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Die Crainfelder Schule |
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Gruppenbild der Crainfelder Volksschule mit Lehrer Grundke vor dem im Heimatschutzstil gehaltenen und Anfang der 1950er Jahre zugunsten einer halb geschlossenen Eingangslaube beseitigten Eingang. |
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Entstehung und Geschichte der Schule Die Entstehung der Crainfelder Schule wie die des gesamten Schulwesens im Gebiet der historischen Landgrafschaft Hessen ist ohne die Reformation nicht denkbar gewesen. Im Mittelalter gab es Lateinschulen zumeist im Umfeld der Klöster, in denen der Nachwuchs für die Geistlichkeit ausgebildet wurde. Für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, zumal auf dem Land, gab es keinerlei Schulbildung, die allerdings auch kaum vonnöten war. Die Anfänge einer breiten Schulentwicklung für den Bauern und einfachen Bürger in die Einführungszeit der Reformation zurück. Martin Luthers dringendes Anliegen war eine gut ausgebildete Lesefähigkeit aller Stände, um seine Schriften dem Volk nahe zu bringen. Er hoffte so, ein allumfassendes protestantisch-religiösen Verständnis zu bewirken. Seine ins Deutsche übersetzte Bibel und sein Katechismus sollten in jedem evangelischen Haus gelesen werden können. Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen wurde schon 1521 Anhänger Luthers und führte in den folgenden Jahren flächendeckend in seinem Land die Reformation ein, darunter 1527 auch im Kirchspiel Crainfeld. Schon 1526 stimmte der Landgraf auf der Landessynode in Homberg (Efze) in der dort beschlossenen Kirchenordnung auch einer ersten Schulordnung zu. Es dauerte allerdings viele Jahrzehnte, bis in allen Kirchspielen der Landgrafschaft Schulen eingerichtet worden waren. 1619 führte Landgraf Ludwig V. schließlich in Hessen-Darmstadt die Schulpflicht ein. In Crainfeld wurde eine Schule aller Wahrscheinlichkeit nach schon in den 1580er Jahren eingerichtet. Sie war damit einer der ersten und folgerichtig auch ältesten Schulen in der oberen Vogelsbergregion. Angesichts der engen Bindungen von Kirche und Schule war es geradezu folgerichtig, dass diese Schule am Mutterort des Kirchspieles entstand. Die Crainfelder Schule musste nicht nur von den örtlichen Kindern, sondern auch denen aus den Filialdörfern Bermuthshain, Grebenhain und Ilbeshausen besucht werden. Dies erwies sich aber, wohl schon wegen der Entfernung der Filaldörfer von der Schule und der Vielzahl der Schulkinder aus vier Dörfern, die von nur einem "Schulmeister" unterrichtet wurden, nur als vorübergehende Lösung. Gleichwohl hatte sie einige Jahrzehnte Bestand. Ilbeshausen, der am weitesten von Crainfeld entfernteste Filialort, erhielt schließlich 1606 als erster eine eigene Schule. Noch während des Dreißigjährigen Krieges bemühte sich der damalige Crainfelder Pfarrer Johann Philipp Dippel, auch in Grebenhain und Bermuthshain eigene Schulen zu errichten, wie aus seinem Bericht im Rahmen der Generalkirchenvisitation von 1628 hervorgeht: "Weil zu dieser Unwissenheit nicht die geringste Ursach ist der Mangel an Schulen, ist vonnöthen, daß in einem jeden Filial eine Schul angestellet werde, wie ich mich den underschiedlich bemühet, aber nicht erhalten können, dann es heißt a teneris assuescere multum est". Schon um 1630 entstand in Bermuthshain eine eigene Schule. Als erster Schulmeister wurde dort ein Nikolaus Höfer angestellt. In Grebenhain konnte dagegen erst im Jahr 1679 unter Pfarrer Johannes Keyser eine Schule mit dem Einheimischen Johann Heinrich Lang als Schulmeister gegründet werden, nachdem ihn die Gemeinde Grebenhain selbst ersucht hatte, „eine Schule aufzurichten und sich um einen guten Mann umzuthun, der solche Schulfunktion sichtbarlich auf sich nehme“. Seitdem wurde die Crainfelder Schule bis zu ihrer Auflösung 1969 nur von den Schulkindern aus Crainfeld selbst besucht. Das soziale Ansehen des Schulmeisters, wie die Bezeichnung für den Lehrer bis ins 19. Jahrhundert lautete, war äußerst gering und die Besoldung selbst für die damaligen Verhältnisse unzureichend. Er war sprichwörtlich "das arme Dorfschulmeisterlein". Über die Pflichten eines Schulmeisters in Crainfeld und sein Einkommen gegen Ende des 17. Jahrhunderts liegt ein Bestallungsbrief des damaligen Oberschultheißen Johann Nikolaus Ellenberger vom 7.5.1670 vor. Für seine Schulmeisterdienste erhielt der damalige Lehrer Johann Peter Dietz von jedem Crainfelder und Grebenhainer Kind den Winter über 13 Albus (Weißpfennige). Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Schulunterricht überwiegend in der Winterzeit stattfand, da in den Sommermonaten die Kinder für die Mithilfe in der Landwirtschaft benötigt wurden. Die Entlohnung des Schulmeisters erfolgte aus dem Kirchenkasten. Auch die Schulaufsicht oblag dem Pfarrer. Die Schulmeister in Crainfeld wie auch der Filialorte wurden zu allerlei kirchlichen Pflichten herangezogen, wie aus dem oben aufgeführten Bestallungsbrief hervorgeht. Sie hatten den Glöcknerdienst zu versehen sowie bei den Gottesdiensten als Vorsänger oder Kantoren das Gesänge zu führen. Ebenso wurde nach der Aufstellung einer Kirchenorgel im Jahr 1666 der Organistendienst mit der Schulstelle verbunden. Sofern es sich, wie in einigen Fällen, um ausgebildete Theologen handelte, mussten die Schulmeister auch den Pfarrer beim Prediger- und Lektorendienst alle 14 Tage vertreten. Manchmal wurden Pfarramtsanwärter oder Pfarrvikare zum Schuldienst herangezogen, bevor ihnen eine Pfarrstelle zugeteilt werden konnte. Häufig handelte es sich aber bei den Dorfschulmeistern um nicht ausgebildete Autodidakten, die ihren Beruf im Grunde nur höchst unzureichend erfüllen konnten. Sie übten ihr Amt bis zum Tod aus, da keine Pension existierte, und es war nicht selten, das der Sohn des alten Schulmeisters, der diesem zuvor bereits als "Adjunkt" (Gehilfe) zugeteilt war, der neue Schulmeister wurde. Auf diese Weise entstanden manchmal regelrechte "Schulmeisterdynastien". Die ohnehin kärgliche Entlohnung des Schulmeisters erfolgte nur teilweise in Geld, sondern auch in Form von Naturalien. Ihm war das Schulgut zugewiesen, das er wie ein gewöhnlicher Bauer zur eigenen Ernährung bewirtschaften musste. Außerdem musste von den Eltern für jedes Kind ein Schulgeld bezahlt werden. Schon von daher war ein Schulmeister daran interessiert, eine möglichst große Klasse zu haben. In einer Dorfschule wie in Crainfeld musste er ohnehin 70 bis 90 Kinder aller Altersjahrgänge gemeinsam unterrichten. Die kümmerliche Entlohnung, die ständige Inanspruchnahme durch die Kirche und die nicht vorhandene Ausbildung des Schulmeisters führten dazu, dass der Schulunterricht in Crainfeld wie in anderen Orten jahrhundertelang auf niedrigstem Niveau verharrte. Üblicherweise bediente der Schulmeister sich der Rute, um die große Kinderschar zu "züchtigen". Die überwiegend bäuerliche Bevölkerung wollte die Schulpflicht ihrer Kinder ohnehin nicht einsehen, da der ihrer Meinung nach völlig unnütze Schulunterricht im Lesen und Schreiben die Kinder von der Mithilfe in der Landwirtschaft bzw. im Handwerk abhielt. Viele Eltern versuchten, ihre Kinder nach Möglichkeit der Schulpflicht zu entziehen. Der Schritt vom autodidaktischen Schulmeister hin zum auf dem Seminar ausgebildeten Schullehrer wurde im nunmehrigen Großherzogtum Hessen durch die Gründung eines Lehrerseminars in Friedberg im Jahr 1817 vollzogen. Seit dem Erlass der Allgemeinen Schulordnung am 22.10.1827 stand das Schulwesen nicht mehr unter kirchlicher, sondern staatlicher Aufsicht, wenn auch die Schulaufsicht weiterhin vom Ortsgeistlichen in staatlichem Auftrag wahrgenommen wurde. Ihm zur Seite hatte der Schulvorstand zu stehen, dem der Bürgermeister und zwei "rechtschaffende", auf Vorschlag von Pfarrer und Bürgermeister ernannte, Familienväter angehörten. Die Schulvorstände setzten auch die Schulferien, die sich nach der Erntezeit richteten, wo die Mithilfe der Kinder erforderlich war, fest. 1832 wurde die Schulaufsicht über die nunmehr so genannten Volksschulen auf die Bezirksschulkommission übertragen, deren Bezirk dem jeweiligen Landkreis, im Fall von Crainfeld also ab 1852 Lauterbach entsprach. Die Bezirksschulkommission nahm regelmäßig Visitationen vor, um den Verhältnisse der Schule zu überprüfen. 1822 wurde den Lehrern verboten, die Kinder "blau und blutig" zu schlagen und wies sie an, "die von Gott befohlene Rute nur in vernünftiger Mäßigung zu gebrauchen". Die körperliche Züchtigung durch den Lehrer zählte jedoch noch bis in die 1960er Jahre hinein zum normalen Schüleralltag. Sämtliche Mittel zur Bestreitung der Bedürfnisse der Schule, insbesondere auch der Lehrergehälter, waren von der Gemeinde aufzubringen und bürdeten dieser eine nicht geringe Last auf. Sie wurde erst am 1.4.1922 vom hessischen Staat übernommen. Erst seit 1870 stand den Lehrern nach Beendigung ihres Schuldienstes eine Pension zu. Seit einem Gesetz vom 26.2.1872 hatte ein Volksschullehrer in Gemeinden bis zu 200 Einwohnern wie Crainfeld Anspruch auf ein Mindestgehalt von 40 bis 500 Gulden. Im Jahr 1875 bezahlte die Gemeinde Crainfeld dem Schullehrer ein Gehalt von 770 Mark und 42 Pfennig (450 Gulden). Diese Summe war für die damals mit 13.000 Mark verschuldete Gemeinde eine solche Belastung, dass sie 1878 eine Beschwerde wegen der geforderten Erhöhung des Lehrergehalts an den Staat richtete und erwirken konnte, dass der geforderte Betrag von 128,58 Mark aus Staatsmitteln zugeschossen wurde. Im übrigen war die Stelle eines Dorfschullehrers aufgrund der geringeren Bezahlung bei den Lehrern weniger beliebt, so dass die Lehrer häufig wechselten. Andererseits ist gerade bei dörflichen Schulen immer wieder vorgekommen, dass ein Lehrer viele Jahrzehnte auf seiner Stelle blieb und mit der dörflichen Gemeinschaft verwuchs. Die Zahl der Schulkinder in Crainfeld stieg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark an. Ursache war die Steigerung der Einwohnerzahlen (ungeachtet der Auswanderung) insgesamt, die hohe Geburtenrate und die immer mehr zurückgehende Kindersterblichkeit. |
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Schülerzahlen der Schule zu Crainfeld 1622 bis 1891 |
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| Jahr | 1622 | 1741 | 1858 | 1860 | 1870 | 1872 | 1874 | 1876 | 1878 | 1881 | 1885 | 1890 | 1891 | ||
| Knaben | 30 | 33 | 38 | 50 | 46 | 43 | 44 | 45 | 49 | 48 | 47 | ||||
| Mädchen | 30 | 39 | 41 | 39 | 44 | 50 | 58 | 50 | 40 | 42 | 38 | ||||
| Israeliten | 24 | 25 | 26 | 14 | |||||||||||
| gesamt | 60 | 60 | 72 | 79 | 89 | 90 | 93 | 92 | 95 | 89 | 90 | 85 | 81 | ||
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Jedes Kind hatte vom sechsten bis zum vierzehnten Lebensjahr die Volksschule zu besuchen. Für die Einrichtung einer Volksschule mussten in einer Gemeinde mindestens 30 schulpflichtige Kinder vorhanden sein. Die Eltern hatten bis 1922 für jedes Kind ein Schulgeld zu entrichten. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 gab es im gesamten Kreis Lauterbach 64 Volksschulen mit 109 Lehrern, 1 Lehrerin und 5238 Schülern sowie angeschlossen noch 63 Fortbildungsschulen mit 876 Schülern. Die Einrichtung der Fortbildungsschule wurde 1874 durch Gesetz verfügt und sollte allgemein bildende und berufliche Kenntnisse vermitteln. Sämtliche Volksschüler, welche die Schule verließen, waren drei Jahre zu ihrem Besuch verpflichtet. Den Unterricht, der bis 1922 nur im Winter stattfand, übernahm der örtliche Volksschullehrer. Nach Ansicht vieler Bauern und Handwerker war die Fortbildungsschule eine völlig unsinnige und zwecklose Einrichtung, welche ihre bereits schulentlassenen Kinder nur von der Arbeit fernhielt. Aufgrund sinkender Schülerzahlen wurden 1921 die Fortbildungsschulen in Grebenhain und Bermuthshain geschlossen und ihre Schüler der Fortbildungsschule Crainfeld zugewiesen, was in den betroffenen Gemeinden auf scharfen Widerstand stieß. In Bermuthshain beschlossen Gemeinderat und Schulvorstand 1926, dass die dortigen Fortbildungsschüler nicht am Unterricht in Crainfeld teilnahmen. Schulpflichtig waren wie heute alle Kinder ab dem sechsten Lebensjahr. Einschulung und Beginn des Schuljahres erfolgten traditionell an Ostern, also im Frühjahr (März/April). Die Schulentlassung erfolgte nach acht Schuljahren im Lebensalter von 14 Jahren wiederum an Ostern etwa zeitgleich mit der Konfirmation. Charakteristisch für eine ländlichen Volksschule wie in Crainfeld war der gemeinsame jahrgangsübergreifende Unterricht von Schülern aus jeweils vier, in Zeiten der Einklassigkeit auch allen acht Altersstufen. Schon aufgrund der im Verhältnis hierzu zu geringen Schülerzahlen konnte ein jahrgangsweiser Unterricht in Schulklassen in einer ländlichen Volksschule nicht erfolgen. In Crainfeld erfolgte der Unterricht bis 1906 einklassig, es unterrichtete also ein einziger Lehrer alle 93 Schüler im Alter zwischen 6 und 14 Jahren. Ab 1906 war die Schule dann zweiklassig. Die von zwei Lehrern unterrichteten Klassen umfassten das 1.-4. Schuljahr (43 Schüler) und das 4.-8. Schuljahr (50 Schüler). Zur weiteren Differenzierung und um die Kinder ihrem Alter entsprechend unterrichten zu können, erfolgte noch eine Einteilung in drei Abteilungen (1.-3., 3.-6. und 6.-8. Schuljahr). Aufgrund gesunkener Schülerzahlen wurde die Crainfelder Schule im Oktober 1928 wieder einklassig. Sie blieb dies bis zum Januar 1947, als infolge der vor allem durch die Kinder der Heimatvertriebenen und Ausgebombten extrem angewachsenen Schülerzahlen wieder eine zweite Lehrerstelle eingerichtet wurde. Obwohl in der ländlichen Volksschule die Jahrgänge nicht so sehr in Erscheinung traten, herrschte ein sehr starkes Zusammengehörigkeitsgefühl der Jungen und Mädchen eines Jahrgangs, der "Schulkameraden", das über die Schulentlassung hinaus bis ins hohe Alter anhielt. Dieses Phänomen bezeichnete man als die so genannte "Alterskameradschaft". Nicht alle Crainfelder Schulkinder waren "Eingeborene". Einen merklichen Anteil in den Klassen stellten seit dem Ersten Weltkrieg Pflegekinder, die aus den Industriestädten wie Offenbach, aus dem Ruhrgebiet, aus Rheinhessen und nach 1945 auch dem damaligen West-Berlin stammten und als "Hütekinder" in Crainfelder Bauernfamilien lebten. Im folgenden eine Liste aller an der Crainfelder Schule tätigen Lehrer, soweit bekannt. |
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Crainfelder Schullehrer von 1599 bis 1969 |
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| August Riccius | 1599 - 1604 | ||||||||||||||
| Heinrich Cholerus | 1604 - um 1630 | ||||||||||||||
| Johannes Rodhacker | um 1632 | ||||||||||||||
| Andreas Komp | um 1634 - 1637 | ||||||||||||||
| Hans Ziegler | 1638 - 1650 | ||||||||||||||
| Hans Ziegler jun. | 1650 - 1658 | ||||||||||||||
| Konrad Lang | 1658 - 1666 | ||||||||||||||
| Philipp Zahn | 1666 - 1671 | ||||||||||||||
| Johann Georg Blum | 1671 - 1676 | ||||||||||||||
| Johann Peter Dietz | 1676 - 1677 | ||||||||||||||
| Johann Jakob Fuchs | 1677 - 1679 | ||||||||||||||
| Johann Nikolaus Jung | 1679 - 1682 | ||||||||||||||
| Johannes Alt | 1682 - 1688 | ||||||||||||||
| Ludwig Ulmer | 1688 - 1691 | ||||||||||||||
| Johann Christoph Keyser | 1691 - 1695 | ||||||||||||||
| Friedrich Wilhelm Köhler | 1695 - 1700 | ||||||||||||||
| Johann Christoph Soldan | 1700 - 1750 | ||||||||||||||
| Johann Peter Weitz | 1750 - 1775 | ||||||||||||||
| Heinrich Jakob Weitz | 1775 - 1825 | ||||||||||||||
| Friedrich Wilhelm Theodor Spamer | 1826 - 1837 | ||||||||||||||
| Matthäus Buri | 1838 - 1869 | ||||||||||||||
| Konrad Meyer | 1869 - 1871 | ||||||||||||||
| Johannes Greb | 1871 - 1876 | ||||||||||||||
| Heinrich Ludwig Nikolaus | 1876 - 1879 | ||||||||||||||
| Heinrich Riedel | 1879 - 1884 | ||||||||||||||
| Wilhelm Mink | 1884 - 1889 | ||||||||||||||
| Heinrich Büttner | 1889 - 1892 | ||||||||||||||
| Heinrich Steuernagel | 1892 - 1893 | ||||||||||||||
| N. Muth | 1893 - 1898 | ||||||||||||||
| Leonhard Ihring | 1898 - 1903 | ||||||||||||||
| Wilhelm Jost | 1903 - 1904 | ||||||||||||||
| N. Wilhelm | 1904 - 1904 | ||||||||||||||
| Johannes Reichert | 1904 - 1905 | ||||||||||||||
| Otto Jockel | 1904 - 1924 | ||||||||||||||
| Adam Heldmann | 1905 - 1925 | ||||||||||||||
| Hans Mangold | 1924 - 1928 | ||||||||||||||
| Otto Eif | 1925 - 1926 | ||||||||||||||
| Friedrich Brunn | 1928 - 1928 | ||||||||||||||
| Paul Grundke | 1928 - 1934 | ||||||||||||||
| Erwin Crössmann | 1934 - 1936 | ||||||||||||||
| Meta Pömperl-Lothari | 1936 - 1936 | ||||||||||||||
| Heinrich Volk | 1936 - 1937 | ||||||||||||||
| Berty Seibert | 1937 - 1939 | ||||||||||||||
| Irmgard Schwanenstecker | 1945 - 1948 | ||||||||||||||
| Heinz-Ludwig Müller | 1947 - 1952 | ||||||||||||||
| Heinrich Liller | 1948 - 1957 | ||||||||||||||
| Friedrich Maser | 1952 - 1953 | ||||||||||||||
| Werner Dietl | 1954 - 1957 | ||||||||||||||
| Ruth Dietl | 1957 - 1968 | ||||||||||||||
| Gottfried Höhn | 1957 - 1963 | ||||||||||||||
| Gertrud Höhn | 1963 - 1969 | ||||||||||||||
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Die Crainfelder Genossenschaftsschule (Realschule) Ein besonderes Kapitel Vogelsberger Schulgeschichte war die von 1919 bis 1928 bestehende private Realschule in Crainfeld, die sogenannte "Genossenschaftsschule". Bis zu deren Gründung gab es im Gebiet des hohen Vogelsberges keine höhere Schule. Maßgebliche Verfechter der Gründung der Realschule waren der Nieder-Mooser Pfarrer Naumann und der Vaitshainer Landwirt Fölsing. Neben einigen Handwerkern und Kaufleuten aus Crainfeld und seiner Umgebung bestand vor allem in den jüdischen Familien Crainfelds ein großes Interesse an einer höheren Schule. Die Realschule war ähnlich wie die berühmt gewordene "Dürerschule" bzw. "Bergschule" im benachbarten Hochwaldhausen stark von reformerischen Gedanken durchdrungen. Der Name "Genossenschaftsschule" wurde gewählt, weil der Genossenschaftsgedanke in Gestalt der Spar- und Darlehenskassen damals im ländlichen Raum schon weitere Verbreitung gefunden hatte. Nach der Genehmigung durch die hessische Staatsregierung konnte der Schulbetrieb im Herbst 1919 mit 25 Schülern aufgenommen werden. Die Schule stand unter der Leitung des Crainfelder Pfarrers Karl Frank. Daher diente als Schulraum auch nicht das Schulhaus, sondern der vom Kirchenvorstand unentgeltlich zur Verfügung gestellte Konfirmandensaal. Die erste Lehrerin wurde bereits im Frühjahr 1920 von einem Schulverwalter Becker abgelöst. Bereits nach kurzer Zeit stieg die Schülerzahl auf 34, so dass ein zweiter Schulsaal mit einem Kostenaufwand von 4000 RM, welchen die Eltern aufbrachten, im Nebengebäude eingerichtet und ein zweiter Lehrer, der Assessor Dr. Alffen aus Giessen, eingestellt werden musste. Verglichen mit den Schülerzahlen der Volksschule oder der Fortbildungsschule wurde die Realschule von relativ wenigen Schülern besucht. Gegen Ende der 1920er Jahre nahmen die Schülerzahlen ab. Hierfür dürfte u. a. das hohe Schulgeld von monatlich 1500 RM nicht unwesentlich verantwortlich gewesen sein. Schließlich wurde die Schule, die zuletzt nur noch sieben Schüler hatte, im Herbst 1928 geschlossen. |
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| Bis 1907 diente die "alte Schule" (im Bild rechts) als Schulhaus von Crainfeld. 1907 kaufte Markus Stein "Koppels" das in der Bildmitte erkennbare Gebäude, 1933 der Nachbar Karl Jöckel. Hier eine während der Crainfelder Fastnacht in den 1950er Jahren entstandene Aufnahme. | |||||||||||||||
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Die Schulgebäude Wohl schon kurz nach der Gründung der Crainfelder Schule muss diese auch über ein eigenes Schulhaus verfügt haben, dass entweder neu gebaut wurde oder durch Umbau eines vorhandenen Hauses entstand. Zum ersten Mal erwähnt wird das Schulhaus, genauer gesagt dessen Zerstörung, im 1625 entstandenen Kriegsschadensverzeichnis des Oberfürstentums Hessen (Oberhessen), das u. a. die bei der Plünderung und Zerstörung von Crainfeld durch die Truppen Herzog Christians von Braunschweig am 1.6.1622 angerichteten Schäden auflistet. Nachdem der damalige Crainfelder Schulmeister Henricus Cholerus von den Soldaten gefoltert worden war, wurde anschließend das Schulhaus "in praesentia in Brantt geleget". Nach der Zerstörung wurde es vermutlich noch während des Dreißigjährigen Krieges wieder aufgebaut. Der erwähnte Bestallungsbrief über die Pflichten des Schulmeisters zu Crainfeld von 1670 erwähnt ausdrücklich, das dem Schulmeister ein Schulhaus zur Verfügung stehe. Dies war damals keineswegs eine Selbstverständlichkeit, wurde doch in vielen Dörfern die Schule bis ins 19. Jahrhundert als "Wanderschule" reihum im Dorf in den Bauernhäusern oder im privaten Haus des Lehrers, in der Regel auch einem Bauernhaus, gehalten. Häufig diente die Wohnstube des Lehrers auch als Schulstube. Wahrscheinlich stand das Schulhaus auch im 17. Jahrhundert schon am Standort der später so genannten "Alten Schule" in der Kreuzstraße unterhalb des Edelhofes. Aus dem Jahr 1735 ist ein Neubau des Schulhauses überliefert, möglicherweise sogar des jetzt noch erhaltenen Gebäudes. Die alte Schule besaß nur einen Schulsaal und eine Lehrerwohnung. Als die Schülerzahlen gegen Ende des 19. Jahrhunderts so stark angestiegen waren, dass die Einrichtung einer zweiten Schulstelle notwendig wurde, erwies sich das Gebäude daher als zu klein. Der Neubau eines Schulhauses mit zwei Schulsälen und zwei Lehrerwohnungen erwies sich als unumgänglich. Bereits im Jahr 1903 begannen die Planungen für den Schulhausneubau. Aus dieser Zeit sind noch mehrere Pläne zum künftigen Aussehen des Gebäudes erhalten. Interessanterweise sollte das neue Schulhauses um 90° gedreht gegenüber dem letztendlich realisierten Bau stehen, also mit der Giebelseite zur Straße hin und nicht mit der Hauptfassade. In völligem Kontrast zu den späteren Schulneubauten im Vogelsberg nach dem Zweiten Weltkrieg und im Einklang mit der Heimatschutzbewegung war man darauf bedacht, ein Gebäude zu schaffen, dass sich als neuer architektonischer Blickfang von Crainfeld in die vorhandene Fachwerkarchitektur des Dorfes einfügte. Nach einem Entwurf der großherzoglichen Kreisbauinspektion Lauterbach vom November 1903 sollte das Untergeschoß massiv, Ober- und Dachgeschoß jedoch in Fachwerkbauweise mit freiliegendem Fachwerk an der Südostfassade und Verschieferung bzw. Verschindelung an der Nordwestfassade (mit vorgelagertem Treppenturm) ausgeführt werden. Ein weiterer Entwurf sah ein ganz aus Fachwerk errichtetes Haus vor, wobei die Rückseite einfach gehalten und verschindelt war und die Hoffassade freiliegendes Fachwerk im Stil des späten 17. Jahrhunderts am Untergeschoß und Schindelverkleidung am Obergeschoß aufwies. Der Entwurf vom Dezember 1903 beinhaltete ein massives Erdgeschoß und ein Fachwerkobergeschoß mit einem Glockenturm. Im Inneren waren in jedem Geschoß je ein Schulsaal und eine Lehrerwohnung vorgesehen. Wäre das Schulhaus so realisiert worden, hätte es unstreitig eine Konkurrenz zum Edelhof als schönstem Fachwerkhaus von Crainfeld dargestellt. Dazu kam es jedoch nie. Wie die ursprünglich geplante Crainfelder Schule gewirkt haben mag, kann heute noch in Eichelsachsen bei Schotten gesehen werden. Dort wurde 1911 ein ganz ähnlicher Entwurf eines Schulhauses im Heimatschutzstil tatsächlich umgesetzt. Vermutlich überstiegen die Kosten für den geplanten Neubau, dessen Aussehen manchem wohl auch zu "verschwenderisch" erschienen sein wird, die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde Crainfeld bei weitem. So wurde das Gebäude zwar in der vorgesehenen Größe erbaut, aber in weit schlichterem Aussehen und anstelle von Fachwerk mit Ziergefachen und Türmchen mit einer einfachen Verschindelung der Fassade. Die zwei Schulsäle befanden sich im Erdgeschoß und darüber die Wohnungen für die beiden Lehrer. Ungeachtet dessen verschlang der Schulhausneubau stattliche 60000 RM. Mit dem Bau des neuen Schulhauses wurde im Sommer 1906 begonnen. Da die zweite Schulstelle bereits zum 1.7.1906 eingerichtet wurde, fand der Unterricht für die beiden Schulklassen bis zur Fertigstellung des Neubaus nacheinander im alten Schulhaus statt. Die Einweihung des neuen Schulhauses konnte schließlich am 26.10.1907 mit einer Weiherrede des Ortsgeistlichen Jakob Walter und in Gegenwart von Bürgermeister Heinrich Schmalbach IV., des großherzoglichen Kreisrates von Bechtold und des Kreisbauinspektors Hechlow aus Lauterbach erfolgen. Besonderes Lob fand die bodenständige Architektur des Gebäudes. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurde das Crainfelder Schulhaus am 19.3.1945 bei einem Angriff US-amerikanischer Jagdbomber ("Jabos") auf einen Zug auf der unterhalb des Gebäudes vorbeiführenden Bahnlinie beschädigt. Weitere Schäden, insbesondere Mauerrisse im Fundament, verursachte die Sprengung der Luftmunitionsanstalt Hartmannshain ("Muna") wenige Tage später. Die vollständige Wiederinstandsetzung konnte infolge der Nachkriegsverhältnisse erst in mehreren Schritten erfolgen. Während die beiden Schulsäle bereits 1946 renoviert wurden, war dies bei den Lehrerwohnungen erst 1949 möglich. Sichtbarste äußerliche Veränderung war die Beseitigung der alten Schultreppe und Überdachung, durch die von beiden Seiten ein Zugang möglich war. Sie wurde durch einen halb geschlossenen und nur aus östlicher Richtung über eine Treppe zugänglichen Eingang ersetzt. Auch der Zwerchgiebel oberhalb der Tür verschwand. In den folgenden 20 Jahren genügte das Haus wieder allen Anforderungen eines ordnungsgemäßen Schulbetriebes. 1955 wurde die Schule komplett mit neuen Schulmöbeln ausgestattet. Nach der Auflösung der Crainfelder Schule stand das Gebäude zunächst leer, bis im Jahr 1971 von der Gemeindevertretung von Crainfeld der Umbau zu einem Dorfgemeinschaftshaus beschlossen wurde. Gleiches geschah auch in den anderen Ortsteilen der neuen Großgemeinde Grebenhain, wo die alten Dorfschulen ebenfalls in Dorfgemeinschaftshäuser umgewandelt wurden. Der noch in der Zeit der kommunalen Selbstständigkeit unternommene Umbau begann im Februar 1971 und war im Januar 1972 abgeschlossen. Die beiden Schulsäle wurden zu einem 100 qm großen Gemeinschaftsraum zusammengefasst, und die übrigen Räume zu einem Konferenzzimmer und einer Küche umgebaut sowie ein moderner Erweiterungsbau mit Toilettenanlagen angefügt. Die Kosten beliefen sich auf 170.000 DM. Die Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses fand kurz nach dem Anschluss von Crainfeld an Grebenhain am 25.1.1972 statt. Als Dorfgemeinschaftshaus (DGH) wird unter Denkmalschutz stehende ehemalige Schule bis heute benutzt. Nach mehr als 35 Jahren entspricht das DGH Crainfeld allerdings in Bezug auf seine Inneneinrichtung und den zur Verfügung stehenden Raum nicht mehr dem neuesten Stand. Während der Dorferneuerung zwischen 1983 und 1991 wurde das Dach neu gedeckt und die Fassade erneuert. Eine Erneuerung und Erweiterung der DGH-Räumlichkeiten unterblieb jedoch, u. a., weil das DGH zu diesem Zeitpunkt "erst" rund 15 Jahre in Benutzung war und außerdem alternativ mit dem "Vogelsberger Hof" eine große Gastwirtschaft mit Saalbau existierte. Ab 2001 wurden jedoch in Crainfeld Stimmen laut, die eine Sanierung und Erweiterung des Dorfgemeinschaftshauses forderten. Im Gespräch ist der aus denkmalpflegerischer Sicht umstrittene Abbruch des 1908 erbauten Nebengebäudes, um einen Erweiterungsbau mit ebenerdigem Eingang an die frühere Schule anzufügen. Wegen weiterer Differenzen zwischen Gemeinde und Ortsteil über die Gestaltung und den Zeitplan kam es im Juli 2008 sogar zum Rücktritt des Crainfelder Ortsbeirats. Derzeit ist die Umsetzung der Baumaßnahme offen. |
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Einer der Entwürfe für das neue Crainfelder Schulhaus von 1903. |
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Das Ende der Crainfelder Schule Das Ende der Volksschule Crainfeld wie generell die Abschaffung der nun als "Zwergschulen" diffamierten kleinen ländlichen Schulen war wie die parallele kommunale Gebietsreform ein Ergebnis der "Modernisierungsideologie" der 1960er Jahre. Ebenso wie die bisherigen kleinen Landgemeinden und Kreise zu großräumigen "modernen" Verwaltungsregionen zusammengeschlossen werden sollten, so sollten die kleinen Landschulen durch wenige zentrale "Mittelpunktschulen" ersetzt werden. Nicht zufällig war Grebenhain sowohl als Standort der neu zu gründenden Mittelpunktschule wie auch als als Sitz der neu zu schaffenden Großgemeinde vorgesehen. Das proklamierte Ziel der Schulreform im Land Hessen war die Herstellung gleicher Bildungschancen in Stadt und Land, in der Praxis die unkritische Übertragung großstädtischer und "moderner" Normen auf das "rückständige" Dorf. Unter dem Schlagwort der damals geradezu hysterisch beschworenen "deutschen Bildungskatastrophe" wurde eine vollständige Neuordnung des gesamten Bildungssystems für notwendig befunden. Gemäß den Vorstellungen der hessischen Landesregierungen hatten sich die Einzelgemeinden als Schulträger freiwillig zu Schulverbänden zur Unterhaltung einer Mittelpunktschule zusammenzuschließen. Im Vogelsberggebiet wurde bereits am 20.3.1963 der Schulverband "Moosbachgrund" mit den Gemeinden Ober-Moos, Nieder-Moos, Metzlos, Metzlos-Gehaag, Wünschenmoos, Zahmen, Heisters, Bannerod und Gunzenau in der Tradition des Kirchspiels Nieder-Moos gegründet. Eine Mittelpunktschule sollte nahe dem Nieder-Mooser Teich erbaut werden. Die Landesregierung wollte jedoch größere "zentrale Orte" als Standort der Mittelpunktschulen, so dass der Schulverband "Moosbachgrund" keine stattliche Unterstützung erhielt. Dagegen sah der damalige Grebenhainer Bürgermeister Otto Stier in der Errichtung einer Mittelpunktschule große Chancen für die künftige Entwicklung seiner Gemeinde und wurde der Hauptinitiator des am 3.4.1964 gegründeten Schulverbandes Grebenhain mit den Mitgliedern Grebenhain, Bermuthshain, Crainfeld, Herchenhain, Hartmannshain, Volkartshain, Vaitshain und Nösberts-Weidmoos. Ihm musste sich 1965 der Schulverband "Moosbachgrund" notgedrungen anschließen. In Crainfeld gab es erbitterten Widerstand gegen die geplante Mittelpunktschule im benachbarten Grebenhain und die damit verbundene Aufgabe der eigenständigen zweiklassigen Dorfschule. Eine Bürgerversammlung in Crainfeld am 26.1.1963 lehnte den Beitritt zu einem Schulverband einstimmig ab, ebenso die Gemeindevertretung wenige Tage später am 31.1.1963. Angesichts des fortgesetzten Widerstands der Crainfelder gegen die Mittelpunktschule fand am 25.2.1964 eine Aussprache im Gasthaus "Hessischer Hof" statt, zu der als Referenten der damalige Lauterbacher Landrat Vieregge, Kreisschulrat Freund und Regierungsinspektor Haas erschienen, um die Bevölkerung von den pädagogischen Vorteilen der neuen Schulform zu überzeugen. Nach einer langen und hitzigen Diskussion ergab eine Abstimmung 24 Stimmen für den Beitritt zum Schulverband Grebenhain und 13 dagegen, so dass der Beitritt von Crainfeld zum Schulverband Grebenhain am 3.4.1963 erfolgen konnte. Wenig später erfolgte die Genehmigung des Regierungspräsidiums Darmstadt für den "Ausbau der Volksschule in Grebenhain zur Mittelpunktschule". Bereits im Jahr 1965 begann die praktische Umsetzung der Mittelpunktschulidee, als die Lehrer der einklassigen Schulen in Hartmannshain und Vaitshain pensioniert bzw. versetzt wurden und ihre Schüler nach Grebenhain eingeschult wurden. Erstmals wurde auf Landeskosten eine Schülerbeförderung mit Bussen von den beiden Orten nach Grebenhain durchgeführt. Im Jahr 1966 wurde im gesamten Gebiet der Bundesrepublik Deutschland der Schuljahresbeginn vom traditionellen Termin an Ostern auf das Ende der Sommerferien umgestellt und gleichzeitig die Schulzeit von acht auf neun Jahre verlängert. Übergangsweise wurden zwei Kurzschuljahre von 4 Monaten eingeführt. Da die bestehenden ländlichen Schulen ausschließlich für eine achtjährige Schuldauer und jahrgangsübergreifende Klassen eingerichtet waren, sollte diese Maßnahme auch die Abschaffung der Dorfschulen auf kaltem Wege erzwingen. So wurden das Crainfelder 9. Schuljahr von Beginn an in Grebenhain unterrichtet. Am 1.4.1966 erfolgte die Auflösung der Dorfschule von Bannerod, am 1.12.1966 die von Volkartshain und die Überweisung ihrer Schüler nach Grebenhain. Ebenfalls zum 1.12.1966 mussten die Schulen Bermuthshain und Nieder-Moos die Klassen 7-8 und 6-8 nach Grebenhain abgeben, ebenso Zahmen die Klasse 6. Der Unterricht erfolgte in der neuen Schule in Grebenhain (heutiger Altbau der OWS) am Ortsausgang nach Hartmannshain und in der alten Schule (heutige "Galerie alte Schule") in Grebenhain an der Abzweigung nach Crainfeld. Da die vorhandenen Schulgebäude völlig überfüllt waren, musste außerdem als Ausweichquartier noch das Grebenhainer Dorfgemeinschaftshaus (heutige Gemeindeverwaltung Grebenhain) benutzt werden. Der Baubeginn der neuen Mittelpunktschule in Grebenhain neben dem vorhandenen Schulgebäude war für 1966 geplant, wurde aufgrund der Rezession aber um ein Jahr auf dem Herbst 1967 verschoben. Die Baukosten betrugen weit über 4 Millionen DM, wovon 13.000 DM als Kostenbeitrag auf die Gemeinde Crainfeld entfielen. Am 23.5.1970 konnte der riesige Gebäudekomplex im Stil der nüchternen "Betonarchitektur" jener Zeit, die heutige "Oberwaldschule" (OWS), eingeweiht werden. Doch bereits im Jahr zuvor hatte die Geschichte der Dorfschulen einschließlich derjenigen in Crainfeld ihr Ende gefunden. Bereits zu Beginn des Schuljahres 1968 wurden die Klassen 5-8 aus Crainfeld nach Grebenhain eingeschult, nachdem Bermuthshain schon 1967 die Klassen 5-6 hatte abgeben müssen. Zu Beginn des Schuljahres 1969/70 am 1.8.1969 wurden sämtliche Grundschüler von Steigertal (Zahmen, Heisters, Wünschenmoos), Metzlos mit Metzlos-Gehaag, Nieder-Moos, Ober-Moos, Bermuthshain und Crainfeld der Mittelpunktschule Grebenhain zugeordnet. Damit hatten mehr als 370 Jahre Crainfelder Schulgeschichte ihr Ende gefunden. |
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