Die Crainfelder Mühlen

 

Eine winterliche Ansicht von Crainfeld mit der ehemaligen Ellenbergischen Mühle ("Krommese") in der Bildmitte im Winter 1941/42 von der "Hohl" aus.  Der Mühlenbetrieb war zu dieser Zeit schon eingestellt und die Mühleneinrichtung demontiert.

 

Erste Erwähnung

Unter den zahlreichen Handwerken in einem Dorf wie Crainfeld nahmen die Mühlen eine besondere Stellung ein. Mühlen können als Geburtsstätte der industriellen Entwicklung betrachtet werden. Zugleich war das Müllergewerbe eines der ersten dörflichen Gewerbe, das schon im 19. Jahrhundert der industriellen Konkurrenz nach und nach erlag. Auch im Vogelsberg waren die meisten Mühlen ursprünglich Mahlmühlen, in denen Getreide gemahlen wurde. Im Mittelalter, als in der Region der Eisenerzbergbau noch eine Rolle spielte, dürfte die Wasserkraft auch hier zum Betrieb von Hammerwerken genutzt worden sein. In Crainfeld gab es nur Mahlmühlen, demgegenüber in Nachbarorten (Bermuthshain, Ilbeshausen) auch Ölmühlen (Schlagmühlen) und Sägemühlen (Schneidmühlen). Wichtig für den Müller war die Nutzung des Wassers, das zumeist von einem benachbarten Bach abgezweigt und über einen Mühlgraben zu seinem Anwesen geleitet wurde. Das Recht zum Betrieb einer Mühle stand immer dem Landesherren, im Fall von Crainfeld natürlich den Landgrafen von Hessen, zu und wurde gegen Abgaben (Mühlgefälle) verliehen. Einige Mühlen wurden als Lehen durch den Landesherren vergeben. Oft lagen die Mühlen, wie in Crainfeld die Heckenmühle, weit abseits vom Dorf. Da der Müller zudem gegenüber den Bauern den "Moltersatz" (die Einnahmen) eigenmächtig festlegen konnte und diese zumeist an ein und dieselbe Mühle gebunden waren ("Mahlbann"), galt der Berufsstand des Müllers oftmals als eher anrüchig und "unehrlich". Nur wenige Müller waren aber wirklich zur dörflichen Oberschicht zu rechnen. Dominierend waren die Kleinmühlen, deren Besitzer als Nebenerwerb noch Landwirtschaft oder ein anderes Handwerk betreiben musste.

Man unterscheidet Mühlen mit oberschlächtigem und unterschlächtigem Antrieb. Beim unterschlächtigem Antrieb schlug das Wasser von unten gegen das Rad. Wesentlich höher lag die Leistung einer oberschlächtigen Mühle, bei der das Wasser von oben auf das Mühlrad geleitet wurde. Soweit bekannt, waren alle Crainfelder Mühlen oberschlächtig. Die Mühleneinrichtung, Mahlkasten und Mühlrad, bestand durchgehend aus Holz, als Material für die Mühlsteine kam nicht selten der einheimische Basalt zur Anwendung. Der Betrieb lief in der Form der so genannten Kundenmüllerei. Jeder "Mahlgast" (Mahlkunde) brachte sein Getreide selbst zur Mühle und wartete, bis er an der Reihe war, um dann sein Getreide dem Müller zu übergeben, der es aufschüttete. Danach war zu warten, bis das Getreide durchgemahlen war und erst danach machte sich der Mahlkunde auf den Heimweg.

Auch an den Bächen, die das Gericht Crainfeld durchflossen, hat es zahlreiche Mühlen gegeben. Unter der Bezeichnung "Teufelsmühle" berühmt geworden ist die 1691 anstelle eines älteren Vorgängerbaus erbaute Hansenmühle in Ilbeshausen, neben dem Crainfelder Edelhof der schönste ländliche Fachwerkbau in Oberhessen und als riedeselisches Lehen Jahrhunderte lang Besitz der alteingessenen Müllerfamilie Usinger. In Crainfeld gab es zu Beginn des 19. Jahrhunderts drei Mühlen, nämlich die Mühle im Dorf, die "Krommese" bzw. Ellenbergersche Mühle, südwestlich des Dorfes die Märzmühle, und weitab vom Dorf an der Gemarkungsgrenze nach Bannerod zu die Heckenmühle. Grebenhain besaß sechs Mühlen, nämlich eine Mühle im Dorf (Hausname "Mellersch") nahe der Kirche und eine weitere (Hausname "Kläs") am Damm des 1789 trockengelegten Teiches an der Westseite des Dorfes. Westlich von Grebenhain am Rand des Oberwaldes lagen die drei Ahlmühlen und die (1930 abgebrannte) Schäfermühle. Bermuthshain wies vier Mühlen auf, darunter im Dorf die Schlagmühle und die Hohlmühle und östlich des Dorfes die beiden Grundmühlen, die Grohmühle und die Schneidmühle. Ilbeshausen verfügte gar über die Anzahl von neun Mühlen entlang des Schwarzen Flusses: Waldmühle, Zeilmühle, Möllerjesmühle, Möllerjes Öhlmühle, Stürzjesmühle, Hansenmühle (Teufelsmühle), Mühlfeldjesmühle, Stiermühle und Mühlbalsersmühle.

Zum ersten Mal erwähnt wird eine der Crainfelder Mühlen, nämlich ein dem Melchior Schwinge gehörender "Mühl-Wasserfall" im Hirschrod (Wüstung zwischen Crainfeld und Bannerod), im Salbuch des Gerichts Crainfeld aus dem Jahr 1556. Historische Nachrichten über alle Crainfelder Mühlen liegen hingegen erst aus der Zeit nach dem 30jährigen Krieg vor, obwohl diese vermutlich schon vorher bestanden haben. Erstmals aufgeführt werden sie in einem 1661 entstandenen Verzeichnis aller Mühlen und Mühlgefälle im Amt Nidda. Darin werden auch die nach zwei Jahrzehnten immer noch nicht überwundenen Schäden des 30jährigen Krieges deutlich:

 
Bast Heintzenröder der Alte. Hat eine Mühle unter Crainfeld im Hirschrod gehabt. Mühle aber ganz oder für nächste Zeit ganz frei, gibt doch jährlich die Zins, nämlich 9 Rtaler. Ist arm und unvermögend und kann nimmermehr repariert werden, bittet um Erlassung der Zins.
Johann Nicklaß Ellenberger hat eine Mahlmühle im Dorf. Ist ihrer gangbar aber schlecht genug. Und gibt jährlich weitere Zins - 3 Rtaler.
Kaspar Hornmichel aus Banrode. Hat lange Zeit keine Mühle mehr gehabt, fängt aber itzo an, dieselbe auf riedeselischem Boden wieder zu bauen.
Quelle: Friedrich Müller: Crainfeld. Aus der Geschichte eines Dorfes im Vogelsbergkreis, 1987, S.75
 
Bei den ersten beiden erwähnten Mühlenbesitzern handelte es sich um die Besitzer der Heckenmühle und der Ellenbergerschen Mühle. Beide werden auch in einer Verfügung des Großherzoglichen Rentamtes in Schotten zur Ablösung der Mühlgefälle vom 1.1.1827 genannt. Demnach musste Kaspar Klein von der Heckenmühle 1 Gulden und 10 Kreuzer und Andreas Müller von der Mühle im Dorf 23 und dreiviertel Kreuzer als Mühlzins entrichten. Warum die damals noch bestehende Märzmühle nicht genannt wurde, ist unbekannt.
 

Situationsplan zum Baugesuch des Konrad Ruhl zum Bau einer Waschküche in seiner Hofreite ("Mengersch") aus dem Jahr 1886. Deutlich zu erkennen sind der Verlauf des Mühlgrabens und die "Krommese" Mühle selbst. Das Häuschen südlich der Hofreite "Mengersch" ist das damalige Wohnhaus des Schafhirten Peter Freienstein.
 
Eine ständige Quelle für Streitpunkte bildete die gleichzeitige Nutzung des Wassers der Lüder, das alle drei Crainfelder Mühlen antrieb, durch Bauern aus Crainfeld und Bermuthshain. Im Juli 1869 mussten die Heckenmühle und die weiter bachabwärts gelegene Kohlenmühle nördlich von Heisters wegen Wassermangels ihren Betrieb vorübergehend einstellen. Wie die beiden Müller Heinrich Schmalbach und Heinrich Rapp bei einer Besichtigung der Lüderquellen oberhalb von Bermuthshain feststellen, trat das Quellwasser zwar noch in genügender Menge aus, jedoch war der Bachlauf in der Gemarkung Bermuthshain so sehr verschlammt und verwachsen, dass das Wasser kaum Fortgang besaß und in den Wiesen versickerte. Eine Beschwerde der Müller beim Kreisamt in Lauterbach, die Gemeinde Bermuthshain zur Räumung des Bachlaufs anzuhalten, blieb ohne Ergebnisse. Noch größere Probleme bereitete es, wenn selbst in den Sommermonaten die Besitzer der an den Mühlgraben angrenzenden Wiesen dessen Wasser zur Bewässerung nutzten und insbesondere der Märzmühle und der "Krommese" Mühle im wahrsten Sinn des Wortes durch Anlage von Bewässerungsgräben das Wasser "abgruben". In den 1880er Jahren prozessierten die Crainfelder Müller mehrmals gegen die an den Mühlgraben angrenzenden 22 Bermuthshainer und 20 Crainfelder Wiesenbesitzer, und ein Wiesenvorstand wurde gebildet, um für die Verteilung des Wassers aus dem Mühlgraben zu sorgen. Dennoch kam es auch in der Folgezeit zu Streitigkeiten, da die Bauern auf ihr Recht pochten, das Wasser aus dem Mühlgraben zur Bewässerung ihrer Wiesen benutzen zu dürfen.

Schon bis zum ersten Weltkrieg waren auch alle drei Crainfelder Mühlen dem im 19. Jahrhundert besonders ausgeprägten "Mühlensterben" zum Opfer gefallen. Die Aufhebung des Mahlbanns, die Einschränkung des Getreideanbaus zugunsten des Kartoffelanbaus und der Viehzucht im Vogelsberg und schließlich das Aufkommen der nicht an das Wasser gebundenen dampfgetriebenen industriellen Großmühlen verringerte das Einkommen der Kleinmühlen immer mehr. Nur wenige Müller wagten es, ihre Mühlenbetriebe zu vergrößern und teilweise mit Hilfe von Dampfkraft zu betreiben, wie die 1896 bis 1919 als Dampfsägewerk arbeitende Schneidmühle bei Bermuthshain oder die untere Ahlmühle bei Grebenhain, deren Besitzer zusätzlich noch ein Handelsgeschäft, eine Gastwirtschaft und eine Bäckerei betrieben. Viele andere Müller gaben ihren Betrieb zugunsten der ohnehin immer als Nebenerwerb mit betriebenen Landwirtschaft ganz auf. Dennoch sind schon bis zum beginnenden 20. Jahrhundert viele der außerhalb der Dörfer als Einzelhöfe stehenden Mühlen ganz verschwunden, so die Märzmühle und Heckenmühle bei Crainfeld. Als einzige ehemalige Mühle in Crainfeld ist heute nur noch die Hofreite "Krommese" erhalten, das Mühlrad ist jedoch schon lange verschwunden.

 

Ausschnitt aus dem Blatt zur Flur XVIII aus dem Parzellhandriss von 1832. In der Bildmitte die heute nicht mehr existente Heckenmühle. Am rechten oberen Bildrand verläuft bereits die Gemarkungsgrenze zu Bannerod.

 

Die Heckenmühle

Die Heckenmühle stand im Gebiet der Wüstung Hirschrod an der Gemarkungsgrenze zwischen dem althessischen Crainfeld und dem ehemals riedeselischen Bannerod. Sie gehörte noch zu Crainfeld, war jedoch näher an Bannerod gelegen, was sich auch in den Heiraten ihrer Müller niederschlug. Bannerod war von der Heckenmühle, die auf der östlichen Lüderseite stand, nur 10 bis 15 Minuten Fußweg entfernt. Einige nahmen an, dass die Oberschultheißen von Crainfeld im Auftrag der Landgrafen von Hessen den Bau der Heckenmühle veranlassten, um die Bauern aus den benachbarten riedeselischen Orten Bannerod und Vaitshain zu veranlassen, ihre Frucht im hessischen Gebiet mahlen zu lassen und so die Riedesel zu schädigen. Möglicherweise handelte es sich bei der Heckenmühle aber auch um ein Überbleibsel des im Spätmittelalter wüst gewordenen Dorfes Hirschrod. Wie aus dem Parzellhandriss von 1832 und aus dem Brandkataster von 1861 hervorgeht, handelte es sich baulich um ein Gehöft, wohl aus einem Wohnstallhaus mit im Abstand stehender Scheune, vergleichbar der heute noch existenten Kaltenmühle bei Altenschlirf. Die Leistungsfähigkeit der Heckenmühle soll der Ellenbergischen Mühle ("Krommese") im Dorf entsprochen haben.

Zum ersten Mal erwähnt wird die Heckenmühle im Salbuch des Gerichts Crainfeld von 1556 als "Mühl-Wasserfall" im Hirschrod, damals im Besitz eines Melchior Schwinge. Weiterhin wird sie erwähnt im 1661 entstandenen Verzeichnis der Mühlen und Mühlgefälle im Amt Nidda. Als Besitzer der Mühle wird darin ein Bast Heinztenröder genannt. Sein Nachfahre war vermutlich der erstmals im Crainfelder Kirchenbuch als Heckenmüller genannte Matthäus Heutzenröder (geb. 1672), der 1697 die Ehe mit Gela Laufer aus dem Haus "Brückehannese" in Crainfeld schloss. Möglicherweise war jedoch bereits sein Vater Andreas Heutzenröder Besitzer der Mühle. Dessen Ehefrau Dorothea geb. Meinhardt aus Ober-Moos heiratete nach seinem Tod in zweiter Ehe Peter Laufer aus Crainfeld. Matthäus Heutzenröders Sohn Johannes Heutzenröder heiratete 1719 Anna Rasch aus Bermuthshain und tauschte sein Gut mit dem Crainfelder Michel Wacker erwarb, der im Gegenzug in die Heckenmühle zog. Michel Wacker schloss zwei Ehen, zuerst 1711 mit Gela Schmidt aus Bermuthshain und nach deren Tod 1733 mit Margaretha Döll aus Bannerod. Sein Sohn Johannes Wacker übernahm die Mühle nach seiner 1740 vollzogenen Heirat mit Anna Susanna Klippert aus dem Crainfelder Haus "Schoulbästjes". Dorthin heiratete wiederum auch sein Sohn Christoph Wacker. Die Heckenmühle selbst fiel durch Einheirat im Jahr 1773 an Kaspar Klein, gebürtig aus der Waldmühle bei Zahmen. Er heiratete die älteste Tochter des Johannes Wacker, Juliana Kunigunda Wacker . Der Sohn Johann Jakob Klein übernahm die Mühle nach seiner Heirat mit Anna Maria Ortwein aus Lanzenhain im Jahr 1803. Ihm folgte sein Sohn Johann Heinrich Klein, verheiratet seit 1827 mit Anna Katharina Meinhardt aus Crainfeld ("Schoumesch") und nach deren Tod ab 1833 mit Anna Maria Löffler aus Ilbeshausen. Sein Sohn Johannes Klein heiratete 1857 Marie Henriette Franz aus Crainfeld. Bereits 1855 hatte er in Bermuthshain ein Haus erworben, wohin er zog und fortan den Beruf des Wagners ausübte. An seine Herkunft erinnert in Bermuthshain bis heute der Hausname "Heckemellersch". Noch heute gibt es in Bermuthshain Nachfahren der einstigen Heckenmüllersfamilie Klein.

In der Heckenmühle selbst war Johann Heinrich Klein bereits 1837 gestorben. Seine Witwe heiratete daher 1839 Sebastian Schmalbach aus Bannerod. Es ist nicht bekannt, ob ein verwandtschaftlicher Zusammenhang mit der Crainfelder Familie Schmalbach bestand. Sebastian Schmalbach beging am 30.5.1873 wegen "häuslichem Kummer" Selbstmord durch Erhängen. Die Heckenmühle erhielt sein Sohn und einziges Kind Heinrich Schmalbach und nicht der Stiefsohn Johannes Klein. Heinrich Schmalbachs Ehefrau Maria Eirich, mit der er 1868 die Ehe schloss, stammte wie schon sein Vater aus Bannerod. Wiederum erhielt nicht sein Sohn Sebastian Schmalbach, er wurde Kutscher in Bad Homburg, die Mühle, da der Vater bereits 1874 an der Ruhr starb und seine Witwe eine zweite Ehe schloss. Zum letzten Besitzer der Heckenmühle wurde somit Karl Greb aus Bannerod nach der Heirat mit der Witwe des Heinrich Schmalbach im Jahr 1876. Offensichtlich wurde der Mühlenbetrieb jedoch immer unrentabler, so dass sich Karl Greb dazu entschloss, nach Crainfeld überzusiedeln, wo er das Haus "Tränkpetersch" erwarb und fortan als Maurer arbeitete. Nachfahren des letzten Heckenmüllers Karl Greb leben heute noch in Crainfeld.

Die Heckenmühle selbst wurde 1881 von der Gemeinde Crainfeld erworben, die das gesamte Anwesen noch im gleichen Jahr abbrechen ließ. Mühle erinnerte bis vor einigen Jahren noch der ehemalige Mühlgraben. Mittlerweile ist er jedoch im Zuge von Flurbereinigungen beseitigt worden.

 

Ausschnitt aus dem Blatt zur Flur I aus dem Parzellhandriss von 1832 mit der damaligen Märzmühle, die schon um 1860 bereits abgerissen war.
 

Die Märzmühle

Die Märzmühle stand einige hundert Meter südlich des Dorfes in den "Märzwiesen" und verfügte über einen von der Lüder abgeleiteten Mühlgraben. Sie war der am wenigsten leistungsfähigste Crainfelder Mühle und konnte nur anderthalb Maß (3 l) Frucht am Tag mahlen. Die Mühle war dem Parzellhandriss von 1832 zufolge baulich ein quergeteiltes Einhaus und dürfte äußerlich der noch erhaltenen "Krommese" Mühle geähnelt haben. Im Parzellhandriss ist außerdem noch ein kleines separates Gebäude, möglicherweise ein Backhaus, eingezeichnet. Der erste feststellbare Besitzer der Märzmühle war Johann Henrich Rauber (geb. 1679), Sohn des Johann Henrich Rauber von Crainfeld und seiner Ehefrau Katharina geb. Blum aus Bermuthshain. Die Familie gehörte zum weit verzweigten Crainfelder Rauber-Geschlecht. Johann Henrich Rauber heiratete 1702 Gertraud Ganß aus Bermuthshain. Sein zweiter Sohn Sebastian Rauber erhielt die Mühle nach seiner Verheiratung mit Anna Katharina Schultheis  aus dem späteren "Girschels"-Haus in Crainfeld im Jahr 1747. Ihm folgte der Sohn Johann Balthasar Rauber, verheiratet seit 1779 mit Anna Katharina Kleinschmidt aus Bermuthshain.

Nächster Besitzer der Märzmühle wurde der Schwiegersohn Johann Bast Ganß aus Grebenhain durch Heirat mit Sebastian Raubers ältester Tochter Juliana Katharina Rauber  im Jahr 1799. Der letzte Besitzer der Märzmühle war sein Sohn Christoph Ganß (gest. 1886). Er heiratete 1833 Anna Elisabeth Müller (1807-1858) und übernahm in der Folge den Hof "Ratzpetersch" seines Schwiegervaters Johannes Müller in Crainfeld. Auch sein Sohn Sebastian Ganß II. blieb im Haus "Ratzpetersch". Seine Nachfahren sind zugleich die Nachfahren des letzten Märzmüllers.

Wie lange die Märzmühle selbst noch betrieben und bewohnt wurde, ist nicht genau geklärt. Sie wurde aber durch ständigen Wassermangel, hervorgerufen durch die Bewässerung der Wiesen durch Crainfelder und Bermuthshainer Bauern, in Mitleidenschaft gezogen. Bereits im ältesten erhaltenen Brandkataster von 1862 ist sie nicht mehr aufgeführt, was folgerichtig auf einen Abbruch spätestens um 1860 schließen lässt. Angeblich soll soll die Märzmühle nach dem Abbruch bei Freiensteinau wieder aufgebaut worden sein. In Crainfeld sind heute keine Spuren mehr von ihr zu finden.

 

Ausschnitt aus dem Blatt zur Flur I aus dem Parzellhandriss von 1832, der einen Teil von Crainfeld im Bereich der heutigen Kreuzstraße zeigt. In der Bildmitte die vormalige Ellenbergersche Mühle ("Krommese") mit dem Mühlrad am Mühlgraben, der offen mitten durch das Dorf verlief und mehrere Wege durchschnitt. Das kleine Gebäude links von der Mühle ist das 1978 abgerissene Färbhaus oberhalb der Hofreite "Mengersch", die hier noch als "gewöhnliches" Einhaus mit kleinem Seitenstall verzeichnet ist. Rechts unterhalb von "Mengersch" befand sich damals noch ein Wohnhaus, das dem katholischen Schäfer Peter Freienstein aus Uerzell gehörte. Ein weiteres später abgerissenes Haus findet man unterhalb der Hofreite "Bergbalzerjes" (rechts von der Mühle). Zu sehen ist auch noch die ursprüngliche "Koppels" Hofreite neben "Gerberts" (links von "Mengersch"), die 1914 abbrannte. Das kleine Gebäude am Graben links ist das Backhaus.
 

Die Ellenbergersche Mühle ("Krommese")

Die Ellenbergersche bzw. "Krommese" Mühle ist die einzige noch erhaltene Mühle (Hausnummer Kreuzstraße 12) und steht mitten im Dorf. Daher rührt auch die in historischen Dokumenten zu findende Bezeichnung "Mühle im Dorf". Die Bezeichnung nach dem Crainfelder Geschlecht der Ellenberger ist nachträglichen Ursprungs.

Ihr Wasser erhielt sie über einen Mühlgraben von der Lüder aus, der am heutigen Märzwiesenweg entlang nach Crainfeld hineinführte und in Höhe der Hofreite "Mengersch" unter dem so genannten "Färbhaus" hindurch verlief. Der Graben überquerte dann unter einer Abdeckung und wurde schließlich zur benachbarten Mühle selbst geleitet, wo er und ein oberschlächtiges Mühlrad antrieb. Die Tagesleistung der Mühle, die vor den anderen beiden das Recht hatte, Tag und Nacht zu mahlen, betrug zwei Maß Frucht (4 l). Baulich gesehen handelte es sich bei der Mühle um ein quergeteiltes Einhaus, das sich abgesehen von der Mühleneinrichtung nicht sonderlich von anderen Bauernhäusern im Dorf unterschied.

Die Ellenbergersche Mühle war bis 1720 Familieneigentum der wohlhabenden Oberschultheißenfamilie Ellenberger. Sie wurde von dieser aber wohl nicht selbst bewohnt, sondern an wechselnde Besitzer als Lehen vergeben bzw. verpachtet, zumal die Crainfelder Schultheißen noch mehrere Häuser im Ort in ihrem Besitz hatten und ihnen darüber hinaus der Edelhof zustand. Als erster Besitzer der Mühle wird im Verzeichnis der Mühlen und Mühlgefälle im Amt Nidda von 1661 Johann Nikol Ellenberger (1612-1680) genannt, der 43 Jahre lang Gerichtsschultheiß (Oberschultheiß) in Crainfeld war. Als Müller (Leheninhaber bzw. Pächter) in der Ellenbergerschen Mühle in sind Gerhard Erasmus (1650-1695) aus Frankenberg an der Eder, Johann Peter Bitsch, dessen Ehefrau Margaretha Müller aus Altenschlirf (heute Stadtteil von Herbstein) stammte, und ein Johann Daniel Willing überliefert. Der letzte dieser Pachtmüller dürfte Bernhard Linker aus gewesen sein, der 1721 nach Ungarn auswanderte. Im Jahr 1720 verkaufte die Familie Ellenberger die Mühle an Johann Peter Oechler (geb. 1702), ältester Sohn des Bauern Nikolaus Oechler im "Schneidersch"-Haus in Crainfeld. Er heiratete 1722 Juliane Reuning aus Crainfeld und 1743 Elisabeth Röder aus Metzlos. Nachfolger in der Mühle wurde sein Sohn Johann Velten Oechler III., der 1747 Katharina Rehberger aus Crainfeld heiratete. Von sechs Kindern wuchs nur die jüngste Tochter Anna Katharina Oechler (geb. 1757) auf und schloss 1774 mit Andreas Müller aus dem unterhalb der Mühle gelegenen Haus "Jule" die Ehe. Als Müllermeister übernahm er die "Krommese" Mühle und starb am 23.8.1817 durch Herzschlag beim Grummetmähen. 1799 hatte bereits sein Sohn Johann Velten Müller (geb. 1780) nach Heirat mit Anna Elisabeth Müller von der Crainfelder Hofreite "Peterjes" die Mühle übernommen. Ihm folgte wiederum der Sohn Johann Sebastian Müller, aus dessen Ehe mit Katharina Weitzel aus Grebenhain keine Nachkommen hervorgingen und der am 18.10.1851 nach einem unglücklichen Fall starb.

Bereits 1844 war die "Krommese" Mühle an den Müller Johannes Strauch aus Schotten verkauft worden. Dieser geriet jedoch anscheinend in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wanderte 1879 mit Familie in die USA aus. Zuvor verkaufte er die Mühle an den Zimmermann und Wagner  Konrad Fritz aus dem Haus "Schefferjes" in Crainfeld. Konrad Fritz überschrieb die Mühle an seinen zweiten Sohn Heinrich Fritz III. (gest. 1920), verheiratet ab 1893 mit Katharina Oechler aus Crainfeld ("Schustervelljes"). Heinrich Fritz III. war der letzte Müller in der "Krommese" Mühle und der letzte Müller in der Crainfelder Geschichte. Sein Sohn Wilhelm Fritz, der spätere Crainfelder Bürgermeister musste nach seiner Heirat mit Luise Rehberger zu deren Schwiegereltern in das Haus "Hambaste" ziehen und übernahm diesen Hof anstelle der elterlichen Mühle. Wegen Wassermangels gab Heinrich Fritz III. im Jahr 1915 den Betrieb der Mühle, die zuletzt nur noch Kleie für das Vieh herstellte, endgültig auf. Nach seinem Tod im Jahr 1920 ging die Mühle in den Besitz seines Sohnes über, der das Gebäude vermietete. Die Mühleneinrichtung und das Mühlrad wurden demontiert und die Eisenteile einer anderen Verwendung zugeführt.  Am 20.10.1938 ging die Hofreite "Krommese" käuflich in den Besitz des Maurers Karl Seibert aus Schlechtenwegen über.

Zur "Krommese" Mühle gehörte auch das direkt über dem Mühlgraben erbaute "Färbhaus" gegenüber dem Nachbarhaus "Mengersch", das schon 1873 in den Besitz von Konrad Fritz übergegangen war. Im Besitz der Familie verblieb es auch noch nach dem Verkauf der "Krommese" Hofreite selbst, und zwar bis zu seinem Abbruch 1978. Die im Gebäude noch gelagerten alten Mühlsteine wurden zur Anlage einer Treppe auf dem Grundstück der alten Mühle benutzt, welche heute als einziges Relikt noch an die Existenz der Crainfelder Mühlen erinnert.