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Der Edelhof |
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| Die Giebelseite des Edelhofs um 1910 mit dem reich verzierten Gerichtserker, der deutlich auf die einstigen Besitzer des Gebäudes hinweist. In dem Balken oberhalb der zwei obersten Fenster ist die Jahreszahl der Erbauung eingeschnitzt: 1685. | ||
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Die Architektur des Gebäudes |
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Die architektonische und kunsthistorische Bedeutung des Edelhofes liegt vor allem in der reichen Ausschmückung der Fachwerkfassade und in Besonderheiten in der Bauweise, die das Gebäude von den meisten anderen, in der Regel wesentlich einfacher gehaltenen, Fachwerkhäusern der Vogelsbergregion abhebt. Kunstgeschichtlich wird der Edelhof dem Stil der späten Renaissance zugeordnet. Die besonders prächtige Bauart von Edelhof und Teufelsmühle in Ilbeshausen führten zu der Auffassung, dass es sich beim Stil der Gebäude um eine landesfremde Bauweise handele. Insbesondere durch den erwähnten Heinrich Walbe und dessen 1940 erschienenes Buch "Das hessisch-fränkische Fachwerk" fand eine Theorie Verbreitung, gemäß der beide Fachwerkbauten im "thüringischem Stil" erbaut seien. Walbe ging davon aus, dass Hans Muth, der mutmaßliche Zimmermeister beider Gebäude, seine Lehrjahre im südlichen Thüringen in der Gegend um Meiningen verbracht habe, wo die Riedesel zu dieser Zeit noch Besitzungen hatten, und von dort die Thüringer Bauweise in den Vogelsberg "mitbrachte". Als "thüringische" Merkmale im Vogelsberger Fachwerkbau sah Walbe die Vorkragung des oberen Geschosses im Brüstungsbereich, eine verkürzte Ausführung des "Wilden Mannes" und die Ausschmückung des Obergeschosses mit Ziergefachen angesehen. Das leicht vorkragende Obergeschoss des Edelhofes gilt als ein Merkmal dieses "thüringischen" Stils. Letzten Endes ist aber bis heute nicht bewiesen, ob die am Edelhof und der Teufelsmühle erkennbare Bauweise tatsächlich aus Südthüringen stammte oder nicht doch eher regionalen hessischen Ursprungs ist. Stilmerkmale der beiden Gebäude finden sich nämlich, freilich in zumeist schlichterer Form, auch an zahlreichen anderen Fachwerkhäusern aus dem frühen 18. Jahrhundert im gesamten Vogelsberg, darunter auch in Crainfeld selbst, so gleich in der Nachbarschaft des Edelhofes an dem 1712 erbauten Haus "Hoabichs". |
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Edelhof-Modell im Maßstab 1:25 im Hohhaus-Museum Lauterbach, angefertigt 1955 durch G. Grünewald. Das Modell zeigt noch den damaligen Zustand (Fensteranordnung) der verschindelten Rückseite, die inzwischen durch Modernisierungen teilweise stark verändert wurde. |
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| Am Edelhof liegt an der Giebelseite sowie der Traufseite zum Hof hin das Fachwerk frei und ist mit Schnitzereien und Ziergefachen gestaltet. Das Erdgeschoss der Hofseite ist verschindelt und vermutlich in einem einfachen schmucklosen Stil gehalten. Möglicherweise lag aber, wie bei vergleichbaren Fachwerkhäusern im nahen Eichenrod (Lautertal), einst auch beim Edelhof das gesamte Fachwerk an Hofseite und Giebelseite im Erdgeschoss frei. Die Rückseite des Edelhofes ist als Wetterseite des Hauses vollständig verschindelt. Vermutlich war das Fachwerk auf dieser Seite von vornherein schmucklos gehalten, wie es auch bei der Ilbeshäuser Teufelsmühle der Fall ist. Mit Holzschindeln verkleidet ist, schon auf den ältesten um 1900 entstandenen Fotografien, auch das Untergeschoss von Hofseite und Giebel. Es ist daher nicht bekannt, ob sich darunter Schmuckformen wie im Obergeschoß befinden. Die ältere Verschindelung des Untergeschosses bestand nicht aus den "gewöhnlichen" halbrunden Schindeln, sondern aus den im Ort eher seltenen Schindeln in Spatenform, die, was im Fall des Edelhofes vermutlich Absicht war, deutlich repräsentativer wirkten. An der Rückseite wurden dagegen normale halbrunde Schindeln angebracht. Die rückwärtige Fassade des Edelhofes wurde in den letzten Jahrzehnten vor allem durch große Fenstereinbrüche stark verändert. Ein Bild von ihrer ursprünglichen Gestalt vermittelt heute nur noch das im Lauterbacher Hohhaus-Museum aufgestellte Edelhof-Modell. | ||
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Detail der Hoffassade: Schmuckraute und Justitia-Figur. Foto aus den 1980er Jahren. |
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Zahlreiche Details der Fassade weisen auf die ursprüngliche Funktion des
Edelhofes als Wohn- und Amtssitz eines Schultheißen bzw. Richters hin. Als eindeutiger Hinweis ist als
Brüstungsfüllung links neben der Eingangstür unterhalb der Fenster
die Figur der Justitia mit Schwert und Waage abgebildet. Besonders bemerkenswert ist die
Inschrift unter dem Mittelfenster des Gerichtserkers aus dem 46. Psalm: "SI
DEUS PRO NOBIS QUIS CONTRA NOS " (Wenn Gott für uns, wer gegen uns). Die
lateinische Inschrift entstand immerhin zu einer Zeit, als ein
beträchtlicher Teil der Bevölkerung, nicht zuletzt in Crainfeld selbst,
nicht einmal deutsch lesen und schreiben konnte. Die Zeilen drückten somit
auch ein gewisses soziales Prestige und Bildungsniveau der Besitzer, der
Oberschultheißen des Gerichts Crainfeld, aus. Die Inschrift nennt mit den
Initialen "HCE" auch den Erbauer des Edelhofes, nämlich den zwischen 1642
und 1689 lebenden Oberschultheißen Heinrich Christoph Ellenberger. Auch die Eckfigur am vorderen Eckpfosten des Oberstockes mit Hut, Federbusch, Hellebarde und Wappen weist auf die Gerichtsfunktion des Edelhofes hin, ebenso der himmelwärts blickende, von Blättern umrankte Frauenkopf und die zahlreichen geschnitzten "Fratzen" und "Neidköpfe" als Abschreckungssymbole. Über dem Frauenkopf befand sich ursprünglich ein Fenster, das im 19. Jahrhundert zugemauert wurde. |
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Die Haustür des Edelhofes. |
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| Das Fachwerk des Giebels und des Gerichtserkers ist vollkommen symmetrisch gestaltet und mit geschnitzten Figuren und Andreaskreuzen sowie Zierrauten reich verziert. Die Hoffassade des Edelhofes wird durch eine aufeinander folgende Reihe von insgesamt 15 Schmuckrauten dominiert. Die Gefache waren zudem einst mit Kratzmustern versehen. Besonders auffällig ist das völlige Fehlen der Strebenkonstruktion des "Wilden Mannes" im Oberstock der Hofseite, bis auf die Ecke zum Giebel hin, wie sie ansonsten für Fachwerkhäuser dieser Zeit typisch ist und bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts allgemein war. Die Beschreibung der Hoffassade des Edelhofes wäre nicht vollständig ohne den Verweis auf die wunderschöne historische Haustür mit kunstvollen Pflanzenmotiven und Ornamenten in sechs Feldern. Die Haustür ist wahrscheinlich jünger als das Gebäude selbst. Die vorgelagerte Treppe ist eine Rundtreppe aus Sandstein, die in den 1980er Jahren vollständig nach dem historischen Vorbild erneuert wurde. | ||
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