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Fachwerk in Crainfeld |
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Crainfelder Fachwerkensemble in der Kreuzstraße zu Beginn der 1930er Jahre. Ganz links das Haus "Feistjes" mit Ladenschild des jüdischen Kaufmanns Jakob Stein, sodann die Hofreite "Mengersch" (Baujahr 1775) und "Färbhaus" (Bildmitte) mit dem überdeckten Mühlgraben. Es folgt das nach einem Brand im Jahr 1914 wiederaufgebaute Haus "Gerbets" und ganz rechts der Scheunengiebel von "Schneiderbaste". Dieser Anblick ist nur noch historisch zu nennen, da die meisten der Häuser inzwischen abgerissen sind oder ihr Erscheinungsbild stark "modernisiert" wurde. |
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Wie in allen Dörfern des hohen Vogelsberges war auch in Crainfeld bis zum
zweiten Weltkrieg die Holzfachwerkbauweise die ursprüngliche Bauweise
dieser Region.
Nicht nur Bauernhäuser und Scheunen, sondern auch Schulgebäude, Kirchen
und Synagogen sowie Backhäuser wurden in dieser Bauart errichtet. Das bekannteste
und schönste Fachwerkhaus in Crainfeld ist natürlich der 1685 erbaute
Edelhof, aber auch viele andere Fachwerkhäuser in Crainfeld sind oder
waren durchaus bemerkenswert. In Bezug auf seine Fachwerkhäuser dürfte
Crainfeld vor 1945 zu den schönsten Dörfern im Vogelsberg gehört haben.
Nicht zufällig ist Crainfeld im Regionalplan für den Regierungsbezirk
Gießen ("Mittelhessen") in seiner letzten Fortschreibung von 2001 daher
auch zum "Ortsteil mit kulturhistorisch wertvoller Siedlungssubstanz"
erklärt worden. Verglichen mit dem Baubestand der Vorkriegszeit bzw. der
"Vor-Wirtschaftswunder-Zeit" ist von dieser Substanz allerdings nur mehr
ein "Restbestand" übrig geblieben, der freilich im Vergleich zu den
meisten Dörfern der Region immer noch beachtlich ist. Dennoch müssen auch
die noch erhaltenen Fachwerkhäuser im Ort vielfach in ihrem Bestand
mittel- und langfristig als gefährdet angesehen werden. Ein Grund sind die
massiven wirtschaftlichen Strukturveränderungen in der Vergangenheit, da
sämtliche alten Gebäude als Bauernhäuser errichtet worden sind. Die
Schutzbestimmungen für historische Gebäudeensembles und deren "moderne
Ergänzung" durch entsprechende Auflagen in Bebauungsplänen müssen als
unzureichend angesehen werden. Hinzu kommt noch die gerade bei
Dorferneuerungsprogrammen usw. augenfällig werdende mangelnde oder gar
nicht vorhandene Erfahrung und Sensibilisierung heutiger Architekten,
Baufirmen und Städteplaner im richtigen Umgang mit ländlichen
Fachwerkhäusern, Gebäudeensembles und Baudenkmalen. Nicht zuletzt drohen
Leerstand und Verfall weiter Bereiche des historischen Ortskerns durch
Abwanderung, Überalterung und "Aussiedlung" der jüngeren Generation in neu
ausgewiesene Neubaugebiete. Diese Feststellungen sind durchaus für alle
anderen Vogelsbergdörfer zu verallgemeinern. Das alte Ortsbild von Crainfeld, wie es sich bis vor einigen Jahrzehnten darbot und in seinen Grundzügen ungeachtet zahlreicher "Modernisierungen" noch heute zu erkennen ist, ist natürlich im Verlauf vieler Jahrhunderte gewachsen und entstanden. Dabei werden dem aufmerksamen Betrachter zahlreiche Unterschiede der Formen der (ehemaligen) Bauernhäuser und Gehöfte wie auch der Bauweise auffallen, die das Ergebnis einer mehrhundertjährigen Entwicklung ist, die sich in Crainfeld an Häusern in einem Zeitraum von etwa 265 Jahren nachvollziehen lässt. |
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Übersicht zu Fachwerkkonstruktionen (Quelle: Freilichtmuseum Hessenpark, Museumsführer Freilichtmuseum Hessenpark, Neu-Anspach 1995, S.145). |
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Fachwerkkonstruktionen und -begriffe Die Fachwerkbauweise kann auf eine mehrtausendjährige Geschichte zurückblicken. Fachwerkhäuser sind als äußerst langlebig zu betrachten. Die ältesten bekannten erhaltenen Fachwerkhäuser in Deutschland stammen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, sind also knapp 750 Jahre alt. Alle Holzfachwerkhäuser, so auch in Crainfeld, waren in einer Holz-Mischbauweise, bei der die durch die Holzteile gebildeten Gefache mit verschiedenen Materialien wie Lehmflechtwerk oder Steinen verschiedener Art geschlossen wurden. Die ältesten Fachwerkhäuser in vor- und frühgeschichtlicher Zeit waren Pfostenbauten, die von in die Erde eingegrabenen und mit Steinen verkeilten Pfosten getragen wurden und nur eine geringe Lebensdauer von wenigen Jahrzehnten hatten. Die ältesten mittelalterlichen Fachwerkhäuser sind Ständerbauten, deren senkrecht stehende Hölzer ("Ständer") durch alle Geschosse bis zum Dach hindurchreichen. Die jüngste Konstruktionsmethode etwa seit dem 16. Jahrhundert war der Stockwerkbau, bei dem jedes Stockwerk für sich gezimmert wurde. Für die Verbindung der einzelnen Hölzer untereinander bestanden zwei grundsätzliche Möglichkeiten, die Blattung und die Zapfung. Als Schwelle bezeichnet man das in einem Stockwerk zuunterst liegende waagrechte Holz, auf dem sich die gesamte Wand aufbaute. Die senkrechten Ständer oder Pfosten ergaben mit den waagrechten dazwischen eingesetzten Riegeln den Wandaufbau. Bundpfosten werden Pfosten genannt, an die sich im Hausinneren Wände anschlossen. Das oberste, durchlaufende waagrechte Holz eines Stockwerkes nannte man das Rähm. Zur Aussteifung gegen seitliches Verschieben der Fachwerkkonstruktionen verwendete man schräg eingesetzte Hölzer, die Streben, Kopf- und Fußbänder genannt werden. Unter Verwendung dieser konstruktiven Hölzer bildete sich in Hessen eine als "Mann" bezeichnete Sonderform der Eck- oder Bundpfostenkonstruktion heraus. Fußstreben ("Beine"), Kopfband oder Winkelholz ("Kopf") und Riegel ("Arme") erinnerten an eine stilisierte menschliche Gestalt. Vor allem diese auch als "Wilder Mann" oder seit den 1970er Jahren durch das Freilichtmuseum Hessenpark nachträglich auch als "Hessenmann" bezeichnete Strebenkonstruktion gab den älteren Fachwerkhäusern bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihr besonderes Gepräge. Ihrem Verwendungszweck entsprechend waren die einzelnen Gebäudeteile eines Fachwerkhauses in verschiedene "Zonen" eingeteilt, zumindest in zwei oder drei. Die erste Zone war der Wohnteil, die zweite Eingangsbereich, umgangssprachlich "Ern" genannt, mit der Küche, und die dritte Zone der Stall. Eine vierte oder sogar fünfte Zone konnten noch eine angebaute Scheune oder ein Bereich für besondere Zwecke (Mühle, Gerichtszimmer usw.) darstellen. Sofern diese Zonen alle unter einem Dach vereint waren (wie im Vogelsberg üblich), spricht man vom Einhaus, Eindachhaus oder Streckhof. Als Rauchhaus bezeichnet man Häuser, die vor dem Aufkommen feuerfester Kamine zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine offene Herdstelle hatten, bei der sich der Rauch frei im Dachgeschoß ausbreiten und durch das mit Stroh gedeckte Dach abziehen konnte. Das älteste bekannte und erhaltene Fachwerkhaus in Crainfeld ist der 1685 erbaute Edelhof (Kreuzstraße 1). Es ist allerdings durchaus möglich, da entsprechende Untersuchungen nicht vorgenommen worden sind, dass es in Crainfeld noch ältere Fachwerkhäuser gibt, die eventuell auch mittlerweile unerkannt durch Abbruch zerstört wurden. Das letzte neu erbaute echte Fachwerkhaus der Crainfelder Geschichte war die im Jahr 1950 abgebrannte und wieder neu errichtete Hofreite "Zentrasmusse" (Nebenstraße 19). Allerdings war bei dieser Hofreite bereits nur noch der Wirtschaftsteil in Fachwerk erbaut, während der Wohnteil, zunächst nur einstöckig, schon in reiner Massivbauweise ausgeführt wurde. |
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| Entwicklungsgeschichte des Fachwerks seit dem 17. Jahrhundert (nach: Reinhard Reuter, Dörfer in Hessen Bd. 2 Zwischen Knüll, Vogelsberg und Rhön, Königsstein 2000, S.125f). Oben links Fachwerk des 17./18. Jh. mit Ziergefachen und "Männern", oben rechts Fachwerk des 17./18. Jh. in einfacherer Form ohne Ziergefache, unten links und Mitte konstruktives Fachwerk des 19./20. Jh. mit einfachen Vollstreben, unten rechts Fachwerk des Heimatschutzstils mit Ziergefachen und "Mann". |