Die Geschichte der Crainfelder Schule

Crainfeld war der erste Ort auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Grebenhain, in dem eine Schule gegründet wurde. Mehr als dreieinhalb Jahrhunderte lang erhielten die Crainfelder Schulkinder ihren Unterricht im eigenen Heimatort, ehe mit den Umwälzungen der 1960er Jahre das Aus für die örtliche Volksschule kam. Ihre Entstehung und lange Zeit ihr Schicksal war aufs engste verknüpft mit der örtlichen Pfarrei.

Im Mittelalter gab es Lateinschulen zumeist im Umfeld der Klöster, in denen der Nachwuchs für die Geistlichkeit ausgebildet wurde, dann auch für das Bürgertum der sich entwickelnden Städte. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, zumal auf dem Land, kannte jedoch keinerlei Schulbildung. Die Anfänge einer breiten Schulentwicklung für den Bauern und einfachen Bürger gingen in die Einführungszeit der Reformation zurück.

Schüler und Schülerinnen der Volksschule Crainfeld unter Lehrer Wilhelm Jost (ganz rechts) zwischen 1903 und 1904. Bekannt sind noch: 1. R. 1. v. r.: Wilhelm Flach, 2. R. 7. v. l.: Karl Schmalbach, 2. R. 6. v. l.: Johannes Rausch, links neben Lehrer: Karl Lind, 3. R. 2. v. l.: Margaretha Möller, 3. R. 3. v. l.: Katharina Flach, 3. R. 6. v. r.:Katharina Schmalbach, 3. R. 5. v. r.: Elise Schmalbach, 3. R. 3. v. r.: Margaretha Rausch, 4. R. 5. v. l.: Katharina Ahlbrand, 4. R. 6. v. l.: Maria Müller, 4. R. 4. v. r.: Katharina Fritz, 4. R. 1. v. r.: Margaretha Döll, 4. R. 2. v. r.: Marie Müller.

Martin Luthers dringendes Anliegen war eine gut ausgebildete Lesefähigkeit aller Stände, um seine Schriften dem Volk nahe zu bringen. Er hoffte so, ein allumfassendes protestantisch-religiösen Verständnis zu bewirken. Seine ins Deutsche übersetzte Bibel und sein Katechismus sollten in jedem evangelischen Haus gelesen werden können. Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen wurde schon 1521 Anhänger Luthers und führte in den folgenden Jahren flächendeckend in seinem Land die Reformation ein, darunter 1527 auch in der Pfarrei Crainfeld. Schon 1526 bewilligte der Landgraf auf der Landessynode in Homberg (Efze) neben der dort beschlossenen Kirchenordnung auch eine erste Schulordnung. Es vergingen allerdings viele Jahrzehnte, bis tatsächlich in allen Kirchspielen der Landgrafschaft Schulen eingerichtet worden waren. 1619 führte Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt , der Landesherr von Crainfeld, in seinem Land die Schulpflicht ein.

Entstehung und Frühgeschichte

In Crainfeld wurde eine Schule aller Wahrscheinlichkeit nach schon in den 1580er Jahren eingerichtet. Sie war damit einer der ersten und folgerichtig auch ältesten Schulen in der oberen Vogelsbergregion. Angesichts der engen Bindungen von Kirche und Schule war es geradezu natürlich, dass diese Schule am Mutterort des Kirchspieles entstand. Die Schule in Crainfeld musste nicht nur von den örtlichen Kindern, sondern auch denen aus den Filialdörfern Bermuthshain, Grebenhain und Ilbeshausen besucht werden. Dies erwies sich aber, wohl schon wegen der Entfernung der Filaldörfer von der Schule und der Vielzahl der Schulkinder aus vier Dörfern, die von nur einem "Schulmeister" (in der Regel einem angehenden Theologen) unterrichtet wurden, nur als vorübergehende Lösung. Gleichwohl hatte dieser Zustand einige Jahrzehnte Bestand.

Ilbeshausen, der am weitesten von Crainfeld entfernteste Filialort, erhielt schließlich 1606 als erster eine eigene Schule. Noch während des Dreißigjährigen Krieges bemühte sich der damalige Crainfelder Pfarrer Johann Philipp Dippelius, auch in den Orten Grebenhain und Bermuthshain eigene Schulen zu errichten, wie aus seinem Bericht im Rahmen der 1628 abgehaltenen Generalkirchenvisitation hervorgeht: Weil zu dieser Unwissenheit nicht die geringste Ursach ist der Mangel an Schulen, ist vonnöthen, daß in einem jeden Filial eine Schul angestellet werde, wie ich mich den underschiedlich bemühet, aber nicht erhalten können, dann es heißt a teneris assuescere multum est.

Schon um 1630 entstand in Bermuthshain eine eigene Schule. Als erster Schulmeister wurde dort ein Nikolaus Höfer angestellt. In Grebenhain konnte dagegen erst im Jahr 1679 unter Pfarrer Johannes Keyser eine Schule mit dem Einheimischen Johann Heinrich Lang als Schulmeister gegründet werden, nachdem ihn die Gemeinde Grebenhain selbst ersucht hatte, eine Schule aufzurichten und sich um einen guten Mann umzuthun, der solche Schulfunktion sichtbarlich auf sich nehme. Seitdem wurde die Crainfelder Schule bis zu ihrer Auflösung 1969 nur von den Schulkindern aus Crainfeld selbst besucht.

Das soziale Ansehen des Schulmeisters, wie die Bezeichnung für den Lehrer bis ins 19. Jahrhundert lautete, war äußerst gering und die Besoldung selbst für die damaligen Verhältnisse unzureichend. Er war das sprichwörtliche "arme Dorfschulmeisterlein". Über die Pflichten eines Schulmeisters in Crainfeld und sein Einkommen gegen Ende des 17. Jahrhunderts liegt ein Bestallungsbrief des damaligen Oberschultheißen Johann Nikolaus Ellenberger vom 7. Mai 1670 vor. Für seine Schulmeisterdienste erhielt der damalige Lehrer Johann Peter Dietz von jedem Crainfelder und Grebenhainer Kind den Winter über 13 Albus (Weißpfennige). Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Schulunterricht überwiegend in der Winterzeit stattfand, da in den Sommermonaten die Kinder für die Mithilfe in der Landwirtschaft benötigt wurden.

Die Unterklasse der Volksschule Crainfeld mit den Geburtsjahrgängen 1919 bis 1923 mit Lehrer Paul Grundke im Jahr 1930, aufgenommen vor der Kirche. Obere Reihe v. l.: Paul Grundke (Lehrer), Heinrich Schmalbach, Heinrich Jäger, NN, Otto Gärtner, Hans Kimpel, NN, Heinrich Jost, Emil Dahmer, NN, Wilhelm Schwarzhaupt, Wilhelm Oechler, Karl Mohr. Zweite Reihe v. l.: Johannes Möller, Ernst Dörr, Johanna Seibert, Elise Schmalbach, Friedrich Oechler, Marie Herchenröder, Frieda Ganß, NN, Karl Müller, Ludwig Weinberg, Heinrich Flach. Dritte Reihe v. l.: NN, Marie Flach, Lina Fritz, Marie Ruhl, Elise Herchenröder, Erna Eifert, Luise Meinhardt, Marie Dahmer, Herta Sommer, Ottilie Rausch, Frieda Beyer, Frieda Blößer, Berta Sommer, Marie Klein, Heinrich Lind. Untere Reihe v. l.: Gertrud Weinberg, Karl Rauber, Frieda Baumbach, NN, Hedwig Müller, NN, NN, Frieda Müller, NN, Karl Ganß, Herta Althaus, Karl Schäfer, Wilhelm Blößer, Otto Jöckel, NN.

Die Entlohnung des Schulmeisters erfolgte aus dem Kirchenkasten. Auch die Schulaufsicht oblag dem Pfarrer. Die Schulmeister in Crainfeld wie auch der Filialorte wurden zu allerlei kirchlichen Pflichten herangezogen, wie aus dem oben aufgeführten Bestallungsbrief hervorgeht. Sie hatten den Glöcknerdienst zu versehen sowie bei den Gottesdiensten als Vorsänger oder Kantoren das Gesänge zu führen. Ebenso wurde nach der Aufstellung einer Kirchenorgel im Jahr 1666 der Organistendienst mit der Schulstelle verbunden. Sofern es sich, wie in einigen Fällen, um ausgebildete Theologen handelte, mussten die Schulmeister auch den Pfarrer beim Prediger- und Lektorendienst alle 14 Tage vertreten.

Manchmal wurden Pfarramtsanwärter oder Pfarrvikare zum Schuldienst herangezogen, bevor ihnen eine eigene Pfarrstelle zugeteilt werden konnte. Häufig handelte es sich aber bei den Dorfschulmeistern um nicht ausgebildete Autodidakten, die ihren Beruf im Grunde nur höchst unzureichend erfüllen konnten. Sie übten ihr Amt bis zum Tod aus, da keine Pension existierte, und es war nicht selten, das der Sohn des alten Schulmeisters, der diesem zuvor bereits als "Adjunkt" (Gehilfe) zugeteilt war, der neue Schulmeister wurde. Auf diese Weise entstanden (wie bei Schultheißen und Pfarrern) manchmal regelrechte "Schulmeisterdynastien".

Die neuzeitliche Volksschule

Der Schritt vom autodidaktischen Schulmeister hin zum ausgebildeten Schullehrer wurde im Großherzogtum Hessen durch die Gründung eines evangelischen Lehrerseminars in Friedberg und eines katholischen in Bensheim im Jahr 1817 vollzogen. Seit dem Erlass der Allgemeinen Schulordnung am 22. Oktober 1827 stand das Schulwesen nicht mehr unter kirchlicher, sondern staatlicher Aufsicht, wenn auch die Schulaufsicht weiterhin vom Ortsgeistlichen in staatlichem Auftrag wahrgenommen wurde. Ihm zur Seite hatte der Schulvorstand zu stehen, dem der Bürgermeister und zwei "rechtschaffende", auf Vorschlag von Pfarrer und Bürgermeister ernannte, Familienväter angehörten. Die Schulvorstände setzten auch die Schulferien, die sich nach der Erntezeit richteten, wo die Mithilfe der Kinder erforderlich war, fest.

1832 wurde die Schulaufsicht über die nunmehr so genannten Volksschulen auf die Bezirksschulkommission übertragen, deren Bezirk dem jeweiligen Landkreis, im Fall von Crainfeld also ab 1852 Lauterbach entsprach. Die Bezirksschulkommission nahm regelmäßig Visitationen vor, um den Verhältnisse der Schule zu überprüfen. 1822 wurde den Lehrern verboten, die Kinder blau und blutig zu schlagen und sie angewiesen, die von Gott befohlene Rute nur in vernünftiger Mäßigung zu gebrauchen. Gleichwohl gehörte die körperliche Züchtigung durch den Lehrer noch bis in die 1960er Jahre hinein zum normalen Schüleralltag.

Am 16. Juni 1874 wurde das Gesetz, das Volksschulwesen im Großherzogtum Hessen betreffend, verabschiedet. Hierdurch wurden Kirche und Schule weitgehend voneinander getrennt, wenn auch der Lehrer weiterhin das Amt des Organisten, Kantors oder Vorlesers zu übernehmen hatte, sofern diese Funktionen nicht in die Schulzeit fielen. Jedoch kam dem Pfarrer nicht mehr automatisch der Vorsitz im Schulvorstand zu, sondern dieser wurde künftig von der Kreis-Schulkommission aus deren Reihen ernannt, zu denen kein Pfarrer gehörte. Im Großherzogtum Hessen galt künftig das Prinzip der Simultanschule, in der Schüler verschiedener Glaubensrichtungen gemeinsam unterrichtet wurden. Daher gingen in Crainfeld fortan christliche und jüdische Kinder gemeinsam zur Schule.

Einschulung des Geburtsjahrgangs 1929/1930 zu Ostern 1936 mit Lehrer Wilhelm Volk. Die Fotografie ist wie die meisten derartigen Bilder vor bzw. auf der Schulhaustreppe entstanden. Obere Reihe v. l.: Karl Lind, Heinrich Meinhardt, Hilde Schuchardt, Lina Baumbach, Margot Lehmfuhl. Untere Reihe v. l.: Marie Ganß, Liesel Gürtner, Otto Fischer, Emil Greb, Karl Ruhl, Heinz Lahr, Armin Sommer, Frieda Herchenröder.

Jedes Kind hatte vom sechsten bis zum vierzehnten Lebensjahr die Volksschule zu besuchen. Für die Einrichtung einer Volksschule mussten in einer Gemeinde mindestens dreißig schulpflichtige Kinder vorhanden sein. Durch das Volksschulgesetz von 1874 wurde außerdem erstmals eine Art weiterführender und berufsbildender Schule eingeführt, die Fortbildungsschule. Sie schloss sich an die achtjährige Volksschule an und dauerte drei Jahre. Der Unterricht wurde vom örtlichen Volksschullehrer erteilt, bis 1922 allerdings nur im Winter.

Im Jahr 1741 besuchten 60 Kinder die Crainfelder Schule, jeweils zur Hälfte Jungen und Mädchen. Im Jahr 1858 waren es 72 Schulkinder, davon 33 Jungen und 39 Mädchen. In den folgenden Jahrzehnten nahm die Schülerzahl, angesichts der hohen Geburtenraten in dieser Zeit, immer weiter zu. Ein Höchsstand wurde im Jahr 1878 erreicht. Damals gingen in Crainfeld 95 Kinder (45 Jungen und 50 Mädchen) zur Schule, wovon 24 jüdischen Glaubens waren. Diese Zahl veränderte sich bis zum Ersten Weltkrieg nur unwesentlich. Im Jahr 1906 besuchten 93 Kinder die Crainfelder Schule, davon 72 evangelische und 21 israelitische bzw. 53 Jungen und 40 Mädchen.

Einschulung und Beginn des Schuljahres erfolgten bis 1966 traditionell zu Ostern. Dann wurden auch die älteren Schulkinder entlassen, etwa gleichzeitig zu ihrer Konfirmation. Das Charakteristikum jeder ländlichen Volksschule, wie auch der in Crainfeld, war der gemeinsame jahrgangsübergreifende Unterricht von Schülern aus bis zu acht Altersstufen durch einen Lehrer in einem Raum. Ein nach Jahrgängen getrennter Unterricht war nur in städtischen Schulen bekannt, wo auch die Schülerzahlen eine ausreichende Größe aufwiesen. Bei diesem jahrgangsübergreifenden Unterricht war es üblich, dass der Lehrer nacheinander einen Jahrgang unterrichtete, während die übrigen mit anderen Arbeiten beschäftigt waren. Auch unterstützten ältere Schüler die jüngeren beim Lernen. Einen merklichen Anteil an der Schülerschaft stellten übrigens besonders seit dem Ersten Weltkrieg Pflegekinder (sogenannte "Hütekinder"). Sie kamen meist aus sozial schwierigem Umfeld in Großstädten und Industrieregionen wie Offenbach, dem Ruhrgebiet oder nach 1945 West-Berlin, und lebten in Crainfelder Bauernfamilien.

Die Schullehrer in Crainfeld

Der erste bekannte Lehrer, der in Crainfeld gewirkt hat, war Augustin Riccius, Sohn des Pfarrers Johannes Riccius von Ranstadt. Er wurde 1592 an der Universität Marburg immatrikuliert und versah zwischen 1599 und 1604 im Rahmen seiner geistlichen Laufbahn das Schulmeisteramt in Crainfeld. 1604 kehrte er als Pfarrer in seine Geburtsstadt zurück, wo er während des Dreißigjährigen Krieges 1634 auf der Flucht in Butzbach starb. Von diesem Krieg sollte auch der nächste bekannte Lehrer in Crainfeld betroffen sein. Es handelt sich um Heinrich Cholerus, der im Kriegsschadensverzeichnis von 1625 genannt wird. Über ihn heißt es dort: Henricus Cholerus sein Kopf zerschlagen, sein Angesicht mit Pistolen Zerstoßen, solange Zeit die Narben gehabt, drei stund lang gefangen geführt, mit Rappirn geschlagen, entlich in die Kirchen geführt, bei den Klocken heraushenken wöllen, und entlich ins Schulhaus gefenklich geführt, und das Hauß in praesentita in Brantt geleget.

Heinrich Cholerus stammte aus Homberg und war von 1603 bis 1604 Schulmeister in Burg-Gemünden, ehe er mutmaßlich als Nachfolger von Riccius nach Crainfeld kam.  Hier wirkte er noch 1630. Cholerus war zugleich auch Gerichtsschreiber und kaiserlicher Notar. Auf ihn folgte wahrscheinlich Johannes Rodacker, der 1627 als Schulmeister in Stumpertenrod und 1632 als solcher in Crainfeld erwähnt wird. Noch vor 1640 muss dann ein Andreas Kompf Schulmeister gewesen sein. Von 1638 bis zu seinem Tod 1659 wurde die Stelle des Schulmeisters von Hans Ziegler versehen. Wahrscheinlich schon 1658 kam Konrad Lang an die Crainfelder Schule, wurde jedoch 1666 nach Nieder-Ohmen versetzt, da er die inzwischen in der Kirche eingebaute Orgel nicht schlagen konnte.

Einschulung des Geburtsjahrgangs 1947/1948 zu Ostern 1954 mit Lehrer Werner Dietl. Hintere Reihe v. l.: Waltraud Rauber, Christel Schwarzhaupt, Ingrid Zettel, Werner Dietl (Lehrer), Wilhelm Rausch, Willi Oestreich, Heinrich Mohr. Vordere Reihe v. l.: Christel Althaus, Elvira Junker, Walter Schwarzhaupt.

Im Orgelschlagen allhier examinieren lassen hatte der Gießener Superintendent Haberkorn dagegen Philipp Zahn, der nach den Stationen Gedern (bis 1665) und Melbach (1665 bis 1666) im Jahr 1666 nach Crainfeld kam. Bereits 1671 verließ er seine Stelle wieder. Von ihm wird berichtet, dass er in einigen Stunden für 15 Albus Bier und 1 Albus Tabak konsumieren konnte. An seiner Stelle versah von 1671 bis 1678 Johann Georg Blum aus Schotten, 1668 immatrikuliert an der Universität in Gießen, das Schulmeisteramt. Es folgte von 1676 bis 1677 Johann Peter Dietz von Biedenkopf, der anschließend von 1676 bis 1683 Diakon in Langenschwalbach, von 1684 bis 1685 Pfarrer in Viermünden, von 1686 bis 1696 Pfarrer in Thurnau in Oberfranken und von 1697 bis 1700 Pfarrer in  Steben bei Bayreuth war. Aus allen seinen Stellungen wurde er jeweils entlassen. Zuletzt verlor er seine Stellung wegen seiner Mitwirkung an der unstandesgemäßen Eheschließung des Prinzen Georg Albrecht von Brandenburg-Kulmbach.

Von 1678 bis 1679 war Johann Jakob Fuchs aus Grünberg Schulmeister in Crainfeld, von 1679 bis 1682 Johann Nikolaus Jung aus Münzenberg und von 1682 bis 1688 Johannes Abt aus Schotten. Dieser soll ein ausgezeichneter Sänger gewesen sein, aber auch dem Alkohol zugesprochen haben, weshalb er schließlich entlassen wurde. Von 1688 bis 1691 war dann Ludwig Ulmer von Grebenhau in Crainfeld tätig.

Mit Johann Christoph Keyser wurde 1691 der Sohn des Crainfelder Pfarrers Johann Georg Köhler zum Schulmeister des Ortes. Seine Theologenlaufbahn setzte er 1695 bis 1704 als Rektoir in Laubach und von 1704 bis 1723 als Pfarrer in Gonterskirchen fort, bevor er als Geistlicher nach Wohnbach kam, wo er 1738 starb. Wiederum ein einheimischer Pfarrersohn war Friedrich Wilhelm Köhler, der zwischen 1695 und 1700 das Schulmeisteramt ausübte, bevor er Pfarrvikar wurde. 1719 sollte er schließlich das Amt des Pfarrers in Crainfeld von seinem verstorbenen Schwiegervater übernehmen. Als Pfarrvikar schlug Friedrich Wilhelm Köhler seinen Nachfolger als Schulmeister selbst vor. Es war dies Johann Christoph Soldan, Sohn des Pfarrers Johann Philipp Soldan in Dauernheim, der ab 1700 und noch 1750, also mindestens ein halbes Jahrhundert, Schulmeister in Crainfeld war.

Wohl wegen des zunehmenden Alters von Schulmeister Soldan war diesem schon seit 1737 Johann Peter Weiß aus Breungeshain, Sohn des dortigen Lehrers Johann Heinrich Weiß, als Adjunkt beigegeben. Er übernahm die Schulmeisterstelle dann ganz und hatte sie bis zu seinem Tod 1775 inne. Ab 1772 unterstützte ihn sein Sohn Heinrich Jakob Weiß, der sein Nachfolger wurde und wiederum bis zum Tod 1825 war.

Noch einmal wurde jetzt ein Pfarrersohn zum Schullehrer in Crainfeld. Es war dies Friedrich Wilhelm Theodor Spamer, ein Sohn des Ortsgeistlichen Christian Spamer. Er hatte in Gießen studiert, war aber wegen des Verdachts "politischer Umtriebe" in der Zeit der Restauration von der Universität relegiert worden. Von 1825 bis 1826 war er Schulvikar in Grebenhain, bevor er durch Fürsprache seines Vaters als Lehrer nach Crainfeld kam und hier bis zu seinem Tod 1837 blieb. Als Vikare wirkten anschließend Heinrich Ludwig Muhl von Ilbeshausen (1837 bis 1838) und Johannes Schweitzer von Bromskirchen (1838) in Crainfeld.


Die Unterklasse der Volksschule Crainfeld mit den Geburtsjahrgängen 1949 bis 1953 um 1960. Oberste Reihe v. l.: Wilfried Strauch, Emmy Jörke; Peter Neugebauer, Christel Bayer, Elke Minker, Anita Jost. Zweite Reihe v. l.: Erwin Jost, Marianne Müller, NN, Reinhold Strauch, NN. Dritte Reihe v. l.: Gerhard Krusche, Gerhard Jöckel, Ingrid Schmalbach, Roswitha Donot, Monika Donot, Doris Schneider.Vierte Reihe v. l.: Heinrich Johannes Flach, Gerhard Müller, Walter Meinhardt, Arnold Gebert, Günther Baumbach, Karlheinz Herchenröder. Unterste Reihe v. l.: Rudolf Junker, Helmut Schäfer, Wolf Dietl, Helmut Blößer, Karl Jäger.

Matthäus Buri aus Altenhain, 1819 zunächst Vikar und von 1819 bis 1838 Lehrer in seinem Heimatdorf im Kreis Nidda, wirkte von 1838 bis zu seinem Tod 1869 als Lehrer in Crainfeld. Mehr als drei Jahrzehnte wirkte er in Crainfeld, wie es in der Kirchenchronik heißt, mit Treue und jugendlicher Kraft und Freudigkeit. Nur wenige Lehrer sollten später noch annähernd so lange in Crainfeld wirken. Konrad Meyer aus Weckesheim im Kreis Friedberg war von 1869 bis 1871 Lehrer, Johannes Greb von 1871 bis 1876. Er stammte aus Fleschenbach, war von 1861 bis 1863 im Seminar, 1863 Schulvikar in Metzlos, 1863 bis 1867 Schulvikar in Zahmen und Wünschenmoos, 1867 bis 1869 Vikar und 1869 bis 1871 dann Lehrer in Holzmühl. Im Anschluß an seine Crainfelder Zeit wirkte er bis zu seiner Entlassung 1882 in Nieder-Ohmen.

Die vorübergehend verwaiste Schulstelle in Crainfeld wurde bis zum 12. Mai 1879 von dem Bermuthshainer Lehrer Heinrich Ludwig Nikolaus verwaltet. Als neuer Lehrer kam Heinrich Riedel aus Rommelshausen im Kreis Büdingen nach Crainfeld, der dann am 4. Mai 1884 nach Rudlos bei Lauterbach versetzt wurde. Vom 6. Mai 1884 bis Juni 1889 war Wilhelm Mink aus Kesselbach Schulverwalter, ehe er nach Nieder-Ohmen versetzt wurde. Als nächstes übernahm Heinrich Büttner die Lehrerstelle und hatte sie bis 1893 inne, unterbrochen wegen seiner Erkrankung 1892, während der ihn Heinrich Steuernagel aus Windhausen vertrat. Weil er sich durch sein Betragen mit der gesamten Gemeinde verfeindet hatte, wurde Lehrer Büttner schließlich nach Grasellenbach im Odenwald strafversetzt.

Von 1893 bis 1898 wirkte Schulverwalter Muth in Crainfeld, bevor er am 16. November 1898 nach Seuselheim im Kreis Worms versetzt wurde. Es folgte Leonhard Ihrig im Gegenzug von Seuselheim nach Crainfeld, wo er von 1898 bis 1903 blieb. Da Ihrig als tüchtiger Lehrer und guter Organist galt, sahen die Gemeinde und auch Pfarrer Walter seine Versetzung nach Aspisheim im Kreis Bingen nur ungern. Der Schulamtsaspirant Wilhelm Jost aus Vilbel war von 1903 bis 1904 in Crainfeld, bevor er nach Wünschen-Moos kam. Im Gegenzug wechselte der dortige Schulverwalter Wilhelm nach Crainfeld, jedoch nur bis zu seiner Einziehung zum Militär am 1. Oktober 1904. Auch Johannes Reichert, gebürtig aus Wernges, wirkte nur kurz in Crainfeld. Er kam am 21. September 1904 von Stadecken in Rheinhessen hierher und wurde am 21. Januar 1905 an die Schule im benachbarten Bannerod versetzt.

Mit Adam Heldmann erhielt am 21. Januar 1905 wieder ein Mann in die Lehrerstelle, der eine ganze Generation lang die Crainfelder Schule prägen sollte. Als erster örtlicher Lehrer konnte er auch in dem neuen Schulhaus unterrichten, das 1907 seiner Bestimmung übergeben wurde. Zudem wurde am 1. Juli 1907 erstmals eine zweite Lehrerstelle, auch angesichts der großen Schülerzahl, eingerichtet. Diese übernahm zunächst Georg Matthäus von der benachbarten Schule in Bermuthshain, der bereits seit dem 26. Juli 1906 vertretungsweise für den erkrankten Heldmann gewirkt hatte. Adam Heldmann blieb noch bis April 1925 Lehrer in Crainfeld, ehe er wegen seines Sohnes nach Langsdorf im Kreis Gießen ging.

Seit dem 13. Dezember 1907 war auch die zweite Lehrerstelle über lange Zeit kontinuierlich besetzt, und zwar mit Otto Jockel. Dieser stammte aus Ober-Widdersheim im Kreis Büdingen und war vor seiner Crainfelder Zeit in Lauterbach Lehrer. Im April 1924 wurde er nach Hungen versetzt. Nach den Sommerferien 1924 erhielt Hans Mangold, zuvor Lehrer in Bermuthshain, die zweite Lehrerstelle. Nach dem Weggang von Lehrer Heldmann erhielt er die erste Stelle.

Die zweite Lehrerstelle wurde dann vom April 1924 bis zum Juni 1926 von Otto Eiff aus Beuern, zuvor Lehrer in Neu-Isenburg, verwaltet. Von April bis Oktober 1928 war Friedrich Brunn zweiter Lehrer. Nach ihm wurde die zweite Lehrerstelle aufgrund gesunkener Schülerzahlen wieder aufgehoben. Nun unterrichtete wieder ein einziger Lehrer alle acht Jahrgänge, und zwar zunächst Paul Grundke. Dieser kam von der ebenfalls einklassigen Volksschule in Gunzenau und wirkte bis 1934 in Crainfeld, ehe er auf seinen Wunsch hin nach Gießen versetzt wurde.

Von Mai 1934 bis Januar 1936 war Erwin Crößmann Schulverwalter in Crainfeld. Auf ihn folgte Meta Pömperl-Lothari, die erste weibliche Lehrkraft an der Volksschule Crainfeld. Bereits im April 1936 löste sie Heinrich Volk ab, der aber seinerseits auch nur ein Jahr in Crainfeld unterrichtete, bevor im April 1937 wieder eine Lehrerin, Berty Seibert, an seine Stelle trat. Sie war bis zum April 1939 in Crainfeld tätig.

Einschulung des Geburtsjahrgangs 1954/55 zu Ostern 1961 mit Lehrerin Ruth Dietl. Oberste Reihe v. l.: Reinhard Schwarzhaupt, Helmut Krusche, Werner Schmelz. Zweite Reihe v. l.: Heinrich Bayer, Klaus Oechler, Willi Heutzenröder. Dritte Reihe v. l.: Doris Meinhardt, Lydia Greb, Hannelore Rauber, Günther Geppert, NN. Vierte Reihe v. l.: Renate Blößer, NN, Alice Minker. Unterste Reihe v. l.: Irmgard Fischer, Anneliese Flach, Ruth Dietl (Lehrerin).

Während des Zweiten Weltkrieges war die Crainfelder Schulstelle verwaist. Der Unterricht musste von den Lehrern der benachbarten Volksschule Grebenhain übernommen werden. Erst im Oktober 1945 unterrichtete wieder eine Lehrkraft in Crainfeld, nämlich Irmgard Schwanenstecker. In ihrer Amtszeit wurde die Schule auch wieder zweiklassig, da die Zahl der Schulkinder durch die vielen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge stark angewachsen war. Im Januar 1947 wurde Heinz-Ludwig Müller zweiter Lehrer und blieb dies bis zum April 1952, ehe er nach Grebenhain und schließlich nach Butzbach kam. Die erste Lehrerstelle hatte im Januar 1948 Heinrich Liller übernommen. Er wirkte hier fast ein Jahrzehnt, ehe er im Mai 1957 nach Lauterbach versetzt wurde. Die zweite Lehrerstelle bekleideten von April 1952 bis Mai 1953 Friedrich Maser, anschließend nach Darmstadt versetzt , von Mai 1953 bis Mai 1954 dann Hans Müller.

Zwei Lehrerehepaare wirkten nun nacheinander an der Volksschule Crainfeld in den letzten eineinhalb Jahrzehnten ihres Bestehens. Von Mai 1954 bis Mai 1957 hatte Werner Dietl die zweite Lehrerstelle inne, seine Ehefrau Ruth Dietl die erste Lehrerstelle von Mai 1957 bis 1968. Gottfried Höhn war von Mai 1957 bis zum 1. April 1963 zweiter Lehrer in Crainfeld. Als letzte Lehrkraft in Crainfeld überhaupt wirkte seine Frau Gertrud Höhn vom 1. April 1963 bis 1969. Wie ihr Mann und das Ehepaar Dietl wurde sie durch die Oberwaldschule Grebenhain übernommen, welche fortan an die Stelle der alten dörflichen Volksschulen treten sollte.

Die Schulgebäude in Crainfeld

Möglicherweise schon zur Zeit der Gründung der Crainfelder Schule muss diese auch über ein eigenes Gebäude verfügt haben, das auch dem Lehrer als Wohnhaus diente. Zum ersten Mal erwähnt wird ein Schulhaus in Crainfeld, genauer gesagt dessen Zerstörung, im Kriegsschadensverzeichnis des Oberfürstentums Hessen von 1625. Der damalige Schulmeister Heinrich Cholerus erlitt, abgesehen von der Folterung durch die Soldaten des "tollen Christian", einen Schaden in Höhe von 600 Reichsthaler, auch durch den Verlust seiner Bibliothek.

Das Schulhaus dürfte in den Jahren danach wieder aufgebaut worden sein. Ein Bestallungsbrief des Oberschultheißen Johann Nikolaus Ellenberger vom 7. Mai 1670 erwähnt ausdrücklich ein dem Schulmeister, Organist und Glöckner zustehendes freies Schulhaus. Dies war damals keineswegs eine Selbstverständlichkeit und wohl dem Umstand geschuldet, dass Crainfeld der Pfarrort war. In vielen Dörfern wurde dagegen die Schule bis ins 19. Jahrhundert als "Wanderschule" reihum im Dorf in den Bauernhäusern oder im privaten Haus des Lehrers, in der Regel auch einem Bauernhaus, gehalten. Häufig diente die Wohnstube des Lehrers auch als Schulstube.

Es ist zu vermuten, dass das Schulhaus auch im 17. Jahrhundert am Standort der heutigen Alten Schule unterhalb des Edelhofes und nicht allzuweit von der Pfarrkirche entfernt stand. Die Alte Schule wurde im Jahr 1735 erbaut. Sie enthielt nur einen Schulsaal und eine Lehrerwohnung. Als die Schülerzahlen gegen Ende des 19. Jahrhunderts so stark angestiegen waren, dass die Einrichtung einer zweiten Schulstelle notwendig wurde, erwies sich das Gebäude daher als zu klein. Der Neubau eines Schulhauses mit zwei Schulsälen und zwei Lehrerwohnungen erwies sich als unumgänglich. Bereits im Jahr 1903 begannen die Planungen hierfür.

Einer der Entwürfe für das neue Crainfelder Schulhaus, der in dieser Form nicht umgesetzt wurde.

Als Standort wählte man ein Gelände am westlichen Ortsrand an der Straße nach Grebenhain. Zunächst sollte die Neue Schule mit der Giebelseite und nicht mit der Traufseite hin zur Straße zu stehen kommen. Ganz im Sinn der damaligen Heimatschutzstil-Bewegung wurde erin Neubau geplant, der sich in das überkommene Ortsbild einfügen sollte. Dabei sahen die ersten Entwürfe sogar ein massives Untergeschoß und einen vorgelagerten Treppenturm bzw. einen Glockenturm vor. Wohl aus Kostengründen wurde ein vereinfachter Entwurf mit verschindeltem Fachwerk und einem Erker über dem Haupteingang gewählt, der dennoch einen Kostenaufwand von rund 60.000 M erforderte. Die zwei Schulsäle befanden sich im Erdgeschoß und darüber die Wohnungen für die beiden Lehrer.

Mit dem Bau des neuen Schulhauses wurde im Sommer 1906 begonnen. Da die zweite Schulstelle bereits zum 1.7.1906 eingerichtet wurde, fand der Unterricht für die beiden Schulklassen bis zur Fertigstellung des Neubaus nacheinander im alten Schulhaus statt. Die Einweihung des neuen Schulhauses konnte schließlich am 26. Oktober 1907 mit einer Weiherrede des Ortsgeistlichen Jakob Walter und in Gegenwart von Bürgermeister Heinrich Schmalbach IV., des großherzoglichen Kreisrates von Bechtold und des Kreisbauinspektors Hechlow aus Lauterbach erfolgen. Die bodenständige Architektur fand dabei ein besonderes Lob.

Der Luftangriff eines amerikanischen Jagdbombers am 18. März 1945 auf einen Zug auf der unweit der Schule vorbeiführenden Bahnlinie sowie wenige Tage später die Sprengungen der Bunker in der Munitionsanstalt im Oberwald bei Grebenhain verursachten nicht unerhebliche Schäden am Schulhaus. Die vollständige Wiederinstandsetzung konnte infolge der Nachkriegsverhältnisse erst in mehreren Schritten erfolgen. Während die beiden Schulsäle bereits 1946 renoviert wurden, war dies bei den Lehrerwohnungen erst 1949 möglich. Das Schulhaus büßte bei der Renovierung auch die alte symmetrische Eingangstreppe mit der Überdachung sowie den Zwerchgiebel über der Tür ein.

In den folgenden 20 Jahren genügte das Haus wieder allen Anforderungen eines zeitgemäßen Schulbetriebes. 1955 wurde die Schule komplett mit neuen Schulmöbeln ausgestattet. Aufgrund der Auflösung der Crainfelder Schule im Jahr 1969 beschloß die Gemeindevertretung von Crainfeld den Umbau des leerstehenden Gebäudes zu einem Dorfgemeinschaftshaus. Der Umbau begann im Februar 1971 und wurde im Januar 1972 abgeschlossen.

Am 25. Januar 1972 wurde das Dorfgemeinschaftshaus (DGH)  feierlich eingeweiht. Inzwischen war die kommunale Gebietsreform in Kraft getreten und Crainfeld zum Ortsteil der neuen Großgemeinde Crainfeld geworden. Die beiden Schulsäle waren zu einem 100 qm großen Gemeinschaftsraum zusammengefasst, die übrigen Räume zu einem Konferenzzimmer und einer Küche umgebaut sowie ein moderner Erweiterungsbau mit Toilettenanlagen angefügt worden. Die Kosten beliefen sich auf rund 170.000 DM. Während der Dorferneuerung in Crainfeld zwischen 1983 und 1991 wurden Dach und Fassade der früheren Schule erneuert. Eine Innensanierung und mögliche Erweiterung der Räume des Dorfgemeinschaftshauses durch einen Anbau ist jedoch inzwischen ad acta gelegt.

Das Ende der Crainfelder Schule

Spätestens gegen Ende der 1950er Jahre zeichnete sich für den ländliche Raum in der Bundesrepublik Deutschland eine tiefgreifende und grundlegende Veränderung und Umwälzung aller Lebensbereiche ab. Begleitet wurde sie vom Zeitgeist einer regelrechten Modernisierungsideologie, die den Prozess einer Durchsetzung von bis dahin auf die großen Städte beschränkten sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Standarts und Lebensmodellen auf dem "flachen Land" aktiv gestalten und vorantreiben wollte. Ihm sollten, neben vielem anderen, auch die nun als "Zwergschulen" belächelten ein- oder zweiklassigen Dorfschulen zum Opfer fallen.

Durch die einsetzende Wissenschaftsorientierung und die Einführung neuer Schulfächer sowie den zunehmenden Bedarf der Wirtschaft nach Fachkräften waren die dörflichen Schulen vor Herausforderungen gestellt, die sie gerade nach damaliger Ansicht kaum erfüllen konnten. In der öffentlichen Meinung wurde der als veraltet betrachtete Zustand des bundesdeutschen Bildungssystems zunehmend kritisiert, zusammengefasst unter dem griffigen Schlagwort der "Bildungskatastrophe" (Georg Picht, 1964). Ins Visier der Kritiker gerieten u. a. die kleinen Dorfschulen, die dem Ziel der Herstellung gleicher Bildungschancen für Stadt und Land entgegenstanden. Denn schon aufgrund der langen Fahrtwege war es für Dorfkinder kaum möglich, höhere Schulen zu besuchen.

In den 1950er Jahren begann die Entwicklung einer Landschulreform im Bundesland Hessen, begleitet von Schulversuchen wie der 1955 eröffneten ersten Gesamtschule des Landes in Seeheim-Jugenheim ("Schuldorf Bergstraße"). 1957 trat das Düsseldorfer Abkommen zur Vereinheitlichung des Schulwesens auf der Länderebene in Kraft. Unter dem langjährigen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten und "Landesvater" Georg August Zinn wurde 1958 der entschiedene Bildungsreformer Ernst Schütte Kultusminister. Seine Idee war es, anstelle der ein- und zweiklassigen Landschulen zentrale Mittelpunktschulen mit jahrgangsgegliedertem Unterricht und gemeinsamem Haupt- und Realschulzweig sowie gegebenfalls Berufsschulzweig zu schaffen. Zuvor sollte ein 9. Pflichtschuljahr eingeführt werden. Die bisherige Volksschule wurde in Hauptschule umbenannt.


Einschulung des Geburtsjahrgangs 1959 bei Beginn des 1. Kurzschuljahres 1966. Oberste Reihe v. l.: Veronika Ortstadt, Wilfried Rehberger, Ulrich Höhn, Birgit Hornung. Zweite Reihe v. l.: Ute Rebitzer, Gudrun Oechler, Peter Riederer, Karin Müller. 3. Reihe v. l.: Ingeborg Krämer, NN. Unterste Reihe v. l.: Dieter Hornung, Karl-Heinz Flach.

Durch die Landesregierung wurde die Bildung von Schulverbänden mehrerer Gemeinden zur Förderung von Mittelpunktschulen gefördert. Bedeutend war das Schulverwaltungsgesetz von 1961, in dem die volle Übernahme der Beförderungskosten für Schulkinder durch das Land Hessen festgelegt wurde. Die Zahl der Schulverbände stieg daraufhin rasant an. Waren zwischen 1950 und 1960 erst 49 gegründet worden, so waren es zwischen 1960 und 1966 schon 338. 1965/1966 wurde die neunjährige Schulpflicht auf das ganze Land ausgedehnt.

Im hohen Vogelsberg wurde am 20. März 1963 der Schulverband Moosbachgrund durch die Gemeinden Bannerod, Gunzenau, Heisters, Metzlos, Metzlos-Gehaag, Nieder-Moos, Ober-Moos, Wünschen-Moos und Zahmen gegründet. Er stand ganz in der Tradition der gemeinsamen Zugehörigkeit dieser Gemeinden zum Kirchspiel Ober-Moos. Eine Mittelpunktschule sollte nahe dem Nieder-Mooser Teich erbaut werden. Die hessische Landesregierung versagte dem Schulverband Moosbachgrund jedoch ihre Unterstützung, da sie größere zentrale Orte als Standort für die Mittelpunktschulen bevorzugte. Anders war dies im Fall der damaligen Gemeinde Grebenhain, deren Bürgermeister Otto Stier die Chancen für die zukünftige Entwicklung bei Errichtung einer Mittelpunktschule erkannte.

In Crainfeld lösten das Ansinnen der Aufgabe der eigenen Schule und ein gemeinsamer Schulverband mit Grebenhain zunächst großen Widerstand aus. Hierbei dürfte auch das Bewusstsein um die ehemals eigene Zentralörtlichkeit des alten Pfarr- und Gerichtsortes eine Rolle gespielt haben. Sowohl eine Bürgerversammlung am 26. Januar 1963 als auch die Gemeindevertretung fünf Tage später lehnten den Beitritt zu einem Schulverband einstimmig ab. So musste eine öffentliche Aussprache am 25. Februar 1964 im "Hessischen Hof" stattfinden, um die Crainfelder von den pädagogischen Vorteilen einer Mittelpunktschule zu überzeugen. Hierzu erschienen eigens Landrat Vieregge, Kreisschulrat Freund und Regierungsinspektor Haas.

Am 3. April 1964 wurde der Schulverband Grebenhain schließlich gegründet und erhielt rasch die Genehmigung für den Ausbau der Volksschule in Grebenhain zur Mittelpunktschule. Mitglieder waren die Gemeinden Bermuthshain, Crainfeld, Grebenhain, Hartmannshain, Herchenhain, Nösberts-Weidmoos, Vaitshain und Volkartshain. Ihnen gesellte sich 1965 der bisherige Schulverband Moosbachgrund bei. Schon im gleichen Jahr begann auch die praktische Umsetzung des Projekts.

Durch die anstehende Versetzung bzw. Pensionierung der Lehrer in Hartmannshain und Vaitshain im Jahr 1965 nutzte man die Gelegenheit, beide einklassigen Schulen nicht mehr mit neuen Lehrern zu besetzen, sondern sofort zu schließen. Die Schüler aus den beiden Orten wurden nun mit Bussen nach und von Grebenhain befördert. 1966 wurde dann gemäß dem 1964 geschlossenen Hamburger Abkommen bundesweit das 9. Pflichtschuljahr eingeführt und gleichzeitig der Schuljahresbeginn einheitlich von Ostern auf den 1. August verlegt. Zur Umsetzung dieser Reform wurden in Hessen zwei Kurzschuljahre vom 1. April bis 30. November 1966 und vom 1. Dezember 1966 bis 31. Juli 1967 durchgeführt.

Da ein 9. Schuljahr von vornherein die Kapazität der dörflichen Schulen überstieg, wurde es von vornherein in der Schule in Grebenhain unterrichtet. Ebenso wurde zum 1. April 1966 die Schule in Bannerod aufgelöst, am 1. Dezember die Schule in Volkartshain. Zum letzgenannten Termin wechselten auch die Jahrgangsstufen 7 und 8 aus Bermuthshain sowie 6 bis 8 aus Nieder-Moos, weiterhin die Jahrgangsstufe 6 aus Zahmen, nach Grebenhain. Hier musste aufgrund der stark angestiegenen Schülerzahlen neben der 1954 erbauten Neuen Schule auch die Alte Schule von 1895/1905 sowie schließlich das Dorfgemeinschaftshaus (heutige Gemeindeverwaltung) für den Unterricht genutzt werden. Der Grund war, dass sich der Baubeginn der neuen Mittelpunktschule wegen der Rezession 1966 um ein Jahr verzögerte.

Nachdem die Schule in Bermuthshain schon 1967 auch die Jahrgangsstufen 5 und 6 hatte abgeben müssen, büßte die Schule in Crainfeld zu Beginn des Schuljahres 1968/69 ihre gesamte Oberklasse (Jahrgangsstufen 5 bis 8) ein. Nun verblieb noch die Grundschule im Crainfelder Schulhaus, doch auch ihr Ende war längst absehbar. Seit dem Herbst 1967 liefen die Bauarbeiten an der neuen Mittelpunktschule am Ortsausgang von Grebenhain nach dem Oberwald und Hartmannshain.

Die letzte Einschulung an der Grundschule Crainfeld im Jahr 1968. Oberste Reihe v. l.: Herwig Höhn, Bernhard Ziegler, Sabine Schuchardt. Zweite Reihe v. l.: Sigrid Rehberger, Heike Rauber, Elke Lind. Dritte Reihe v. l.: Elke Schmalbach, Renate Seibert, Brigitte Ziegler. Unterste Reihe v. l.: Michael Koppermann, Bärbel Ortstadt, Werner Ganß.

Zu Beginn des Schuljahres 1969/1970 am 1. August 1969 wurden sämtliche Grundschulen der Gemeinden Bermuthshain, Crainfeld, Metzlos, Metzlos-Gehaag, Nieder-Moos, Ober-Moos und Steigertal (Zahmen, Heisters, Wünschenmoos) aufgelöst und ihre Schüler der Mittelpunktschule Grebenhain zugeordnet. Die Schule in Ilbeshausen sollte ein Jahr später folgen. Mehr als 370 Jahre Crainfelder Schulgeschichte hatten ihr Ende gefunden.

Der große Gebäudekomplex der Mittelpunktschule in Grebenhain war aber zu Beginn des Schuljahres 1969/1970 trotz größter Anstrengungen noch längst nicht bezugsfertig. So musste noch ein Dreivierteljahr in den bisherigen Provisorien ein improvisierter Schulunterricht stattfinden, ehe der Tag der Einweihung am 23. Mai 1970 kam. Die neue Mittelpunktschule in Grebenhain wurde auf den Namen "Oberwaldschule" getauft und wurde fortan zum Bildungszentrum für den südöstlichen Vogelsberg.