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Das Vereinsleben in Crainfeld |
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| Fahnenweihe des Männergesangvereins "Liederkranz" Crainfeld am 31.8.1884. Es handelt sich dabei um die älteste fotografische Dokumentation Crainfelder Vereinslebens. |
| Die Entstehung des Vereinswesens in Deutschland
ist eng verknüpft mit der demokratisch-nationalen Bewegung in der Zeit nach
den napoleonischen Kriegen, der Verbürgerlichung der Gesellschaft und der
Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Bis in die Zeit nach dem
Deutsch-Französischen Krieg und der Reichsgründung 1870/71 blieben Vereine
im wesentlichen eine städtisch-bürgerliche Erscheinung. Im ländlichen Raum
wurde Geselligkeit, sofern überhaupt Zeit dazu bestand, bis dahin
ausschließlich im Rahmen der Spinnstube oder auch der seltenen Kirmessen
bzw. im Dorfwirtshaus gepflegt. Die traditionelle Dorfgemeinschaft war durch
die bäuerliche Arbeit bestimmt und stand der städtischen Vereinskultur
zunächst fremd gegenüber, während es im krassen Unterschied dazu in den zu
reinen Arbeitspendler-Wohnorten mutierten Dörfern von heute ausschließlich
die Vereine sind, die überhaupt noch so etwas wie eine "Dorfgemeinschaft" am
Leben erhalten. Aufgrund der zunehmenden Verbindungen zwischen Land und Stadt, wie im Vogelsberg der 1900/1906 geschaffenen Bahnverbindung nach Frankfurt am Main oder auch durch Saisonarbeiter wie die "Westfalengänger" und durch die in den Garnisonsstädten ihren Militärdienst ableisteten Männer kam es noch vor der Jahrhundertwende aber auch in den Vogelsbergdörfern zur Gründung von Vereinen. Insbesondere bei den erwachsenen Männern verdrängten die Vereine schon bald die traditionelle Volkskultur wie z. B. die Spinnstuben. Da auf dem Umweg über die Vereine zudem nicht selten innerörtliche Rivalitäten ausgetragen wurden bzw. gewisse "Ausschweifungen" bei deren Festen stattfanden, war die "Vereinsmeierei" bei lokalen Autoritäten wie z. B. den Pfarrern oft äußerst unbeliebt und galt sogar als ernste Gefahr für den dörflichen Frieden. Alle Vereine ließen sich stets einer politischen Richtung oder einem sozialen Millieu zuordnen, waren also niemals "unpolitisch". In Dörfern und Siedlungen mit größerem Anteil von Industriearbeiterschaft wie etwa Lauterbach, Angersbach oder Ober-Seemen gab es z. B. eigene Arbeitergesangvereine oder Arbeitersportvereine, die sich von den entsprechenden "bürgerlichen" Vereinen abgrenzten und zumeist sozialdemokratisch orientiert waren. Entsprechend der politischen Grundstimmung der Region vor 1933 bzw. 1945 waren die Vereine in den Vogelsbergdörfern fast ausschließlich "vaterländisch", d. h. nationalkonservativ, gesinnt. Schon vor dem Ersten Weltkrieg hatte fast jedes noch so kleine Dorf mindestens einen Männergesangverein und/oder einen Kriegerverein, letzteren als Vereinigung der Kriegsveteranen von 1870/71 und der "gedienten" Soldaten. Nur in größeren Dörfern mit einem Anteil nichtbäuerlicher Bevölkerung wie Grebenhain, Ilbeshausen und eben auch Crainfeld entstanden auch relativ früh schon Sportvereine, zunächst in Form der teilweise militärisch geprägten Turnvereine. In den 1920er Jahren entstanden vielerorts Schützenvereine, die mit den Kriegervereinen eng verbunden waren, und erste Freiwillige Feuerwehren durch Umbildung der bisherigen gemeindlichen Pflichtfeuerwehren. Meist nur eine geringe Lebensdauer war zunächst den nach 1918 aus dem Boden schießenden ersten Fußballvereinen beschieden. Während der Zeit des Nationalsozialismus führten alle diese Vereine zunächst 1933 die Gleichschaltung durch, verloren dann aber an Bedeutung zugunsten der NS-Organisationen bzw. wurden von ihnen vereinnahmt. Erst in dieser Zeit wurden auch durchgehend die alten Pflichtfeuerwehren in Freiwillige Feuerwehren umgewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Vereinsleben einem starken Wandel unterworfen. Während die Kriegervereine und die meisten Schützenvereine nicht wiedererstanden, so wurden unter dem Einfluss heimatvertriebener und ausgebombter Neubürger zahlreiche neue Feiertraditionen etabliert (wie z. B. der Karneval) und der Fußballsport auf breiter Basis endgültig im Vogelsberg heimisch. Infolge des Wandels der Vogelsbergdörfer zu Arbeitspendler-Wohnorten und den Einfluss des Fernsehens wandelte sich die dörfliche Vereinskultur grundlegend. Viele der älteren Vereine wie insbesondere die Gesangvereine verloren an Popularität und wurden aufgelöst. An ihrer Stelle entstanden besonders seit Anfang der 1970er Jahre, nachdem die einzelnen Dörfer ihre Selbstständigkeit durch die Gebietsreform verloren hatten, neue Vereinstypen wie die Landfrauenvereine (bis dahin waren dörfliche Vereine ausschließlich "Männersache") oder die Vielzahl der kulturellen Vereine und Interessensgruppen. |
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Fußballmannschaft der SG 1946 Crainfeld Anfang der 1950er Jahre. Der 1967 im "neuen" TSV Grebenhain aufgegangene Sportverein war der dritte seiner Art in Crainfeld. Gut zu erkennen auf dem Foto ist das Vereinswappen auf den Trikots der SG-Fußballer. |
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Die Crainfelder Vereine Die Entwicklung des Vereinslebens in Crainfeld weist wie die des Ortes selbst einige nur aus der Geschichte zu erklärenden Besonderheiten auf. So entstanden mehrere Vereine im Umfeld der örtlichen Religionsgemeinschaften. Die Rolle als wirtschaftlicher Mittelpunkt der gesamten Gegend führte zur Gründung von wirtschaftlichen Vereinen. Als ältester in Crainfeld gegründeter Verein ist vermutlich der Israelitische Männerverein "Chewroh Kadischa" anzusehen, der innerhalb der Jüdischen Gemeinde Crainfeld und wohl nicht allzulange nach deren Gründung (um 1800) selbst als traditioneller jüdischer Wohltätigkeits- und Bestattungsverein entstand. Später wurde auch noch ein Israelitischer Frauenverein mit ähnlicher Aufgabenstellung gegründet. Die beiden jüdischen Vereine teilten später das Schicksal der Jüdischen Religionsgemeinschaft Crainfelds und deren völlige Vernichtung in der Zeit der NS-Diktatur. Als erster bürgerlich-geselliger Verein wurde der Männergesangverein "Liederkranz" im Jahr 1881 ins Leben gerufen. Er bestand über beide Weltkriege hinweg bis zu seiner faktischen Auflösung am 19.1.1963. So ist gegenwärtig der Evangelische Kirchenchor der älteste noch bestehende Verein in Crainfeld. Er wurde am 23.11.1903 als Evangelischer Kirchengesangverein gegründet und während der NS-Zeit 1935 in Kirchenchor umbenannt. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert sind auch die Anfänge des Kriegervereins Crainfeld als örtliche Veteranen- und Reservistenvereinigung zu suchen, nachdem bereits seit 1873 der Grebenhainer Kriegerverein als regionaler Verein der Kriegsteilnehmer von 1870/71 bestand. Der Kriegerverein Crainfeld, der sich in nationalsozialistischer Zeit "Kriegerkameradschaft" nannte, betrieb auch den Schießsport auf einem eigenen Schießstand in der Flur V "Auf der Haide" und erlosch mit Kriegsende 1945. Am 22.12.1934 wurde auf Betreiben des Staates wie in anderen Dörfern auch die örtliche Pflichtfeuerwehr in eine freiwillige Wehr umgewandelt und somit die Freiwillige Feuerwehr Crainfeld gegründet. In diesem Zusammenhang müssen auch die politischen und wirtschaftlichen Vereine erwähnt werden, obgleich auf dieser Seite nur die "eigentlichen" Vereine aufgeführt sind. Politisch dominierten in Crainfeld vor dem Ersten Weltkrieg die diversen antisemitischen Parteien, danach der Hessische Bauernbund. Inwieweit in Crainfeld wie in den Nachbarorten Grebenhain und Bermuthshain Ortsgruppen dieser Parteien bestanden, ist noch nicht geklärt. Ende der 1920er Jahre setzten sich innerhalb der evangelischen Bevölkerungsmehrheit die Nationalsozialisten durch. Wohl am 1.5.1932 wurde die NSDAP-Ortsgruppe Crainfeld gegründet. Die Crainfelder Angehörigen der nationalsozialistischen Sturmabteilung (SA) gehörten zum Sturm 25/254 Bermuthshain, der zahlreiche Übergriffe gegenüber den jüdischen Ortseinwohnern zu verantworten hatte. Bis zum Ende des "Dritten Reiches" 1945 dominierten die NSDAP und ihre Gliederungen wie die Hitlerjugend (HJ), der Bund Deutscher Mädel (BDM) oder die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) das Dorf total. Nach Kriegsende wurde in Crainfeld bis zur Bildung des SPD-Ortsbezirks am 3.7.1972 keine örtliche Untergliederung einer politischen Partei mehr gegründet. Zur Behebung der wirtschaftlichen Notlage der einheimischen Landwirtschaft wurde am 8.4.1881 der Darlehenskassenverein Crainfeld-Bermuthshain auf Initiative der beiden Bürgermeister dieser Gemeinden gegründet, Heinrich Schmalbach IV. und Sebastian Schmidt. 1890 erfolgte dessen Umwandlung in die Vorschusskasse Crainfeld-Bermuthshain AG. Nachdem sie infolge der Inflation zahlungsunfähig geworden waren, wurde am 4.1.1926 der Spar- und Darlehenskassenverein Crainfeld gegründet. Er ist der Vorläufer der heutigen Volksbank Grebenhain-Crainfeld. Für Zwecke der beruflichen Aus- und Weiterbildung im heimischen Handwerk wurde am 15.1.1899 der Gewerbeverein für Crainfeld und Umgegend gegründet, welcher bis zu seiner in der NS-Zeit am 11.2.1934 mehr oder weniger erzwungenen Auflösung bestand. Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde vermutlich von Kriegsteilnehmern der Fußballclub Crainfeld gegründet. Dieser Verein wurde aber bereits nach wenigen Jahren wieder aufgelöst. 1928 wurde ein Turnverein gegründet, welcher aber ebenfalls nicht lange Bestand hatte und (wohl auch wegen der vielen jüdischen Mitglieder) ein Opfer der nationalsozialistischen Gleichschaltung 1933 wurde. Durch Zwei aus Frankfurt am Main evakuierte Männer wurde schließlich im Jahr 1946 die Sportgemeinschaft 1946 Crainfeld ins Leben gerufen, die rasch zum bedeutendsten Verein des Dorfes anwuchs und gegen Ende ihres Bestehens nahezu 60 Mitglieder zählte. Die SG Crainfeld verfügte über eine Fußball- und Tischtennisabteilung. 1967 fusionierte sie mit dem benachbarten TSV 1906 Grebenhain unter Beibehaltung des Namens des Grebenhainer Vereins. Seither ist das Vereinsleben der beiden Dörfer Crainfeld und Grebenhain sehr eng miteinander verflochten. Auch die rein "passive" Seite des Fußballsports hat in Crainfeld durch den örtlichen Eintracht-Frankfurt-Fanclub 111 mittlerweile Einzug gehalten. Am Vorabend des Verlusts der kommunalen Selbstständigkeit 1971/72 bestanden der Evangelische Kirchenchor Crainfeld, die Freiwillige Feuerwehr Crainfeld und der TSV Grebenhain (-Crainfeld). Der Kreis der Crainfelder Vereine erweiterte sich im Januar 1975 mit der Neugründung des Schützenvereines. Es folgte am 17.3.1977 der Ortsverein des Bezirkslandfrauenvereins Lauterbach ins Leben gerufen und damit der erste und einzige ausdrücklich Frauen offenstehende Verein in der Ortsgeschichte. Gemeinsam mit der ab 1986 immer am letzten Aprilwochenende und anstelle der traditionellen Pfingstkirmes veranstalteten Crainfelder Lüderkirmes entstand auch die Kirmesburschenschaft (KSG) Crainfeld. Jüngster Verein bzw. vereinsähnliche Gruppierung des Dorfes ist die 2007 gegründete "Interessensgemeinschaft Hemmen - Brauchtumspflege in Crainfeld". Die folgende Liste enthält alle "echten" (ohne die religiös, politisch oder wirtschaftlich fundierten) Vereine. Hinweise zur Vereinsgeschichte sind ausdrücklich erwünscht! Für genauere Informationen zu einem Verein und dessen Geschichte einfach auf den entsprechenden Vereinsnamen klicken (folgt später). |
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Aufgelöste Vereine: |
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Männergesangverein "Liederkranz" Crainfeld |
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Kriegerverein Crainfeld |
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Fußballclub Crainfeld |
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Turnverein 1928 Crainfeld |
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Sportgemeinschaft 1946 Crainfeld |
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Bestehende Vereine: |
| Evangelischer Kirchenchor Crainfeld |
| Freiwillige Feuerwehr Crainfeld |
| Turn- und Sportverein 1906 Grebenhain |
| Schützenverein Crainfeld |
| Landfrauenverein Crainfeld |
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Posaunenchor Crainfeld |
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Eintracht-Frankfurt-Fanclub Crainfeld 111 |
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Kirmesburschenschaft Crainfeld |
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IG "Hemmen - Brauchtumspflege in Crainfeld" |
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