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Wirtschaft und Gewerbe im alten Crainfeld |
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| Das Dreschen als harte bäuerliche Arbeit war in Crainfeld schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts durch den Einsatz einer mit einem Dampflokomobil angetriebenen Dreschmaschine erleichtert worden. Auf diesem 1937 in "Mengersch" Hof aufgenommenen Bild sieht man die große Schar der Helfer, die im Zuge der gegenseitigen Nachbarschaftshilfe für den maschinellen Drusch erforderlich war. | ||||||
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Hintere Reihe v. l.: Johannes Schäfer III. ("Schoulbästjes", Bedienpersonal für Lokomobil), Konrad Maul (aus Holzmühl, Helfer bei der Flurbereinigung), Konrad Ruhl ("Mengersch"), N.N. (Wagnergeselle bei "Wänersch"), Johannes Müller VI. ("Brückehannese"), Auguste Mühling geb. Fritz ("Veldese"), Katharina Minker geb. Hammel ("Minkerjes"), Lina Baumbach geb. Ganß ("Gerbets"). |
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| Vordere Reihe v. l.: Hans Asbach (Erntehelfer in "Mengersch" aus Gelsenkirchen), Andreas Oechler V. ("Schneiderbaste", Heizer und Maschinist), Heinrich Muth (aus "Brühls" in Freiensteinau, Helfer bei der Flurbereinigung), Konrad Mühling II. ("Schreierjes", Bediener Dreschmaschine), Johannes Baumbach X. ("Gerbets"), Karl Hornung ("Lenze"), Katharina Müller geb. Oechler ("Brückehannese"), Heinrich Schmelz ("Wänersch"), Katharina Ruhl geb. Müller ("Mengersch"), Irene Ruhl ("Mengersch"), Anna Oechler geb. Luft ("Veldese"), Johannes Baumbach VII. ("Gerbets"), Lina Ruhl ("Mengersch"), Maria Ruhl geb. Schäfer ("Mengersch"), August Ruhl ("Mengersch"). | ||||||
| Vordergrund v. l.: Wilhelm Rauber ("Wennheckerts"), Friedrich Schmelz ("Wänersch"), Karl Ruhl ("Mengersch"), Heinrich Baumbach ("Gerbets"). | ||||||
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Bis zum Bau der Staatsstraße, der heutigen
Bundesstraße 275, in den Jahren 1831-1857 und der Eisenbahn 1899-1901 bzw.
1902-1906 war Crainfeld der unbestrittene wirtschaftliche Mittelpunkt des südöstlichen
Vogelsberges. In der Folgezeit geriet es allmählich ins Hintertreffen
gegenüber Grebenhain, dem Nachbarort, der mit Anlage der neuen
Verkehrswege bedacht worden war und bis dahin ein eher unscheinbares
Dasein geführt hatte. Diese Entwicklung sollte 1971/72 mit der Auswahl von
Grebenhain als Kernort der neuen gleichnamigen Großgemeinde ihren
Abschluss finden. Aufgrund der weitgehenden "Deagrarisierung" und der Schließung
vieler Handelsgeschäfte und Handwerksbetriebe in den Jahrzehnten seit dem
Ende des zweiten Weltkrieges als Folge eines dramatischen wirtschaftlichen
Strukturwandels ist die einstige Stellung von Crainfeld innerhalb der
Vogelsbergregion heute nur noch zu erahnen. Zur wirtschaftlichen Bedeutung
kam noch die Funktion als Sitz von Pfarrer und (bis 1821) Gericht hinzu. In Crainfeld lebten in früherer Zeit bedeutend mehr Menschen als in der Gegenwart. Der höchste gemessene Stand der Einwohnerzahl in "normalen Zeiten", d. h. ohne die durch Heimatvertriebene und Evakuierte nach 1945 bewirkte Bevölkerungszunahme, war im Jahr 1846 mit 588 Einwohnern erreicht. Noch im Jahr 1933 hatte Crainfeld 462 Einwohner, also deutlich mehr als heute bei einer zudem weit höheren Zahl an Wohnhäusern im Ort. Die wirtschaftliche Struktur der Ortsbevölkerung gliederte sich im Jahr 1933 zu 65,7% in den Bereich Land- und Forstwirtschaft, zu 16,7% in den Bereich Industrie und Handwerk und zu 9,3% in den Bereich Handel und Verkehr. Arbeitspendler, die in der Gegenwart nahezu die gesamte Dorfbevölkerung ausmachen, waren vor dem Zweiten Weltkrieg nahezu unbekannt. Die Arbeitsplätze der damaligen Crainfelder mit ihrem allerdings durchaus bescheidenen Auskommen lagen im eigenen Dorf, sprich dem eigenen Bauernhof oder Handwerksbetrieb bzw. Handelsgeschäft. Es ist nicht bekannt, inwieweit der in den Nachbarorten Grebenhain und Bermuthshain durch spätere Schriftquellen aus dem 18. Jahrhundert sowie den Grebenhainer Flurnamen "Am Eisenberg" für das 15. Jahrhundert belegte Eisenerzbergbau auch Auswirkungen auf die Wirtschaftsstruktur von Crainfeld neben der zweifelsfrei seit den Anfängen vorhanden gewesenen Landwirtschaft im Mittelalter hatte. Aus den Crainfelder Kirchenbüchern des 17. und 18. Jahrhunderts sind nur verstreute Hinweise auf Handwerksberufe im Dorf zu entnehmen. Um 1800 war Crainfeld war von einer typischen landwirtschaftlich-gewerblichen "Mischökonomie" geprägt. Deren Standbeine waren die Landwirtschaft mit dem Schwerpunkt Viehhaltung (insbesondere Rinderhaltung) und die Leinweberei, die in Crainfeld auch durch die Färberei ergänzt war. Daneben waren die üblichen Dorfhandwerksberufe (Schmied, Müller usw.) vertreten. Durch die napoleonische Kontinentalsperre und dann das Aufkommen der industriellen Leinenfabrikation wurde die Leinweberei bis um 1890 wirtschaftlich ruiniert und verschwand aus dem Dorf. Die Verelendung der unterbäuerlichen Schichten und eine massive Auswanderungsbewegung nach Nordamerika waren die Folgen, nicht nur in Crainfeld, sondern in der ganzen Vogelsbergregion. Die Leinweberei wurde in ihrer Bedeutung schließlich zumindest teilweise durch die Vielzahl der holzverarbeitenden Gewerbe wie Schreiner, Schindler, Zimmerleute und Wagner abgelöst, die Crainfeld dann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit prägten. Viele dieser Handwerksberufe wurden oft nur heimgewerblich und als Nebenverdienst zur Landwirtschaft ausgeübt. Bedeutung über den Ort hinaus errangen jedoch etwa die Zimmerei Fritz ("Schefferjes"), die Schreinerei Flach ("Hoabichs") und die Wagnerei Schmelz ("Wänersch"). Die Landwirtschaft bildete das "Rückgrat" der alten Crainfelder Wirtschaftsstruktur, von der wiederum viele Handwerksberufe (Bäcker, Metzger, Wagner, Schmiede, Viehhändler usw.) direkt abhängig waren. Nicht vergessen werden darf der ausschließlich von jüdischen Ortsbürgern ausgeübte Viehhandel, der Crainfeld zu einem regionalen Zentrum des Viehhandels machte. Auch viele der, gemessen an der Größe des Dorfes, überproportional ansässigen Handelsgeschäfte und Läden waren im Besitz jüdischer Familien. Die bedeutendsten Handwerksbetriebe in Crainfeld um 1930 waren die Schreinerei Heinrich Flach III. ("Hoabichs"), die Schreinerei Konrad Möller ("Heckenanne") und die Wagnerei Friedrich Schmelz ("Wänersch") sowie die Schindelmacherei Johannes Schuchardt ("Budnersch"). Wichtige Handwerksbetriebe waren auch die Schreinerei Wilhelm Blößer ("Pauls"), die Schmiedewerkstatt Karl Rauber ("Koathereins"), die SChindlerei Heinrich Luft ("Lufte") und die Wagnerei Konrad Rehberger ("Christöffeljes"). Ferner bestanden die Bäckerei Heinrich Oechler VII. ("Bäckersch") und die Metzgerei Salomon Sommer ("Girschels"). Insgesamt drei Gastwirtschaften existierten, nämlich "Zur Eisenbahn" ("Schreiersch"), "Zum Hessischen Hof" ("Deichschneidersch") und "Zur Krone" ("Hofmanns"). Zur erstgenannten gehörte außerdem eine weitere "professionelle" Metzgerei. In Crainfeld lebten zwei Butterhändler, Heinrich Ruhl IV. ("Michelhennerjes") und Heinrich Rauber ("Wennheckerts"), sowie sieben Viehhändler, Elkan Sommer ("Leebs"), Manfred Sommer ("Nades"), Moses Sommer ("Affremjes"), Nathan Sommer II. ("Nathans"), Sigmund Sommer II. ("Abrahams"), Meier Stern ("Meiersch") und Simon Strauß ("Moadjes"). Unter den örtlichen Kaufläden und Handelsgeschäften sind diejenigen von Joseph Bär ("Kadaljes"), Karl Jöckel ("Jeckels"), Hermann Lind ("Itzigs"), Heinrich Rehberger IV. ("Brandeweis"), Jakob Stein II. ("Feistjes"), Markus Stein ("Koppels"), Matthäus Stein II. ("Matthese"), Sally Weinberg ("Sallys") und Götz Zimmermann ("Götzjes") zu nennen. Industrielle Unternehmungen wie etwa im Fall der Sägewerke in den Nachbarorten Ilbeshausen und Bermuthshain bestanden in Crainfeld jedoch nicht. Letzteres war allerdings für kurze Zeit im Besitz des Crainfelders Ludwig Schmelz ("Wänersch"). Mitte der 1930er Jahre kamen noch die Schmiedewerkstatt von Karl Rausch ("Schmiede") und die Metzgerei von Heinrich Ruhl II. ("Grebjes") hinzu. Alle Handwerker waren im Nebenerwerb noch Landwirt. Bei den kleinen Handwerksbetrieben wurde die Arbeit oftmals ausschließlich von Familienangehörigen erledigt. Die größeren Betriebe beschäftigten dagegen noch Gesellen und Lehrlinge, die üblicherweise im Haus des jeweiligen Handwerksmeisters wohnten und dort auch verköstigt wurden.Eine Minderheit der Ortsbürger war jedoch gezwungen, zeitweise bzw. saisonal als Arbeiter im rhein-westfälischen Industriegebiet (Ruhrgebiet) sein Einkommen zu suchen. Diese bezeichnete man im Volksmund als "Westfalengänger". Schließlich profitierte auch Crainfeld von der 1901 bzw. 1906 eröffneten Vogelsbergbahn, an die es durch einen Bahnhof bzw. einen Haltepunkt direkt angeschlossen war. |
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Originales Haustürschild der Grabsteinhandlung Flach ("Hoabichs"), wohl aus den 1920er Jahren. |
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Die Landwirtschaft Das wirtschaftliche "Rückgrat" von Crainfeld wie der gesamten Vogelsbergregion vor 1939/45 war die Landwirtschaft. In dem vergleichsweise kleinen Gebiet des Altkreises Lauterbach (Gebiet der heutigen Großgemeinden bzw. Städte Freiensteinau, Grebenhain, Herbstein, Lauterbach, Lautertal, Schlitz, Wartenberg) gab es im Jahr 1919 insgesamt 4493 landwirtschaftliche Betriebe, während es zu Beginn des 21. Jahrhunderts im mehr als doppelt so großen Vogelsbergkreis nur noch etwa 2000, davon wiederum nur etwa 500 Vollerwerbsbetriebe, waren. Dominierend waren mittel- und vor allem kleinbäuerliche Betriebe mit Größen von oft weit unter 10 ha. Selbst die "Erbhöfe" der Zeit von 1933-1945 waren im Kreis Lauterbach mit einer Durchschnittsgröße von 12,5 ha nach den Maßstäben der heutigen "Agroindustrie" geradezu als winzig zu bezeichnen. Im gesamten Bundesgebiet gibt es heute übrigens nur noch etwa 500000 landwirtschaftliche Betriebe, während ihre Zahl im Deutschen Reich vor dem zweiten Weltkrieg über fünf Millionen betrug. In Crainfeld gab es noch im Jahr 1930 insgesamt 60 landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe. Dabei vermittelt auch diese für die heutigen Verhältnisse hoch erscheinende Anzahl von Bauernhöfen immer noch nicht den Stellenwert, den die Landwirtschaft im Crainfelder Wirtschaftsleben hatte. Auch sämtliche anderen Ortsbewohner, die nicht in erster Linie Landwirte waren, wie die Inhaber von Handwerksbetrieben und Handelsgeschäften, betrieben zur Selbstversorgung eine Landwirtschaft, so dass es im Grunde genommen keine Familie in Crainfeld gab, die nicht auf irgendeine Weise mit der Landwirtschaft verbunden gewesen wäre. Viele Gewerbetreibende waren sogar direkt von der Landwirtschaft abhängig wie z. B. die Schmiede, Wagner, Viehhändler, Metzger, Bäcker und Butterhändler. Die Inhaber der größeren Anwesen, die es sich leisten konnten, Pferde als Zugtiere zu halten, wurden als Pferdebauern ("Gäulsbauern") bezeichnet. Sie dominierten traditionell in der dörflichen Politik. Die meisten Crainfelder Landwirte waren jedoch Kuhbauern, die wie der Name schon sagt Kühe als Zugtiere verwendeten. Nach ihrem Landbesitz unterschied man die großen (17,5 ha oder mehr), die mittleren (10-17,5 ha) und die kleinen Bauern (bis 10 ha). Die Größe der Selbstversorgung lag bei 4 bis 5 ha. Viele kleineren Landwirte gingen im Winter als Holzhauer (mundartlich "Holzmächer") in den Gemeindewald, wenn sie sonst keine Beschäftigung fanden, einige arbeiteten dann auch als Holzfuhrmann. Im althessischen Teil des Vogelsberges war als bäuerliche Erbsitte die Realteilung üblich. Jedes Kind eines Bauern erhielt also als Erbteil einen Teil des Hofes, üblicherweise ein Stück Land. Im Unterschied hierzu herrschte im benachbarten Riedeselland, das Anerbenrecht vor, wonach die Güter geschlossen vererbt wurden. Die Realteilung wurde und wird historisch häufig als problematisch betrachtet, da sie zu einer immer stärkeren "unrationellen" Zersplitterung der Fluren einerseits und zu einer immer größeren Zahl von Kleinbauernhöfen führte, deren Besitzer zusätzlich ein Handwerk als Nebenerwerb ausüben mussten bzw. zur Auswanderung gezwungen waren. Diese Problemstellung gilt jedoch eigentlich nur für die Zeit des Bevölkerungswachstums im späten 18. und 19. Jahrhunderts. Im übrigen hatte die geschlossene Vererbung der Güter wie im Riedeselland keineswegs nur Vorteile, da beim Anerbenrecht alle nachgeborenen Kinder bei der Vererbung des Hofes nichts erhielten. Daher stammte in früheren Zeiten auch ein Großteil der (nicht erbberechtigten) Knechte und Mägde im althessischen Gebiet aus den benachbarten riedeselischen Dörfern. Das bäuerliche Erbrecht hatte entscheidenden Einfluss auf die Mentalität der Dorfbevölkerung, insbesondere das Heiratsverhalten (siehe Kapitel "Häuser und Höfe"). Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde am 29.9.1933 das so genannte "Reichserbhofgesetz" erlassen. In den Anfangsjahren des NS-Regimes wurde die bäuerliche Bevölkerung, aus deren Reihen ein Großteil der Wählerstimmen für die NSDAP gekommen war, ideologisch besonders hofiert. Die Agrarpolitik der NSDAP wollte unter dem ideologischen Begriff von "Blut und Boden" die Autarkie des Deutschen Reiches von Lebensmittelimporten und den Erhalt einer mittelbäuerlichen Landwirtschaft erreichen, hatte entgegen ihrer Propaganda jedoch zunehmend kein wirkliches Interesse mehr am Erhalt bäuerlicher Traditionen und am Erhalt der historisch überkommenen Kleinbauernregionen wie etwa in Oberhessen. Es ist sogar als sicher anzunehmen, dass im Falle eines "Endsieges" bis auf wenige größere Erbhöfe ein Großteil der Bevölkerung der Vogelsbergdörfer wie Crainfeld (zwangsweise) ausgesiedelt worden wäre, um als Siedler in den eroberten Ostgebieten zur Verfügung zu stehen. Durch das Reichserbhofgesetz wurden alle landwirtschaftlichen Verbände zwangsweise im so genannten "Reichsnährstand" zusammengeschlossen. Als Repräsentant dieser Organisation wurde ein ortsansässiger Landwirt zum "Ortsbauernführer" ernannt. Unter das Reichserbhofgesetz fielen alle Höfe mit einer Nutzfläche von 7,5 bis 125 ha. Der Erbhof durfte weder verkauft noch sonst auf irgendeine Weise veräußert werden, nur ungeteilt an den ältesten Sohn vererbt werden, und war zudem nicht belastbar (entschuldet). Ein Erbhof musste über eine ausreichende "Ackernahrung" verfügen, nämlich seine Besitzerfamilie unabhängig von der Marktlage eigenständig ernähren können. Ähnlich wie die zunehmende Zwangsbewirtschaftung landwirtschaftlicher Erzeugnisse stieß das Reichserbhofgesetz insbesondere aufgrund der rücksichtslosen Hinwegsetzung über das gewohnte Erbrecht nur bedingt auf die Zustimmung der Vogelsberger Bauern. Auch aus Crainfeld sind mehrere Fälle überliefert, in denen für das Erbhofgesetz vorgeschlagene Bauern die Einstufung unter dieses Gesetz mit vielerlei Argumenten zu verhindern versuchten. Bauernhöfe, die nicht unter das Erbhofgesetz fielen, blieben weiterhin vor eventueller Verschuldung ungeschützt, was durchaus nicht unbeabsichtigt war, hofften doch manche im Reichsnährstand, auf diese Weise Land für die Vergrößerung von Erbhöfen zu erhalten. Für jeden Bauernhof wurde eine Hofkarte zur Erfassung seiner Produktion angelegt. Das Verzeichnis der Hofkarten von Crainfeld aus dem Jahr 1935 ist erhalten geblieben und erfasste insgesamt 52 Höfe. Im folgenden eine daraus erarbeitete Auflistung der Crainfelder Bauernhöfe in diesem Jahr, in der Reihenfolge der Betriebsgröße. |
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| Familie Ruhl ("Mengersch") bei der Rast während der Heuernte. Als Besonderheit sind hier vor dem Wagen zugleich ein Pferd und eine Kuh eingespannt. | ||||||
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Bauernhöfe in Crainfeld 1935 |
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| Hausname | Inhaber (1935) | Betriebsfläche (ha) | Nutzfläche (ha) | Status | ||
| "Zöllersch" | Wilhelm Ganß | 19,87 | 17,72 | Erbhof | ||
| "Roasche" | Emil Hornung | 18,65 | 15,57 | Erbhof | ||
| "Hambaste" | Wilhelm Fritz | 17,60 | 17,10 | Erbhof | ||
| "Brückehannese" | Johannes Müller VI. | 15,73 | 14,61 | Erbhof | ||
| "Hofmanns" | Heinrich Hofmann | 15,50 | 15,40 | Erbhof | ||
| "Schefferjes" | Karl Flach | 15,10 | 14,05 | Erbhof | ||
| "Mengersch" | August Ruhl | 14,50 | 13,50 | Erbhof | ||
| "Ratzpetersch" | Heinrich Eifert III. | 14,50 | 13,00 | Erbhof | ||
| "Zentrasmusse" | Karl Schwarzhaupt | 13,10 | 12,00 | Erbhof | ||
| "Lenze" | Heinrich Eifert II. | 13,00 | 11,68 | Erbhof | ||
| "Schwarzhaupts" | Johannes Schwarzhaupt II. | 12,08 | 12,05 | Erbhof | ||
| "Annekinne" | Wilhelm Baumbach | 11,75 | 11,57 | Erbhof | ||
| "Schustervelljes" | Karl Heutzenröder | 11,75 | 11,50 | Erbhof | ||
| "Grebjes" | Heinrich Ruhl I. | 11,24 | 10,89 | Erbhof | ||
| "Miechels" | Karl Baumbach | 10,75 | 9,55 | Erbhof | ||
| "Peterjes" | Heinrich Müller IX. | 10,49 | 8,49 | Erbhof | ||
| "Pauls" | Wilhelm Blößer | 9,81 | 9,78 | Erbhof | ||
| "Deichschneidersch" | Johannes Meinhardt IV. | 9,66 | 9,46 | Erbhof | ||
| "Ratzammels" | Heinrich Jost | 9,65 | 9,54 | Erbhof | ||
| "Färbersch" | Johannes Meinhardt V. | 9,37 | 9,25 | Edelhof | ||
| "Kannsmusjes" | Wilhelm Heinz | 9,29 | 8,00 | Erbhof | ||
| "Schoumesch" | Heinrich Röder | 9,03 | 9,00 | Erbhof | ||
| "Koathereins" | Karl Rauber | 8,77 | 8,49 | Erbhof | ||
| "Schneidersch" | Karl Lind | 8,68 | 8,25 | Erbhof | ||
| "Gänslangersch" | Karl Schmalbach II. | 8,65 | 7,98 | Erbhof | ||
| "Brandeweis" | Heinrich Rehberger III. | 8,64 | 8,40 | Erbhof | ||
| "Wänersch" | Heinrich Schmelz | 8,45 | 8,33 | Erbhof | ||
| "Gerbets" | Johannes Baumbach IX. | 8,39 | 8,37 | Erbhof | ||
| "Siebhannesjes" | Karl Ganß | 8,37 | 8,31 | Landwirt | ||
| "Jule" | Heinrich Müller XI. | 8,28 | 7,46 | Landwirt | ||
| "Linneboste" | Katharina Ganß Witwe | 7,77 | 7,62 | Landwirt | ||
| "Bergbalzerjes" | Wilhelm Luft | 7,55 | 7,05 | Landwirt | ||
| "Liederelse" | Heinrich Müller XII. | 7,30 | 7,00 | Landwirt | ||
| "Liesjes" | Heinrich Lind II. | 7,10 | 7,00 | Landwirt | ||
| "Schreiersch" | Karl Oechler II. | 7,09 | 7,04 | Landwirt | ||
| "Christöffeljes" | Konrad Rehberger | 7,04 | 6,50 | Landwirt | ||
| "Wennheckerts" | Heinrich Rauber | 6,99 | 6,49 | Landwirt | ||
| "Bäckersch" | Heinrich Rehberger II. | 6,98 | 6,86 | Landwirt | ||
| "Muhrsch" | Karl Mohr | 6,41 | 5,88 | Landwirt | ||
| "Hoabichs" | Heinrich Flach IV. | 6,03 | 5,47 | Landwirt | ||
| "Jeckels" | Karl Jöckel | 5,87 | 5,77 | Landwirt | ||
| "Tränkpetersch" | Johannes Greb | 5,71 | 5,42 | Landwirt | ||
| "Schoulbästjes" | Johannes Schäfer III. | 5,68 | 5,38 | Landwirt | ||
| "Schneiderbaste" | Andreas Oechler V. | 5,55 | 5,50 | Landwirt | ||
| "Götzjes" | Karl Herchenröder | 5,55 | 5,30 | Landwirt | ||
| "Seiherts" | Heinrich Scholtes | 5,39 | 5,36 | Landwirt | ||
| "Schmieds" | Johannes Rausch II. | 5,33 | 5,30 | Landwirt | ||
| "Raubersch" | Johannes Dahmer | 5,32 | 5,25 | Landwirt | ||
| "Veldese" | Karl Oechler IV. | 4,99 | 4,91 | Landwirt | ||
| "Fischersch" | Karl Jockel | 4,66 | 4,66 | Landwirt | ||
| "Schmiede" | Karl Rausch | 4,36 | 4,25 | Landwirt | ||
| "Straßewärtersch" | Heinrich Ahlbrand | 3,84 | 3,75 | Landwirt | ||
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Zur "Ausrüstung" des "normalen" Crainfelder
Bauernhofes gehörten vor Beginn der großen Mechanisierung Pflug und Egge als
Bodenbearbeitungsgeräte, Sense, Sichel und und Holzrechen für Getreide- und
Heuernte, Hacke und Karst für die Kartoffelernte und die Dreschflegel für
den Getreidedrusch. Als Transportmittel diente der mit eisenbereiften Rädern
versehene Ackerwagen, der für die Einbringung von Heu und Getreide zum
Leiterwagen umgerüstet werden konnte. Die Bauernhäuser zählten überwiegend
zur Hausform des quergeteilten Einhauses (siehe auch Kapitel
"Fachwerkhäuser"). Das Anbausystem war bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts
die Dreifelderwirtschaft, bei der sich Sommergetreide, Wintergetreide und
Brache jährlich abwechselten. Man kannte nur eine zweijährige
landwirtschaftliche Nutzung ein und derselben Fläche. Im dritten Jahr
"ruhte" sich der Boden aus, um wieder neue Nährstoffe zu sammeln. Vor dem
Aufkommen künstlicher Düngung lieferte allein der Stallmist als natürlicher
Dünger Nährstoff und Humus für den Boden. Der Misthaufen vor dem Haus galt
nicht, wie später von der Bewegung "Unser Dorf soll schöner werden"
entsprechend diffamiert, als Schandfleck im Dorfbild, sondern im Gegenteil
je nach seiner Größe als Kennzeichen für den Wohlstand des Hofes und als
bäuerliches Statussymbol. Trotz der zunehmenden Produktion für den Markt
besaß die bäuerliche Selbstversorgung (Subsistenzwirtschaft) noch eine große
Bedeutung, wie etwa im Fall der Hausschlachtungen und des Backens in den
Dorfbackhäusern deutlich wird. Insgesamt gesehen dauerte die
Wochenarbeitszeit der Vogelsberger Bauern in der Erntezeit bis zu 80
Stunden. Freizeit im heutigen Sinne kannte man nicht, sie war im bäuerlichen
Wertekosmos, in dem jeder nach seiner Arbeitsleistung bewertet wurde, sogar
vollkommen unbekannt. Entsprechend der Größe der Bauernhöfe verfügten diese für heutige Verhältnisse nur über kleine Viehbestände. Ein landwirtschaftlicher Betrieb mit "nur" 6 bis 8 Kühen galt schon als wohlhabend. Allerdings war das Einkommen der Bauern im Verhältnis gesehen höher als heute. Die Pferdebauern und viele Kuhbauern verdienten mehr als beispielsweise ein Industriearbeiter, der zudem anders als der sich selbst versorgende Bauer fast die Hälfte seines gesamten Einkommens (heute nur noch etwa 10%) für Nahrungsmittel ausgeben musste. Die damaligen Rinderrassen wie z. B. das Vogelsberger Rotvieh waren so genannte "Dreinutzungsrinder", die sowohl als Milchvieh wie als Fleischrind sowie als Zugtier gleich gut geeignet waren. Einen Überblick über die Entwicklung der Viehbestände in Crainfeld geben Erhebungen die 1838, 1900, 1950 und 1957 vorgenommen wurden: |
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| Jahr | Pferde | Rindvieh | Schafe | Schweine | ||
| 1838 | 11 | 472 | 300 | 100 | ||
| 1900 | 21 | 472 | 73 | 267 | ||
| 1950 | 49 | 457 | 49 | 276 | ||
| 1957 | 51 | 411 | 0 | 423 | ||
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Grasende Kühe (und ein Schaf) auf dem Sportplatz der SG 1946 Crainfeld in den 1950er Jahren. |
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Im Jahr 1904 arbeitete das großherzoglich hessische Innenministerium den
so genannten Generalkulturplan für den oberen Vogelsberg aus, der die
Verhältnisse der Landwirtschaft und damit die wirtschaftlichen Verhältnisse
im Vogelsberg überhaupt verbessern sollte. Es sollten unter anderem
Viehweiden mit geringem Boden, auf rauen Höhenrücken oder in größerer
Entfernung vom Ort aufgeforstet werden. In der Gemarkung Crainfeld, die
damals eine Gesamtfläche von 1005,5 ha hatte, wovon jeweils etwa die Hälfte
im Bereich von 400-450 bzw. von 450-500 m gelegen war, sollten die
Wiesenfläche zwischen dem Rothenbachteich und der Gemarkungsgrenze zu
Bermuthshain, das Ackerland auf der Haide nahe demselben Teich, das Gelände
vom bereits bestehenden Buchenhochwald an der Rothenbach bis zum Reichhorst
entlang der Gemarkungsgrenzen gegen Ober- und Nieder-Moos sowie ein Streifen
Schutzwald längs der Grenzen zu Nieder-Moos und Metzlos aufgeforstet werden,
was aber erst später geschah. Der Generalkulturplan stieß insbesondere
aufgrund der zahlreichen vorgesehenen Aufforstungen auf so großen Widerstand
innerhalb der Vogelsberger Bevölkerung, dass er nicht zur Ausführung kam. Um
die Erträge zu steigern, war bereits 1888 eine Wassergenossenschaft zur Be-
und Entwässerung von Wiesen und Weiden durch 97 Crainfelder Landwirte
gegründet worden.
Im Jahr 1925 wurde schließlich auch in der Gemarkung Crainfeld eine Flurbereinigung begonnen, welche in den Nachbarorten Bermuthshain und Grebenhain bereits ab 1909 bzw. 1923 erfolgt war. Die Gemarkung Crainfeld bestand vor der Flurbereinigung aus 3698 kleinteiligen Grundstücken (davon 1930 Ackerfeld und 1768 Wiesen) mit einer landwirtschaftlich genutzten Gesamtfläche von 713 ha. Für die meisten Äcker und Wiesen fehlten Zufahrtswege und es musste nacheinander abgeerntet werden, um ein Überfahren von Nachbargrundstücken zu vermeiden, sowie in einem Gemarkungsteil alle Eigentümer die gleichen Feldfrüchte anbauen. Dies bezeichnete man als den "Flurzwang". Der Einsatz von Maschinen bei der Feldbearbeitung war angesichts der Kleinteiligkeit der meisten Grundstücke nicht möglich und auch nicht wirtschaftlich. Der Grundbesitz mancher Crainfelder Landwirte bestand vor der Flurbereinigung aus bis zu 60 einzelnen über die Gemarkung verstreuten Grundstücken. Diese Zahl schrumpfte durch die Flurbereinigung auf 5 bis 10 Grundstücke pro Landwirt. Zudem wurde jedes Grundstück nun auf mindestens zwei Seiten von Wegen berührt, sodass der Flurzwang abgeschafft werden konnte. Die Zuteilung der neuen Grundstücke im Rahmen der Flurbereinigung erfolge 1935. Sie war wie das gesamte Verfahren wegen der unvermeidlichen Eigentumsveränderungen von Anfang an innerhalb der Crainfelder Ortsbevölkerung heftig umstritten. Nicht wenige Landwirte befürchteten, bei der Neuverteilung des Grundbesitzes benachteiligt zu werden. Das Flurbereinigungsverfahren führte aufgrund der Beseitigung zahlreicher für den Vogelsberg so typischer Heckenraine und der Begradigung von Bächen und Wegen zu einer massiven Veränderung des Landschaftsbildes. Der damalige Pfarrer Mitzenheim schrieb in der Kirchenchronik, dass die Landschaft "an Schönheit verloren" habe. Vor allem die Rodung der Hecken sollte sich aus klimatischen Gründen schon bald als Fehler herausstellen. Die Kosten für die Flurbereinigung betrugen nicht weniger als 750000 RM, für die damalige Zeit eine riesige Summe. Gegenwärtig (2007) ist in der Gemarkung Crainfeld ein zweites Flurneuordnungsverfahren im Gang. Die Mechanisierung der Landwirtschaft hielt sich in Crainfeld bis in die 1950er und 1960er Jahre in vergleichsweise engen Grenzen, insbesondere aufgrund der geringen Größe und Erträge der Betriebe. So gab es noch 1935 im gesamten heutigen Altkreis Lauterbach erst ganze neun Traktoren. Diese setzten sich erst ab den 1950er Jahren flächendeckend durch. Dreschmaschinen mit Dampflokomobilantrieb wurden im hohen Vogelsberg seit etwa 1880 verwendet und konnten wegen der hohen Kosten nur genossenschaftlich oder von großen Landwirten mit Lohndrusch betrieben werden. Die erste derartige Dreschmaschine in Crainfeld schaffte der Landwirt Sebastian Fritz II. ("Schefferjes"), der zugleich Inhaber einer Zimmerei und Bauwarenhandlung sowie Gemeinderechner war, im Jahr 1896 an. Über einen zweiten stationären Dampfkessel verfügte ab 1902 auch der Wagnermeister Friedrich Schmelz ("Wänersch"). Dieser diente jedoch nicht zum Antrieb einer Dreschmaschine, sondern einer Holzpresse. Sebastian Fritz II. und später sein Schwiegersohn Karl Flach I. aus "Hobis" führten das Dreschen im Lohn für die anderen Bauern durch. Langjähriger Heizer des Dampflokomobils war Andreas Oechler V. ("Schneiderbaste"). Die eigentliche Drescharbeit benötigte eine Vielzahl von Arbeitskräften und wurde daher stets in Gemeinschaftsarbeit und mit nachbarlicher Hilfe reihum von Hof zu Hof vorgenommen. Während der NS-Zeit wurde die Gründung von Dreschgenossenschaften forciert und in Crainfeld am 1.9.1941 eine solche Genossenschaft gebildet, welche die Dreschmaschine von Karl Flach für 800 RM übernahm. Eine Maschinenhalle mit Dreschplatz wurde am Nordende des Dorfes an der Cent im Jahr 1952 erbaut. Die Dreschgenossenschaft Crainfeld wurde am 10.3.1961 in eine Maschinengenossenschaft umgewandelt. Diese schaffte sogleich einen Mähdrescher, ein Körnergebläse, zwei Stalldungstreuer, zwei Legegeräte, eine Fräse, einen Kartoffelvorratsroder und einen Krautschläger unter Kosten von 43879 DM an, wovon ein Großteil durch die örtliche Spar- und Darlehenskasse abgedeckt war. Bereits 1964 wurde ein zweiter Mähdrescher gekauft. Die alte Dreschmaschine wurde zunächst weiter betriebsfähig gehalten, im Jahr 1967 jedoch für 180 DM als Schrott verkauft. |
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| Milchtankwagen der "Moha" beim Milchholen in "Brandeweis" Hof Ende der 1970er Jahre. Von links: Karl Seibert ("Seiberts"), Richard Karl (Elektriker aus Nieder-Moos bei Fa. Seibert), Heinrich Rehberger ("Brandeweis"), Emil Rausch ("Hansjes" Grebenhain), Gerhard Huhn (Elektriker aus Zahmen bei Fa. Seibert), Dieter Hornung ("Lenze"), N.N. (Milchfahrer der Moha), Werner Schmelz ("Wänersch"), Wilfried Rehberger ("Brandeweis"), Heinrich Herchenröder ("Bullehansjes"), Karl Jäger ("Miechels"), Hans Rauber ("Langs"). | ||||||
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Der erste Traktor in Crainfeld kam auf dem Anwesen von Heinrich Hofmann ("Hofmanns") zum Einsatz. Nach und nach verschwanden alle Pferde-
und Kuhgespanne zugunsten des Traktors aus dem Crainfelder Ortsbild. Doch
bereits ab Ende der 1950er Jahre setzte das rasante Verschwinden des Klein-
und Mittelbauerntums im Vogelsberg ein. Die zunehmend kapitalintensivere
Produktion aufgrund der Mechanisierung und die immer geringer werdenden
Erzeugerpreise sowie die neu entstandene Konkurrenz innerhalb der
Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) schränkten das Einkommen der
landwirtschaftlichen Betriebe in den 1960er Jahren immer weiter ein und fiel
zusammen mit dem starken Arbeitskräftebedarf der Industrie während der Jahre
des "Wirtschaftswunders" und steigenden Löhnen dort. Das auf diese Weise
eintretende "Bauernsterben" war jedoch vor dem Hintergrund der
"Modernisierung des Dorfes" und der erhofften flächendeckenden
Industrialisierung damals vom Staat her gesehen nicht unerwünscht. Auch
durch die geänderten gesellschaftlichen Leitbilder (Freizeit, Urlaub usw.)
wurde die Weiterführung eines Bauernhofes nicht mehr als attraktiv
angesehen. Das nicht offen ausgesprochene Ziel der Landwirtschaftspolitik
von EWG und Bundes-/Landesregierung war die Ablösung der "unrationellen"
kleinbäuerlichen Höfe in den Dörfern durch den großflächigen vollmechanisierten Betrieb, der als Aussiedlerhof außerhalb von Siedlungen
stand. Gemäß der Logik des "Wachsens oder Weichens" wurde das Land von
Kleinbauernhöfen, deren Besitzer die Landwirtschaft aufgegeben hatten, durch
größere Anwesen übernommen und diese später wiederum von Großbetrieben
"geschluckt". Obwohl die Landwirtschaft auch heute noch das Ortsbild von Crainfeld und überhaupt der Vogelsbergregion prägt, spielt sie im Wirtschaftsleben des Dorfes heute keine bedeutende Rolle mehr. Auch Crainfeld ist heute eine nahezu reine "Arbeitspendler-Wohngemeinde" bzw. ein so genanntes "Schlafdorf". Im Jahr 1960 gab es nur noch 21 Vollerwerbsbauern in Crainfeld. 1985 hatte sich diese Zahl auf 12 halbiert. Im Jahr 2005 gibt es lediglich noch 5 Vollerwerbsbauern in Crainfeld. Da es bereits heute abzusehen ist, dass kein einziger dieser Betriebe von einer jüngeren Generation weitergeführt werden wird, wird es im einstigen Bauerndorf Crainfeld schon in absehbarer Zeit zum ersten Mal in seiner Geschichte keinen einzigen Bauern mehr geben. |
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