grünewald angefertigt wurde.

 

Der Edelhof in Crainfeld (links) und die Teufelsmühle in Ilbeshausen (rechts) als Modell (Maßstab 1 : 25) im Hohhaus-Museum Lauterbach. In der Mitte ein "Vogelsberger Einhaus" (nicht im gleichen Maßstab) aus Frischborn. Die Modelle wurden 1955 von Lehrer Georg Grünewald, Köppern, für das Heimatmuseum angefertigt.
 
Die jüngsten Restaurierungsarbeiten an der Hoffassade erfolgten während der Dorferneuerung in Crainfeld 1983-1991. Im Jahr 2003 erhielt der Edelhof außerdem ein neues Ziegeldach. Weitere Veränderungen in der Zeit nach Kriegsende beschränkten sich vorwiegend auf die Rückseite des Gebäudes, z. B. durch Fenstereinbrüche oder moderne Verkleidung der Scheunenrückwand. Von der ansonsten über die Vogelsbergdörfer seit dem "Wirtschaftswunder" hereinbrechenden "Modernisierungswut" blieb das einstige Crainfelder Amtshaus, nicht zuletzt natürlich aufgrund seines Denkmalstatus, glücklicherweise verschont.
 

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